Schnellsuche:

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Bel zu Babel etc.; Belzoni; Bem; Bema; Bematist; Bembasee; Bembo

677

Belzoni - Bembo.

bahn, ist Sitz eines Landratsamts und Amtsgerichts, hat eine ev. Kirche, ein altes Bergschloß (Eisenhard), Wollspinnerei, eine Stärkefabrik und (1880) 2708 Einw. Nahebei das Dorf Hagelberg (s. d.). B. (Gebilizi, Beltiz), ein alter slawischer Ort, wurde 1139 von Albrecht dem Bären erobert.

Belzoni, Giambattista, berühmter Reisender und Altertümersammler, geb. 1778 zu Padua als Sohn eines Barbiers, zeigte in Rom hydraulische Kunststücke, trat später aus Not in ein Kloster, verließ aber dasselbe bei der Ankunft der Franzosen und ging nach Padua zurück; von da 1800 nach Holland und 1803 nach England. Sein schöner und riesiger Wuchs veranlaßte ihn, sich in England, Madrid und Lissabon als Athlet sehen zu lassen. 1815 begab er sich nach Ägypten, wo er den englischen Konsul Salt für sich zu interessieren wußte. In seinem Auftrag leitete er die Arbeiten zur Wegschaffung des kolossalen Memnonskopfes zu Theben (jetzt im Britischen Museum); dann sandte ihn Salt nach Niedernubien, um den prachtvollen Tempel von Abu Simbal zugänglich zu machen. Auch dieses Werk gelang nach großen Anstrengungen, und B. war der erste Forscher, welcher das Innere des Riesenwerks betrat und beschrieb. Darauf das Thal Biban el Moluk untersuchend, entdeckte er hier ein großes Königsgrab, das von ihm ausgebeutet, genau modelliert und später zu Paris und London ausgestellt ward. Von Biban el Moluk wandte er sich nach dem Roten Meer, wo unter 23° 30' nördl. Br. das alte Berenike durch ihn wieder aufgefunden wurde. Nach Kairo zurückgekehrt, öffnete B. die zweite Pyramide von Gizeh, deren Inneres noch niemand gesehen hatte. Nachdem er noch Fayûm, die Ruinen von Arsinoë, den Mörissee und andre Orte untersucht hatte, drang er in die Libysche Wüste ein und gelangte zur Oase El Kassar, die von ihm für die Oase des Jupiter Ammon gehalten ward. Bald darauf (1819) ging er nach England und publizierte hier: "Narrative of the operations and recent discoveries in Egypt and Nubia" (1821). Ende 1822 schickte er sich zu einer neuen Reise an, um von der Westküste Afrikas aus Timbuktu und die Nigerquellen aufzusuchen, starb aber auf dem Weg nach Benin zu Gato 3. Dez. 1823. Die Originalzeichnungen des von ihm eröffneten Königsgrabes wurden von seiner Gattin (Lond. 1829) herausgegeben. Vgl. Menin, Cenni biografici intorno al viaggiatore italiano G. B. (Mail. 1825).

Bel zu Babel etc., s. Bel.

Bem, Joseph, poln. General, geb. 1795 zu Tarnow in Galizien, auf der Krakauer Hochschule, im Kadettenkorps und der Artillerieschule in Warschau gebildet, trat in die polnische reitende Artillerie und machte den russischen Feldzug von 1812 mit. Für seine Auszeichnung bei der Verteidigung Danzigs erhielt er das Kreuz der Ehrenlegion. Nach Polen zurückgekehrt, trat er als Artillerieoffizier in die 1815 reorganisierte Armee ein, hielt an der Warschauer Artillerieschule Vorlesungen und ward 1819 Kapitän. Sein Freimut zog ihm vielfache harte Strafen zu, bis er nach Kaiser Alexanders I. Tode die Entlassung aus dem polnisch-russischen Dienst erhielt. Er war in Lemberg mit einem Werk über die Dampfmaschinen beschäftigt, als der Warschauer Novemberaufstand 1830 ausbrach. B. eilte nach Warschau und wurde zum Artilleriemajor ernannt. Seine Teilnahme am Krieg war eine ausgezeichnete. In der Schlacht bei Iganie trug er das meiste zum glücklichen Ausgang des Kampfes bei, zeichnete sich bei Ostrolenka aus und wurde rasch zum Oberbefehlshaber über die gesamte Artillerie und zum General befördert. Am 6. und 7. Sept. 1831 brachte er bei Warschau seine gesamten Geschützkräfte in den Kampf und bewies außerordentliche Tapferkeit, vermochte aber, weder von Fußvolk noch von Reiterei zur rechten Zeit unterstützt, durch seine Kanonen allein die Russen nicht zurückzuwerfen. Nach dem Fall Warschaus trat er auf preußisches Gebiet über, lebte erst in Leipzig und Altenburg und begab sich im März 1832 nach Paris. Dort verweilte er bis 1848, mit Studien, litterarischen Plänen und mancherlei Projekten beschäftigt, machte auch Reisen in Portugal, Spanien, Belgien, Holland. Im März 1848 erschien er in Lemberg und 14. Okt. 1848 in Wien, wo er die Organisation der Verteidigungsmittel übernahm und außerordentliche Thätigkeit entwickelte, auch sich persönlich an mehreren Gefechten beteiligte, namentlich den Ausfall vom 25. Okt. leitete. Am Tag der Kapitulation flüchtete er nach Ungarn. Dort erhielt er von der Kossuthschen Regierung den Oberbefehl in Siebenbürgen; er organisierte dort rasch eine aus Szeklern bestehende Honvedarmee von 10,000 Mann, führte mit großer Geschicklichkeit den kleinen Krieg, hielt sich gegen den Feldmarschallleutnant Puchner (den er 19. Dez. 1848 bei Dees besiegt hatte) trotz seiner Niederlage bei Vizakna (4. Febr. 1849), eroberte Kronstadt und Hermannstadt, drängte die Österreicher und Russen in die Walachei, vertrieb Puchner auch aus dem Banat und brachte seine Armee auf 43,000 Mann, mußte aber dann vor der österreichisch-russischen Übermacht zurückweichen. Nachdem er vergebens versucht, den Feind in die Moldau zu ziehen, unterlag er 31. Juli 1849 in der Schlacht bei Schäßburg. Von Kossuth nach Ungarn zurückgerufen, nahm er noch an der Schlacht bei Temesvár (9. Aug.) teil, wo er aber durch allzu rasches Vorgehen zur Niederlage der Ungarn beitrug, und flüchtete dann, nachdem er noch einmal vergebens Siebenbürgen zu verteidigen versucht hatte, in die Türkei, wo er zum Islam übertrat und den Namen Amurat Pascha annahm. Die ihm angewiesene Stellung in der türkischen Armee suchte er zu deren Reorganisation zu benutzen, erhielt aber auf die Einsprache Österreichs und Rußlands 1850 Aleppo zum Aufenthalt angewiesen, wo er im November an der Spitze türkischer Truppen den blutigen Aufstand der arabischen Bevölkerung gegen die Christen niederschlug. Sein durch Strapazen und Wunden zerrütteter Körper wurde von einem hartnäckigen Fieber ergriffen, dem er, jede ärztliche Hilfe abweisend, 10. Dez. 1850 erlag. B. war ein vortrefflicher Feldherr und bei den Truppen sehr beliebt. 1880 wurde ihm in Maros-Vásárhely ein Denkmal errichtet. Vgl. Czetz, Bems Feldzug in Siebenbürgen (Hamb. 1850), und Pataky, B. in Siebenbürgen (Leipz. 1850).

Bema (griech.), in den griech. Kirchen der umgitterte Raum für die Geistlichkeit, besonders der darin für den Bischof vorbehaltene Sitz.

Bematist (griech.), Schrittmesser; einer, der seinen Weg schreitend abmißt.

Bembasee, s. Bangweolo.

Bembo, Pietro, berühmter Humanist, geb. 20. Mai 1470 zu Venedig, lernte früh die lateinische, dann zu Messina unter Laskaris die griechische Sprache, trat in den geistlichen Stand, widmete sich aber den Wissenschaften, zunächst in Ferrara, dann in Venedig, wo er bald hervorragendes Mitglied der Gelehrtenakademie des Aldus Manutius ward, ging 1506 als Schöngeist an den Hof von Urbino, ward 1513 Sekretär Papst Leos X., zog sich 1521 nach Padua zurück, wo seine Geliebte Morosina lebte, ward 1529