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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Belgiojoso; Belgrad

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Belgiojoso - Belgrad.

Vgl. zur Geschichte: Moke, Histoire de la Belgique (7. Aufl., Gent 1881); Juste, folgende Werke: "Histoire de la Belgique depuis les temps primitifs jusqu'à la fin du règne de Léopold I" (4. Aufl., Brüss. 1868, 3 Bde.); "Histoire de la fondation de la monarchie belge" (3. Aufl. 1880, 2 Bde.; deutsch 1854), "Les fondateurs de la monarchie belge" (eine Sammlung von Biographien, 1866-81, Bd. 1-25) und "La révolution belge de 1830" (1872, 2 Bde.); Thonissen, La Belgique sous le règne de Leopold I (2. Aufl., Brüss. 1862); Nothomb, Essai historique et politique sur la révolution belge (4. Aufl., das. 1876, 2 Bde.); Gachard, Histoire de la Belgique au commencement du XVIII. siècle (das. 1880); Laveleye, Le congrès national de la Belgique 1830-31 (das. 1880); Hymans, Histoire parlementaire de la Belgique 1831-80 (das. 1878, 5 Bde.); "Patria belgica. Encyclopédie nationale" (hrsg. von Bemmel u. a., das. 1875, 3 Bde.); "La Belgique et le Vatican" (anonym, das. 1881, 2 Bde.); Jourdain, Histoire du commerce et de la marine de la Belgique (das. 1861-64, 3 Bde.); Barlet, Histoire du commerce et de l'industrie de la Belgique (3. Aufl., Mecheln 1885).

Belgiojoso (spr. beloschojoh-), Flecken in der ital. Provinz Pavia, zwischen Po und Olonna, an der Eisenbahn von Cremona nach Pavia gelegen, mit dem schönen Schloß der Familie B., (1881) 3168 Einw. und Viehzucht. In dem genannten Schloß wurde Franz I. von Frankreich nach der Schlacht von Pavia zum Gefangenen gemacht.

Belgiojoso (spr. beldschojoh-), Cristina, Fürstin von, ital. Schriftstellerin und Patriotin, geb. 28. Juni 1808 zu Mailand, Tochter des Marchese Geronimo Isidoro Trivulzio, vermählte sich 1824 mit dem Fürsten Emilio von Barbiano-B., mit dem sie aber nicht glücklich lebte, weshalb sie ihren eignen Lebensweg einschlug. Für die Freiheit Italiens begeistert, nahm sie an der Politik leidenschaftlichen Anteil, vertrat mit Entschiedenheit die Sache der politisch Kompromittierten und begab sich nach Unterdrückung der Erhebung in der Romagna nach Paris, wo sie verschiedene Zeitschriften gründete, auch sonst schriftstellerisch thätig war und ihr Haus zum Sammelplatz von Celebritäten machte. Im Januar 1848 nach Italien zurückgekehrt, wirkte sie hier durch Schrift und That aufs eifrigste für die nationale Erhebung. Sie errichtete auf eigne Kosten ein Freikorps, begab sich Anfang 1849 nach Rom und zog sich nach der Übergabe dieser Stadt an die Franzosen über Athen nach dem Orient zurück, bis Ende 1855 die Beschlagnahme ihrer Güter aufgehoben und ihr die Rückkehr ins Vaterland gestattet ward. Ihre "Souvenirs d'exil", zuerst im "National" veröffentlicht, machten damals die Runde durch alle europäischen Blätter. Nach kurzem Aufenthalt in Italien begab sie sich von neuem nach Paris, wirkte seit 1858 energisch für die Pläne Cavours und gründete in Mailand die Zeitung "Italia", die sie später nach Turin verlegte. Seit 1858 Witwe, starb sie 5. Juni 1871 in Mailand. Von ihren Schriften sind noch hervorzuheben: "Essai sur la formation du dogme catholique" (Par. 1842-43, 4 Bde.), "Emina. Récits turco-asiatiques" (das. 1856, 2 Bde.), "L'Asie Mineure et Syrie" (das. 1858, 2. Aufl. 1861) und "Scènes de la vie turque" (das. 1858), denen schließlich ihre "Histoire de la maison de Savoie" (das. 1860) folgte.

Belgrad (serb. Beograd, "weiße Burg", ungar. Nandor-Fejérvár), befestigte Haupt- und Residenzstadt des Königreichs Serbien, zwischen der Donau und Save gelegen, welche Flüsse sich hart unter der Festung vereinigen (s. Plan). Letztere zerfällt in die obere und untere Festung. In der obern befinden sich das Kommandanturgebäude, in welchem früher der Pascha residierte, einige Kasernen, ein Militärhospital (in der Moschee) und eine alte Kirche, welche die Türken als Pulvermagazin benutzten. In den bombenfesten Kasematten sind Sträflinge untergebracht. In der untern Festung befinden sich große Magazine und Kasernen und hart an der Donau der Turm Nebojscha. Die Festung ist gut armiert, würde aber nicht im stande sein, eine Belagerung auszuhalten. Zwischen der Festung und der Stadt zieht sich ein an 200 m breiter, früher wüster Raum hin, Kalimegdan genannt, der seit mehreren Jahren zu einem schönen Park umgewandelt ist. B. wird in sechs Bezirke eingeteilt. Der Stadtteil Dortschol, wo bis 1862 die Türken wohnten, ist ganz verschwunden; gerade Straßen durchkreuzen ihn; nur hier und da stehen einsam und öde die hohen Minarets der türkischen Moscheen, die in einigen Jahren ganz verfallen sein werden. In diesem Stadtteil befinden sich auch die Reste der interessanten Ruine des Prinz Eugenschen Palastes. B. war früher und zwar bis 1862 mit Wällen umgeben, durch welche fünf Thore in die eigentliche Stadt führten. Das schönste Thor war das unter Laudon erbaute Stambul-Kapu, welches erst 1868 niedergerissen wurde. Einige Schritte von der Stelle des ehemaligen Thors steht das 1871 eröffnete Theater und demselben gegenüber das eherne Monument des 1868 ermordeten Fürsten Michael Obrenowitsch III., welches 19. Dez. 1882 enthüllt wurde. Außer der Kirche in der Festung hat B. noch 5 griechisch-katholische und 1 evang. Kirche, 1 kath. Kapelle (im österreichischen Gesandtschaftsgebäude), 2 Synagogen und 1 Moschee für die in B. seßhaften türkischen Handwerker und Kaufleute, deren Zahl etwa 30 beträgt. Die Zahl der Einwohner ist von (1882) 36,177 auf (1884) 40,000 gestiegen. B. ist der Sitz des Einfuhrhandels

^[Abb.: Situationsplan von Belgrad.]