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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Benedetto - Benedikt.

Posten ab und ward zur Disposition gestellt, aber schon 7. Nov. d. J. zum Direktor der politischen Abteilung im Ministerium des Auswärtigen ernannt und fungierte als solcher auf dem Pariser Friedenskongreß von 1856 als Sekretär. Da er schon früher mit Cavour über die italienische Frage verhandelt hatte und die Sache Italiens begünstigte, ward er 10. Aug. 1861, nachdem Frankreich das Königreich Italien anerkannt hatte, Gesandter in Turin. Dort arbeitete er in Übereinstimmung mit dem damaligen Minister des Auswärtigen, Thouvenel, auf eine Aussöhnung zwischen dem päpstlichen Stuhl und der italienischen Regierung hin. Bei Thouvenels Sturz 15. Aug. 1862 reichte auch B. seine Entlassung ein. Am 27. Nov. 1864 wurde er als Botschafter am Hof zu Berlin akkreditiert mit der Aufgabe, zum Behuf einer Gebietsvergrößerung Frankreichs eine eventuelle Allianz mit Preußen gegen Österreich anzubahnen. Benedettis Anerbietungen aber fanden bei Bismarck kein geneigtes Gehör, wenn dieser auch bis zu der Kriegserklärung an Österreich genötigt war, die französischen Vorschläge dilatorisch zu behandeln. 1866 wurde er nach der Schlacht bei Königgrätz mit der Friedensvermittelung zwischen Österreich und Preußen beauftragt und begab sich zu diesem Zweck nach Nikolsburg. Nach Abschluß der Präliminarien trat B. mit Frankreichs Forderungen, betreffend die Abtretung von deutschem Gebiet nebst Mainz, nachdrücklicher und unter Drohungen hervor, die aber jetzt von Bismarck mit der allergrößten Entschiedenheit zurückgewiesen wurden. B. blieb in Berlin und nahm die Verhandlungen über eine engere Allianz zwischen Frankreich und Preußen wieder auf, ja er ließ einen Vertragsentwurf, in welchem Napoleon freie Hand in Bezug auf Belgien gelassen wurde, in Bismarcks Händen. 1870 stellte B. 9. Juli in Ems die Forderung an den König Wilhelm, er solle dem Prinzen von Hohenzollern die Annahme der spanischen Krone verbieten, und richtete auf Befehl seiner Regierung nach dem Verzicht des Prinzen das Verlangen an den König, derselbe möge die bestimmte Versicherung erteilen, daß auch in Zukunft die Frage der hohenzollernschen Thronkandidatur nicht wieder aufgenommen werden solle. Die Ablehnung dieses Verlangens sowie einer neuen Audienz 13. Juli gab der französischen Regierung den Vorwand zur Kriegserklärung. Mit dieser und dem Sturz des Kaiserreichs war Benedettis politische Laufbahn beendet. Nachdem er schon früher die Behauptungen Bismarcks über die belgischen Verhandlungen, obwohl ohne Erfolg, angefochten hatte, suchte er seine diplomatische Thätigkeit in Berlin durch das Buch "Ma mission en Prusse" (Par. 1871) zu rechtfertigen. Seit seiner Entlassung aus dem Staatsdienst (16. Aug. 1871) lebt B. in Ajaccio.

Benedetto (ital.), gesegnet. B. da Sant' Antonio, ironische Bezeichnung eines einfältigen Menschen, nach der Kirche Sant' Antonio Abbate in Rom, wo die Esel und andre Haustiere am Tag des Heiligen (17. Jan.) gesegnet werden.

Benedicamus Domino (lat., "preisen wir den Herrn!"), die gegen den Altar gesprochene Formel, mit welcher in den Fastenzeiten und an einigen andern Tagen der katholische Gottesdienst statt des gewöhnlichen Ite, missa est! geschlossen wird.

Benedicite (lat., "segnet!"), der Anfang des in Klöstern üblichen Tischgebets; auch der Gesang der drei Männer im Feuerofen, der nach einem Beschluß des Konzils zu Toledo 633 in Kirchen und Klöstern an jedem Märtyrertag zu singen ist.

Benedict, Julius, Klavierspieler und Komponist, geb. 24. Dez. 1804 zu Stuttgart als Sohn eines jüdischen Bankiers, erhielt seinen ersten Unterricht von dem dortigen Konzertmeister Abeille, seine weitere Ausbildung aber von Hummel in Weimar und K. M. v. Weber in Dresden. Auf des letztern Empfehlung ward er 1824 Musikdirektor beim Kärntnerthortheater in Wien, gab aber diese Stelle schon nach zwei Jahren auf, um eine Kunstreise durch Deutschland und nach Italien zu machen. In Neapel, wo er zur evangelischen Konfession übertrat, erhielt er die Stelle eines Musikdirektors am Theater San Carlo und trat nachher mehrere Jahre hintereinander mit großem Beifall in verschiedenen Städten als Klavierspieler auf. Im J. 1830 kehrte er nach Deutschland zurück, ging jedoch schon im folgenden Jahr nach Paris, wo er als Akkompagnateur in der Sängerwelt Aufsehen erregte. Seit 1835 lebte er mit wenigen Unterbrechungen (1850-51 begleitete er Jenny Lind auf ihren Konzertreisen in Amerika) in London, als Orchesterdirigent und Klavierspieler in hohem Ansehen stehend, und starb daselbst 5. Juni 1885. B. ist auch Begründer der dortigen sogen. Popularkonzerte, war häufig Dirigent der großen englischen Musikfeste und wurde 1871 von der Königin zum Ritter geschlagen. Außer zahlreichen mehr brillanten als tiefen Klavierkompositionen und einigen kirchlichen Musikwerken komponierte B. eine Reihe von Opern, von denen die ersten, "Giacinta ed Ernesto" und "I Portoghesi a Goa", ganz in Rossinischer Manier geschrieben sind; in den spätern wandte er sich mehr dem Stil Webers zu. In Deutschland wurden besonders bekannt: "Die Kreuzfahrer, oder der Alte vom Berge" und "Die Lilie von Killarney" (1861).

Benedictio (lat.), s. Benediktion.

Benedictionalis liber (Benedictionarium), im Mittelalter das Buch, welches zum Gebrauch der Geistlichen der römischen Kirche die Formeln zum Segensprechen (benedictiones) enthält.

Benedictis, Jacobus, ital. Dichter, s. Jacopone da Todi.

Benedictus (lat., "gebenedeit"), der Lobgesang des Zacharias (Canticum Zachariae, Luk. 1, 68-79), welcher täglich in dem Breviergebet gebetet und an Festtagen im Chor gesungen wird; auch ein Teil des Sanktus in der Messe (s. d.).

Benedikt (Benediktus, der "Gebenedeite, Gesegnete"): 1) St. B. von Nursia, erster Begründer eines geregelten Mönchsstandes im Abendland, Erbauer und erster Abt von Monte Cassino; s. Benediktiner.

2) B. von Aniane (eigentlich Witiza, Graf von Maguelone), erster Wiederhersteller der Klosterzucht in Westfranken, geboren um 750, wurde nach einer Rettung aus Todesgefahr 774 Mönch und stellte sich als solcher die Aufgabe, das Mönchtum zu der alten asketischen Strenge zurückzuführen und ihm Einfluß auf das öffentliche Leben des Volks zu verschaffen. Er gründete zu Aniane ein Kloster, von dem aus er reformierend wirkte. Die Gunst Karls d. Gr. verschaffte ihm die Exemtion von aller bischöflichen Gerichtsbarkeit. Unter Ludwig dem Frommen erhielt er die Oberaufsicht über alle Klöster, und der Reichstag zu Aachen 817 erhob seine verbesserte Ordensregel zur Klosterregel im ganzen Reich. Er starb 821.

Benedikt, Name von 15 Päpsten: 1) B. I., 574-578, rief gegen die Langobarden die Hilfe der Griechen an. -

2) B. II., von Geburt ein Römer, gewählt 683, erst 684 vom Kaiser bestätigt, setzte es beim griechischen Kaiser Konstantin Pogonatos durch, daß die