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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Beltramo; Beluga; Belugensteine; Belus; Belutschistan

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Beltramo - Belutschistan.

arbeitete. Er starb 1854 in seiner Vaterstadt. Seine bedeutendsten Werke sind: ein 8 Linien großer Stein mit etwa 20 Figuren, das Zelt des Darius darstellend (nach Lebrun), und ein zollgroßer Topas mit dem Abendmahl nach Leonardo da Vinci.

2) Costantino, ital. Patriot und Reisender, geb. 1779 zu Bergamo, mußte infolge seiner Verbindung mit den Karbonari 1821 flüchten und begab sich nach Nordamerika, wo er den Plan faßte, die Quellen des Mississippi aufzusuchen. Im Anschluß an eine wissenschaftliche, vom Major Long geleitete Expedition reiste er 1823 den großen Strom aufwärts, trennte sich dann von seinen Gefährten und hatte das Glück, nach vielen Schwierigkeiten und Gefahren die Quellgegend des Mississippi nebst verschiedenen Seen und unbekannten Zuflüssen des Stroms zu entdecken. Seine 1824 in New Orleans veröffentlichte Schrift "La découverte des sources du Mississippi" wurde vom Publikum mit Interesse gelesen, von den Gelehrten dagegen mit großer Zurückhaltung aufgenommen. Er durchwanderte dann einige Jahre lang Mexiko und begab sich 1827 nach London, wo er "A pilgrimage in America leading to the discovery of the Mississippi" (1828) herausgab. 1830 nach Paris übergesiedelt, brachte er hier sein Werk "Le Mexique" (1830, 2 Bde.) zum Druck und beschäftigte sich angelegentlich mit der Befreiung seines Vaterlandes, wie er unter anderm durch seine Broschüre "L'Italie et l'Europe" bewies. Nach mehrjährigem Aufenthalt in Deutschland (bei Heidelberg) begab sich B. 1837 nach Wien, später nach Rom. Er starb 1855 zu Filotrano in der Romagna.

Beltramo, eine komische Maskenfigur der italienischen Komödie: einfältiger Bedienter.

Beluga, s. Delphine.

Belugensteine, ovale weiße Konkretionen von glänzend strahligem Gefüge, finden sich in den Harnwerkzeugen des Hausens, bestehen aus phosphorsaurem Kalk und dienen bei den Russen als Hausmittel.

Belus (jetzt Nahr Naaman), kleiner Küstenfluß in Palästina, der nach 10 km langem Lauf bei Akka ins Mittelmeer mündet. Er ist berühmt durch die Purpurschnecken und den Sand seines Delta, welcher den Phönikern Anlaß zur Erfindung des Glases gegeben haben soll.

Belus, s. v. w. Bel, Baal.

Belutschistan (Beludschistan), Staatengruppe in Asien, westlich vom Indus, der südöstlichste Teil des Hochlandes von Iran, liegt zwischen 24° 50' bis 30° 20' nördl. Br. und 61° 20' bis 70° 45' östl. L. v. Gr., im S. vom Indischen Ozean, im O. vom englisch-indischen Reich, im N. von Afghanistan und im W. von Persien begrenzt (s. Karte "Zentralasien"), und umfaßt ein Areal von 276,510 qkm (5020 QM.). Das Land, bis 1810 den Europäern fast gänzlich unbekannt und auch jetzt im Innern noch nicht erforscht, ist ein Gebirgsland, im Innern unbewohnbare Steppe, stellenweise Wüste mit tiefem, fliegendem Sande; die Wüste ist gebirgig und von vielen Flüßchen durchschnitten. Der nördliche Teil des Landes dacht sich nach Afghanistan ab; hier liegt in 1737 m Höhe Quetta mit englischer Garnison. Dahinter erhebt sich das Kurkleki-Meridiangebirge, ein Ausläufer der Iran von Indien abschließenden Ketten; östlich davon streicht das Halagebirge bis zum Meer. Dieser Teil ist durchweg gebirgig und von Indien her nur in den dahin gerichteten, tief in das Gebirge eingeschnittenen Flußthälern zu ersteigen. Die gangbarsten dieser Thäler sind der Bolan (s. d.) nach Quetta und der Mula nach Kelat und Mastung. Von der Küste führt der gangbarste Weg von Sunmiani über Bela nördlich. Geologisch zeigt das Gebirge nur Steinmassen jüngerer Bildung. Die Küste, östlich vom Kap Muwarik oder Monze, mit welchem das Halagebirge ins Meer fällt, westlich vom Kap Djask begrenzt, besteht aus einem blendenden, furchtbar heißen, von jeder Spur von Vegetation entblößten Landstrich, hinter dem sich, selten über 15-22 km landeinwärts, kahle, ebenfalls völlig vegetationslose Gebirge erheben. Auf der ganzen 1930 km langen Küste gibt es keinen guten Hafen, nur einige Reeden. Das indopersische Kabel ist bei der Telegraphenstation Gwadar emporgezogen. An einem großen Fluß fehlt es B.; im W. herrschen Wassersnot und Dürre vor. Der bedeutendste Küstenstrom ist der Doscht (Daschti), der westlich vom Ras Nun mündet, in seinem Lauf aber noch wenig erforscht ist; im N. berührt der Hilmend die Grenze. Im östlichen Gebirgsland sind Flußläufe häufig, aber nicht das ganze Jahr gefüllt.

Das Klima wechselt nach der Beschaffenheit und Höhe des Bodens. Im O., am Fuß des Gebirges, indisch und heiß, haben die Hochthäler im Gebirge norditalienischen Sommer, heftige Stürme in der Regenzeit, kalte Winter und geringe wässerige Niederschläge; auf den Steppen und Wüsten herrscht trocknes kontinentales Klima, zeitweise mit allen Schrecken der Wüste. Der Ackerbau ist durchweg von der Bewässerung der Felder bedingt, die seßhafte Bevölkerung leistet darin Großes. Die Berggipfel sind kahl, auch die Abhänge zeigen selten dichte Waldungen; die Kabulpistazie (Pistacia cabulica) herrscht vor. In den niedern Thälern trifft man wilde Oliven-, Mandel- und Pfirsichbäume; auf der Steppe gibt Buschholz das Feuerungsmaterial. In Gärten gedeiht die Dattelpalme noch bei 1100 m Höhe; berühmt sind durch ihre Güte die Trauben. Hauptackerfrüchte sind Weizen, Gerste und Mais; Tabak gedeiht überall, aber Baumwolle nirgends. Die unbewässerbaren Strecken werden durch Abweiden nutzbar gemacht. Bedeutend ist die Zucht von Pferden, die bis nach Madras im südöstlichen Indien gesucht sind, sowie die von Schafen. Transporttiere sind Pferde und Kamele. An wilden Tieren kommen vor Leopard, Wolf, Schakal, Affen, in den Wüsten der wilde Esel. Unbedeutend sind die gewerblichen Leistungen; nur in Filzen, die zu Zelten allseitig Verwendung finden, leistet die Hausindustrie Vorzügliches. Der Handel ist in den Händen weniger Klassen, die Karawanenführer gehören meist dem Momoschistamm der Brahui an. Seit 1. Jan. 1880 durchzieht das östliche B. die englische, 232 km lange Militäreisenbahn von Rohri am Indus bis Sibi an der Nordgrenze von B.; ihre Fortsetzung erfolgt bis Quetta.

Die Bevölkerung, deren Zahl auf 1½-2 Mill. angegeben wird, zerfällt in die beiden Volksstämme der Belutschen und der Brahui, beides vorwiegend nomadische Hirtenvölker. Die Belutschen (s. Tafel "Asiatische Völker", Fig. 34) sind ein Volk iranischen Ursprungs, dem jedoch tatarisches Blut beigemengt ist; sie sprechen eine dem Neupersischen sehr nahe verwandte Sprache und wohnen hauptsächlich im N. und W. des Landes. Die Hauptstämme heißen Nharui, Rhind und Maghzi. Die Nharui wohnen zunächst westlich der Wüste sowie bei Neschki und in Seïstan; sie sind ein schöner, großer Menschenschlag, abgehärtet gegen das Klima, fähig, die größten Beschwerden zu ertragen, und sehr tapfer, aber auch der wildeste und räuberischte Teil der Belutschen. Die Rhind und Maghzi sind besonders westlich von Kelat, in Katscha-Gandawa, ansässig, wohin sie zu