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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Benediktiner; Benediktinerinnen; Benediktion; Benedíktow; Benedix

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Benediktiner - Benedix.

nähert, nie aber seine Hand bei politischen Händeln im Spiel gehabt, auch nie sich an die Höfe gedrängt hat. Vgl. Mabillon, Annales ordinis S. Benedicti (Par. 1703-1739, 6 Bde.); Ziegelbauer, Historia rei litterariae ordinis S. Benedicti (Augsb. 1754, 4 Bde.); Krätzinger, Der Benediktinerorden und die Kultur (Heidelb. 1876); S. Brunner, Ein Benediktinerbuch; Geschichte und Beschreibung der Benediktinerstifte in Österreich-Ungarn, Deutschland und der Schweiz (Wien 1880).

Benediktiner, weltberühmter Kräuterlikör, welcher namentlich im Benediktinerkloster zu Fécamp (Frankreich, Departement Seine-Inférieure) fabriziert wird.

Benediktinerinnen, Klosterfrauen nach der Regel des heil. Benedikt von Nursia. Die Ordenstradition macht zur Stifterin die Schwester des heil. Benedikt, Scholastika; mit historischer Sicherheit läßt sich aber die Entstehung der B. erst im 7. Jahrh. nachweisen. Früher noch als bei dem männlichen Ordenszweig gab sich der Verfall bei den B. kund; die Klöster verwandelten sich in regulierte oder selbst in weltliche Stifter adliger Chorfrauen, die kaum noch ein Gelübde verlangten und zu Versorgungsstiftern des Adels wurden. Seit dem Ende des 16. Jahrh. sind von einzelnen kräftigen Äbtissinnen Reformationen ihrer Klöster ausgegangen, denen sich andre anschlossen, so daß sich kleinere Kongregationen bildeten; solche sind die Kongregation von Calvaire (s. d.) und die von der beständigen Anbetung des Sakraments in Frankreich.

Benediktion (lat.), Segnung, Weihe, in der katholischen Kirche besonders die Einsegnung einer Sache oder Person, wobei Gebetsformeln (oft selbst B. genannt), Besprengung mit Weihwasser, Räucherungen etc. den Ritus ausmachen. Dem Papst vorbehalten ist die B. des ganzen Erdkreises (urbis et orbis), die er jährlich dreimal, am Gründonnerstag, am Oster- und Himmelfahrtstag, erteilt, und der Rose, den Bischöfen die der Kultusgeräte, der Fürsten und Äbte. Die B. unterscheidet sich von der Konsekration und tritt als Amtsweihe da ein, wo mit dem Amt, wie bei dem der Äbte, kein heilsvermittelnder, sondern nur ein kirchenregimentlicher Charakter verbunden ist.

Benedíktow, Wladímir Grigórjewitsch, russ. Lyriker, geb. 5. Nov. (a. St.) 1807, wurde im zweiten Kadettenkorps zu Petersburg erzogen, nahm anfangs Kriegsdienste, ging aber später zum Finanzwesen über. Seine Gedichte, deren erste Sammlung er auf Nötigung seiner Freunde Puschkin und Shukowskij 1835 veröffentlichte, zeichnen sich namentlich durch tiefes Gefühl und ideale Begeisterung aus; einzelne Stücke, z. B. "Zwei Erscheinungen", "Der See" und "Die Bergeshöhen", sind den schönsten Poesien aller Litteraturen an die Seite zu stellen. Eine Gesamtausgabe seiner Dichtungen ("Stichotworenija") erschien in 3 Teilen (Petersb. 1856), der 1857 ein Nachtrag: "Neue Gedichte" ("Nowyja Stichotworenija"), folgte. Später veröffentlichte B. eine Übersetzung von Mickiewicz' epischem Gedicht "Konrad Wallenrod" (Petersb. 1863). B. starb 14. April (a. St.) 1875 in St. Petersburg.

Benedix, Julius Roderich, Lustspieldichter, geb. 21. Jan. 1811 zu Leipzig, besuchte die Thomasschule seiner Vaterstadt, folgte aber seiner Neigung für das Theater und ward 1831 Schauspieler. Er spielte bei der damaligen Bethmannschen Gesellschaft während zweier Jahre in Dessau, Bernburg, Köthen, Meiningen und Rudolstadt, fand dann ein Engagement in Westfalen und später am Rhein und trat in Minden, Paderborn, Kleve, Krefeld, Mainz und Wiesbaden auf, bis er 1838 nach Wesel am Niederrhein kam. Hier gelang es ihm 1841, sein erstes Schauspiel: "Das bemooste Haupt", auf die Bühne zu bringen, das mit dem entschiedensten Beifall die Runde über fast alle Bühnen Deutschlands machte. Nicht mindern Erfolg hatte sein zweites Stück: "Doktor Wespe". B. übernahm darauf in Wesel die Redaktion des "Sprechers", einer Volkszeitschrift, siedelte aber 1842 nach Köln über, wo er sich durch vielbesuchte Vorlesungen über Goethes "Faust" einführte. Im J. 1844 übernahm er die technische Direktion des Theaters in Elberfeld, die er ein Jahr lang führte, und wirkte seit 1847 in gleicher Eigenschaft an der Kölner Bühne unter Gerlachs Direktion, während er zugleich wieder Vorlesungen über die jüngsten Lyriker und Dramatiker Deutschlands vor einem ausgewählten Publikum hielt. Als in Köln die Rheinische Musikschule organisiert wurde, erhielt auch B. eine Lehrerstelle an derselben. Im J. 1855 ward er Intendant des Stadttheaters zu Frankfurt a. M., legte jedoch 1859 diese Stelle nieder und kehrte nach Köln zurück. Später lebte er, geistig immer thätig, aber in den letzten Jahren körperlich leidend, zu Leipzig, wo er 26. Sept. 1873 starb. Als dramatischer Dichter hat B. Erfolge geerntet wie nach Kotzebue kaum ein Lustspieldichter. Die meisten seiner Lustspiele wurden Lieblingsstücke des deutschen Volks. Mit dem glänzendsten Erfolg wurden außer den genannten "Der Steckbrief" "Der alte Magister", "Der Vetter", "Eigensinn", "Der Prozeß", "Die Hochzeitsreise", "Die Eifersüchtigen", "Die Männerfeinde", "Ein Lustspiel", "Das Gefängnis", "Die zärtlichen Verwandten", "Der Liebesbrief", "Das Lügen", "Die Schuldbewußten", "Aschenbrödel", "Das Stiftungsfest" und das Schauspiel "Mathilde" gegeben. Selbst über Deutschlands Grenzen hinaus haben B.' Stücke Anerkennung gefunden. B.' Hauptstärke liegt weder in der Charakteristik, die sich selten über die photographische Wiedergabe behaglicher und etwas zuversichtlicher Durchschnittsmenschen erhebt, noch in einer poetischen Grundanschauung der Welt, sondern in der Fülle der Situationen, im bunten, unterhaltenden Wechsel einer belebten Szenerie, in den heitern Kombinationen des Zufalls, in den Verwickelungen und Verwechselungen, in der genauen Kenntnis des Theaters und seiner althergebrachten, aber immer wirksamen Effekte. Dazu gesellen sich ein frisch beweglicher Dialog, dessen Hausbackenheit sich mit der gleichen Eigenschaft der Figuren deckt, ein nicht glänzender und reicher, aber kerniger Witz, eine gewisse moralisierende Richtung, welche sich von alters her sicherer Wirkung erfreut. Auch als Volksschriftsteller und Erzähler hat sich B. in "Deutschen Volkssagen" (Wesel 1839-41, 6 Bdchn.; neue Ausg. 1851), seinem "Niederrheinischen Volkskalender" (1836-42), dem "Gedenkbuch für das Leben" (das. 1841), den lebendigen "Bildern aus dem Schauspielerleben" (2. Aufl., das. 1851) und dem Roman "Die Landstreicher" (das. 1867) versucht. Von seinen sonstigen Schriften sind "Der mündliche Vortrag" (3. Aufl., Leipz. 1871, 3 Bde.), "Das Wesen des deutschen Rhythmus" (das. 1862), "Katechismus der deutschen Verskunst" (2. Aufl., das. 1879), "Katechismus der Redekunst" (3. Aufl., das. 1881) zu nennen. Das posthume Werkchen "Die Shakespearomanie. Zur Abwehr" (Stuttg. 1873), worin der britische Dichterheros von einem unglaublich beschränkten, rechthaberisch-nüchternen Standpunkt aus verurteilt wird, wäre zu Ehren B.' besser ungedruckt geblieben. Die große Mehrzahl seiner Bühnenstücke ist in seinen "Gesammelten drama-^[folgende Seite]