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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Belial; Belice; Bélidor; Belin; Belinskij

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Belial - Belinskij.

aus Österreich und Deutschland, und auch den größten Teil der Ausfuhr in das Ausland vermittelt B. Auch ist der Transitverkehr zwischen Österreich und der Türkei sehr lebhaft, besonders seitdem die Eisenbahnlinie B.-Nisch dem öffentlichen Verkehr übergeben wurde. Wenn erst die Verbindung dieser Linie mit den türkischen Bahnen hergestellt sein wird, wird dieser Handel großartige Dimensionen annehmen. Die Donaudampfschiffahrtsgesellschaft und die Österreichische Staatseisenbahngesellschaft haben ihre Agenturen in B. und vermitteln den Verkehr mit Österreich. Zum Aufschwung des Handels tragen viel die privilegierte serbische Nationalbank und die Kreditbank bei. Industrie hat B. fast gar nicht, die meisten Handwerker betreiben ihr Gewerbe im kleinen. An Lehranstalten bestehen: 1 Hochschule mit 3 Fakultäten, 1 theologisches Seminar, 1 Gymnasium und 2 Untergymnasien, 1 Realschule und 1 höhere Mädchenschule. Im Gebäude der Hochschule sind die Nationalbibliothek (24,000 Bände) und das Museum (mit einer außerordentlich reichen Münzsammlung) untergebracht. In B. haben ihre Ministerresidenten: das Deutsche Reich, Rußland, England und Belgien. Frankreich, Österreich, Rumänien, Griechenland, Italien und die Türkei haben hier bevollmächtigte Minister. An Sonn- und Feiertagen zieht die Bevölkerung nach dem 2 km westlich von B. entfernten anmutigen Toptschider mit einer Eisenbahnstation, wo sich die fürstliche Sommerresidenz mit schönen Parkanlagen und einem Wildgarten befindet. In letzterm wurde 10. Juni 1868 der Fürst Michael Obrenowitsch III. ermordet, und in Toptschider tagte darauf die Nationalversammlung, welche 2. Juli 1868 den jetzt regierenden König wählte.

B. steht an der Stelle des alten Singidunum. In den Kämpfen der Bulgaren, Griechen und Ungarn mehrmals zerstört, ward es 1343 vom serbischen König und nachmaligen Kaiser Stephan Duschan als Zwingburg wieder aufgebaut; bald nachher wurde die Festung von den Ungarn erobert und kam erst 1382 an die Serben zurück. Georg Brankowitsch, Fürst von Serbien, trat 1426 B. an den König Siegmund von Ungarn ab, welcher die Festungswerke gegen die Türken verstärkte. Nachdem die Stadt von letztern wiederholt belagert worden war (1440 von Sultan Murad II., 1456 von Sultan Mohammed II., gegen welchen Joh. Hunyady die Stadt durch den Sieg vom 24. Juni 1456 verteidigte), fiel sie endlich 29. Aug. 1521 nach tapferer Gegenwehr in die Hände Solimans II. und gehörte von da an 167 Jahre lang zum türkischen Reich. Am 11. Aug. 1688 wurde B. von dem Kurfürsten Maximilian von Bayern mit 53,000 Mann kaiserlicher und Reichstruppen eingeschlossen und 6. Sept. erstürmt, aber schon 18. Okt. 1690 vom Großwesir Mustafa Köprili zurückerobert. Ein Angriff des Herzogs von Croy auf B. 1692 war ohne Erfolg. Dagegen wurde B. vom Prinzen Eugen seit 16. Juli 1717 belagert und, nachdem das türkische Entsatzheer unter Köprili 16. Aug. in der Schlacht bei B., dem glänzendsten Sieg des Prinzen, zurückgeschlagen worden war, 22. Aug. zur Übergabe gezwungen. Im Frieden von Poscharewatz 1718 blieb es den Österreichern, die es neu befestigten und zu einem blühenden Handelsplatz umschufen; aber nach der für die Österreicher unglücklichen Schlacht bei Krotzka wurde B. im Belgrader Frieden (18. Sept. 1739) nebst Schabatz und Orsova an die Türken abgetreten. Die Festungswerke Belgrads, welche die Österreicher vor ihrem Abzug zerstört hatten, wurden von den Türken wiederhergestellt; die Stadt selbst aber sank in den Schmutz der übrigen osmanischen Orte zurück. Im österreichisch-türkischen Krieg 1788-91 wurde B. wieder von dem österreichischen General Laudon (7. Okt. 1789) erobert, fiel aber im Frieden von 1791 von neuem an die Türkei zurück. Als der türkische Despotismus 1804 die Serben zur Empörung trieb, wurde B. von den letztern wiederholt belagert und 13. Dez. 1806 die umschanzte Stadt mit Sturm genommen, die Festungsbesatzung 30. Dez. zur Kapitulation gezwungen und im Januar 1807 die Festung von ihnen geräumt. Die Stadt wurde hierauf Sitz der serbischen Regierung, geriet jedoch, als diese im Bukarester Frieden (28. Mai 1812) von den Russen, ihren bisherigen Beschützern, aufgegeben worden war, nebst den übrigen serbischen Festungen abermals in die Gewalt der Türken, welche die Festung auch noch behaupteten, als sie die Unabhängigkeit Serbiens anerkannt haben. Erst 18. April 1867 wurde die Festung feierlich dem serbischen Fürsten Michael Obrenowitsch III. übergeben und von den türkischen Truppen geräumt.

Belial (Belijaal, hebr., "Nichtsnutzigkeit, Verderben"), in der spätern jüdischen und christlichen Litteratur s. v. w. Satan im Sinn "der Verderber".

Belice (spr. -ihtschc), Fluß in Sizilien, entsteht durch die Vereinigung des B. destro (im Altertum Hypsa) und des B. sinistro (Cremissus) und mündet nach 75 km langem Lauf östlich von den Ruinen von Selinunt in die Sizilische Meeresstraße.

Bélidor, Bernard Forêt de, Ingenieur, geb. 1697 in Katalonien, studierte Mathematik und Physik, ward Professor an der neuerrichteten Artillerieschule zu La Fère, machte 1742 als Adjutant Ségurs und des Herzogs von Harcourt den Feldzug in Bayern mit, ging mit dem Prinzen von Conti 1744 nach Italien, 1745 nach den Niederlanden, trug hier wesentlich zu der Eroberung von Charleroi bei, ward Oberst, 1758 Direktor des Pariser Arsenals und bald darauf Brigadier und Generalinspektor der Mineure; starb 8. Sept. 1761 in Paris. In der Artillerie und Wasserbaukunst ist B. noch jetzt Autorität. B. schrieb unter anderm: "Architecture hydraulique" (Par. 1737-1753, 4 Bde.); "Le bombardier français" (1731) und "Traité des fortifications" (1735, 2 Bde.).

Belin (spr. bĕläng), François Alphonse, franz. Orientalist, geb. 31. Juli 1817 zu Paris, studierte am Collège de France und auf der Schule der orientalischen Sprachen unter S. de Sacy und E. Quatremère, wurde 1843 Dolmetsch beim französischen Konsulat zu Erzerum in Armenien, kam 1846 in gleicher Eigenschaft nach Kairo, 1852 als interimistischer Gesandtschaftssekretär nach Konstantinopel und fungierte 1868-77 als französischer Generalkonsul daselbst. B. hat sich vorzugsweise mit den Sprachen der Araber, Perser und Türken beschäftigt und besitzt auch von der Geschichte, der Verwaltung und Gesetzgebung des mohammedanischen Orients die umfassendste Kenntnis. Außer zahlreichen Aufsätzen im "Journal asiatique" (seit 1839) schrieb er eine "Histoire de l'église latine de Constantinople" (Par. 1872) und gab verschiedene persische und türkische Texte heraus, z. B. Mirchonds "Leben Dschengis-chans" (das. 1841) und "Geschichte der Sassaniden" (das. 1841).

Belinskij, Wissarión Grigorjewitsch, der bedeutendste litterarische Kritiker Rußlands, geb. 1811 als Sohn eines Kreisarztes in Tschembar (Gouvernement Pensa), besuchte das Gymnasium zu Pensa, dann 1829-32 die Moskauer Universität, zwar ohne seine Studien daselbst zum Abschluß zu bringen, doch