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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Belleville; Bellevillekessel; Bellevue; Belley; Belli; Belliard

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Belleville - Belliard.

und Genrebildes, des Dramas und der Unterhaltungsjournalistik umfaßt, ein Begriff, den erst der geistige Umschwung des vorigen Jahrhunderts geschaffen und fortgebildet hat. Belletrist, Kenner und ausübender Freund der schönen Litteratur, Schöngeist; Belletristerei, das Treiben eines solchen, mit verächtlicher Nebenbedeutung; belletristisch, sich auf schöne Litteratur beziehend, schöngeistig.

Belleville (spr. bälwil), 1) Stadt im franz. Departement Rhône, Arrondissement Villefranche, nahe dem Rhône und an der Paris-Lyoner Eisenbahn, mit einer romanischen Kirche (aus dem 12. Jahrh.), einem Schloß, (1876) 2691 Einw., Fabrikation von Leinwand, Baumwollgeweben, Fässern etc. -

2) Name eines Stadtviertels von Paris (s. d.). -

3) Stadt im nordamerikan. Staat Illinois, Grafschaft St. Clair, 18 km südöstlich von St. Louis, hat eine katholische Kirche mit Klosterschule, zahlreiche Fabriken und (1880) 10,683 Einw., darunter viele Deutsche, so daß hier zwei deutsche Zeitungen täglich, drei wöchentlich erscheinen. Die Umgegend ist fruchtbar und reich an Kohlen. -

4) Stadt in der brit. Provinz Ontario, Nordamerika, an der Mündung des Moira in die Quintebai des Ontariosees, ist Sitz der 1857 gegründeten Albert University, hat mehrere andre höhere Schulen, eine Taubstummenanstalt, lebhaften Handel und (1881) 9516 Einw. Einfuhr von den Vereinigten Staaten 1882-83: 446,869 Doll., Ausfuhr 1,501,162 Doll.; 1164 Schiffe liefen ein.

Bellevillekessel, s. Dampfkessel.

Bellevue (franz., spr. bälwüh), s. v. w. das ital. Belvedere ("Schönsicht"), beliebter Name zahlreicher Lustschlösser und Orte, welche eine schöne Aussicht gewähren. Davon sind am bekanntesten vier:

1) In der Nähe von Paris das von der Marquise von Pompadour mit außerordentlicher Pracht erbaute Lustschloß auf der Höhe zwischen St.-Cloud und Meudon, welches von Ludwig XV. angekauft, während der Revolution abgebrochen ward und in seinem Reste, der Villa Brimborion, während der Belagerung von Paris 1870-71 einen strategisch wichtigen Punkt bildete. Auf dem Terrain des ehemaligen Schloßparkes ist seit 1823 das schöne, zum großen Teil aus Villen amphitheatralisch am linken Seineufer erbaute Dorf B. entstanden mit zahlreichen Wasserheilanstalten und etwa 5000 Einw. Zur Erinnerung an einen schrecklichen Eisenbahnunfall 1842, bei dem auch der berühmte Admiral Dumont d'Urville sein Leben verlor, wurde hier die Kapelle Notre Dame des Flammes errichtet. -

2) An der Straße von Sedan nach Donchéry das kleine Landschloß, berühmt durch die Unterzeichnung der Kapitulation von Sedan am Vormittag des 2. Sept. 1870 und durch die am Nachmittag erfolgte Zusammenkunft des von seinem Sohn, dem Kronprinzen, begleiteten Königs Wilhelm von Preußen und des Kaisers Napoleon III. -

3) Das ganz nahe bei Berlin an der Nordseite des Tiergartens 1786-90 im Anschluß an ein Landhaus Friedrichs d. Gr. erbaute Lustschloß des Prinzen August Ferdinand, welches nach dem Tod seines Sohns, des Prinzen August, an Friedrich Wilhelm IV. fiel, der hier eine Galerie von Gemälden neuerer Maler anlegte, von denen ein Teil sich jetzt in der Nationalgalerie befindet. -

4) In Kassel ein aus verschiedenen Teilen bestehendes Schloß, ehemalige Residenz des Kurfürsten von Hessen und 1811-13 des Königs Jérôme.

Belley (spr. belleh), Arrondissementshauptstadt im franz. Departement Ain, in einem vom Furan bewässerten Thal, durch Zweigbahn mit der Linie Mâcon-Genf verbunden, Sitz eines Bischofs, der sich sonst Fürst des Heiligen römischen Reichs nannte, hat einen prächtigen bischöflichen Palast, eine Kathedrale (889 gegründet, in der Folge öfters umgebaut), ein Seminar, ein Antikenkabinett, (1881) 4670 Einw., Fabriken für Musselin und Indiennes, Weinbau, Steinbrüche (lithographische Steine) und Handel. Zur Römerzeit hieß die Stadt Bellitium oder Bellicum. 1385 niedergebrannt, wurde sie vom Grafen Amadeus VII. von Savoyen aufgebaut und mit Mauern umgeben.

Belli, Giuseppe Gioachino, merkwürdiger ital. Volksdichter, geb. 10. Sept. 1791 zu Rom, war ursprünglich zum Kaufmann bestimmt, hatte jedoch, früh verwaist, jahrelang mit Drangsalen zu kämpfen. Nachdem er verschiedene kleine Stellen bekleidet und während dieser Zeit die Lücken seiner frühern Bildung durch Selbststudium ausgefüllt hatte, wurde er 1816 durch die Heirat mit einer wohlhabenden Witwe in eine sorgenfreie Lage versetzt, die ihm erlaubte, ganz seiner Neigung zur Dichtkunst zu leben. Seine Poesien in toscanischem Dialekt hatten jedoch wenig Erfolg. Erst durch die Bekanntschaft mit Portas mailändischen Gedichten fühlte er sich zum Volksdichter berufen. Er machte es sich zur Aufgabe, das Leben des römischen Volks in dessen eignem Dialekt zur Darstellung zu bringen, und entwickelte hierin von nun an eine fast beispiellose Fruchtbarkeit. Seine Dichtungen dieser Art, sämtlich Sonette, belaufen sich auf mehrere Tausend, in welchen die Anschauungsweise des gemeinen Volks von Rom, seine Meinungen und Stimmungen in den ereignisreichen Jahrzehnten von 1830 bis 1850 in drastischer Weise und mit meistens unverhohlen satirischer Tendenz geschildert werden. B. starb 21. Dez. 1863 in Rom. Einen Teil seiner Sonette gab sein Sohn Ciro B. unter dem Titel: "Poesie inedite" (Rom 1865-66, 4 Bde.) heraus, andre L. Morandi unter den Titeln: "Sonetti satirici in dialetto romanesco" (das. 1869) und "Due cento sonetti in dialetto romanesco" (das. 1872). Vgl. Schuchardt, B. und die römische Satire (Augsburger "Allgemeine Zeitung" 1871, Nr. 164); Gnoli, Il poeta romanesco G. G. B. el suoi scritti inediti (in "Nuova Antologia", Dezember 1877).

Belliard (spr. -ár), Augustin Daniel, Graf von, franz. General, geb. 23. März 1769 zu Fontenay le Comte in der Vendée, zeichnete sich als höherer Offizier zuerst 1792 und 1793 unter Dumouriez in Belgien aus, ward nach dessen Abfall abgesetzt, trat aber als Gemeiner freiwillig wieder in die Armee, stand 1795 als Generaladjutant und Oberst bei der Westarmee unter Hoche, zeichnete sich in Italien 1796 und 1797 bei Castiglione, Caldiero, Arcole etc. durch seine Tapferkeit aus und wurde zum Brigadegeneral ernannt. Bei der ägyptischen Expedition focht er mit Auszeichnung in der Schlacht bei den Pyramiden, ward Gouverneur Oberägyptens und drang bis Nubien vor. Nach Bonapartes Abreise dem General Kléber zu Hilfe eilend, schlug er in der Schlacht bei Heliopolis mit seiner Division die feindliche Kavallerie zurück. Ebenso kräftig wirkte B. bei der Einnahme Bulaks und Kairos mit und verteidigte das letztere, bis er zur Kapitulation gezwungen wurde. 1805 wurde er Generaladjutant Murats, kämpfte unter diesem 1805-1807 gegen Österreich, Preußen und Rußland und folgte demselben nach Spanien, wo er im Dezember 1808 das Gouvernement von Madrid erhielt. Im russischen Feldzug 1812 war er abermals Murats Generaladjutant, ward im Dezember 1812 zum Generalobersten der Kürassiere, 1813 zum Generaladjutanten des Kaisers ernannt und focht bei Dresden, Leipzig und Hanau.