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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Ben Nevis; Bennett; Bennewitz von Loefen

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Bennett - Bennewitz von Loefen.

gewann aber seinen Einfluß nicht wieder und starb 28. Juli 1685. Wichtig für die Geschichte seines Ministeriums sind seine "Letters to W. Temple from 1664 to 1674" (Lond. 1701, 2 Bde.; franz., Utrecht 1701-1706, 2 Bde.).

Bennett, 1) James Gordon, nordamerikan. Publizist, geb. 1800 zu Keith in Schottland (Grafschaft Banff), besuchte längere Zeit das katholische Priesterseminar zu Aberdeen und wanderte 1819 nach Amerika aus, wo er über anderthalb Jahrzehnte lang in Halifax, Charleston, New York, Philadelphia u. a. O. als Korrektor, Journalist und Zeitungsredakteur thätig war, ohne besondere Erfolge zu erzielen. Endlich nach New York zurückgekehrt, gründete er im Mai 1835 den "New York Herald", den er seitdem als Eigentümer und Chefredakteur leitete und allmählich zu einem der größten und verbreitetsten Blätter der Welt emporbrachte. Der Grund dieses Erfolgs lag in der Umsicht und Energie, mit welcher B. ohne Rücksicht auf Kosten und mit Benutzung aller technischen Hilfsmittel immer die neuesten Nachrichten am schnellsten und vollständigsten zu bringen wußte. So war er es, der zuerst ganze Parlamentsreden als telegraphische Mitteilung sofort zum Abdruck brachte; auch ward durch ihn (1837) der Börsenbericht in die amerikanische Presse eingeführt. Durch sein Blatt in Besitz eines ungeheuern Vermögens gelangt, starb B. 1. Juni 1872 in New York. Einen besondern Ruhm erwarb er sich kurz vor seinem Tode dadurch, daß er einen seiner Berichterstatter, Henry Stanley (s. d.), aussandte, um den seit Jahren verschollenen Afrikareisenden Livingstone aufzufinden, eine Aufgabe, die jener bekanntlich mit glänzendem Erfolg löste. - Sein Sohn und Geschäftsnachfolger Gordon B. entsandte Stanley zu seiner zweiten Afrikareise quer durch den Kontinent und rüstete 1879 auf eigne Kosten eine Nordpolexpedition ("Jeannette") aus, die jedoch einen sehr unglücklichen Verlauf nahm.

2) William Sterndale, Klavierspieler und Komponist, geb. 13. April 1816 zu Sheffield, erhielt seinen ersten musikalischen Unterricht in seiner Vaterstadt, wirkte dann als Sängerknabe am King's College zu Cambridge mit und kam später zur weitern Ausbildung auf die Royal Academy of Music nach London, wo er Moscheles' Schüler wurde. Im J. 1836 begab er sich nach Deutschland, um unter Mendelssohns Leitung seine Studien fortzusetzen, brachte in Leipzig während der folgenden Jahre mehrere seiner Werke zur Aufführung und kehrte 1842 nach London zurück; wo er fortan als Lehrer eine ausgebreitete Wirksamkeit entwickelte. Er gründete 1849 die Londoner Bach-Gesellschaft, welche unter anderm 1854 die Matthäus-Passion zur Aufführung brachte. Im J. 1856 wurde er zum Kapellmeister der Philharmonischen Gesellschaft erwählt, gab aber diese Stelle auf, als er 1866 Direktor (principal) der Royal Academy of Music wurde. Schon 1856 hatte ihn die Universität Cambridge zum Professor der Musik ernannt; 1867 folgte die Verleihung der Doktorwürde nach; 1871 erhob ihn die Königin zum Baronet. Er starb 1. Febr. 1875 zu London und wurde in der Westminsterabtei daselbst beigesetzt. In seinen Kompositionen kann B. den Einfluß Mendelssohns nicht verleugnen. Mit Geschmack und sicherm Gefühl für formelles Ebenmaß begabt, überall nur wahrhaft künstlerischen Intentionen folgend, zeigt er sich besonders geschickt im Ausdruck des Zarten und Anmutigen; namentlich sind seine Klavierwerke von großer Klarheit der Struktur und nicht geringerer Sauberkeit der Detailarbeit. Seine Hauptwerke sind: vier Klavierkonzerte, vier Ouvertüren ("Die Najaden", "Die Waldnymphe", "Paradies und Peri" und "Parisina"), eine Symphonie in G moll, die Kantate "Die Maikönigin", das Oratorium "Das Weib von Samaria", die Musik zu "Ajax"; ferner Sonaten, Etüden, Capriccios und andres für Klavier, Lieder, eine Cellosonate, ein Trio etc. Seine "Classical practice for pianoforte students" ist ein brauchbares Unterrichtswerk.

3) John Hughes, Mediziner, geb. 31. Aug. 1812 zu London, studierte seit 1833 in Edinburg, dann zwei Jahre in Paris, Heidelberg und Berlin, kehrte nach Edinburg zurück und empfahl 1841 als der erste in England den Leberthran bei Skrofeln, Auszehrung etc. In demselben Jahr begann er auch seine Unterrichtskurse über Histologie und Mikroskopie, wie sie in gleicher Weise bis dahin in England noch nicht gegeben waren. 1843 ward er Patholog am königlichen Krankenhaus, und von dieser Zeit datieren seine zahlreichen Untersuchungen über Histologie, pathologische Anatomie und klinische Medizin. 1845 entdeckte er eine eigentümliche Blutkrankheit, die Leukocythämie, und zeigte in der Schrift "On leucocythaemia" (Edinb. 1852), welche bedeutende Erweiterung unserer Kenntnis von der Blutbildung aus diesem Krankheitszustand sich ableiten ließe. 1848 ward er Professor der Medizin in Edinburg, wo er 25. Sept. 1875 starb. Er schrieb: "Pathology of pulmonary tuberculosis" (2. Aufl., Lond. 1859); "Introduction to clinical medicine" (4. Aufl. 1862, vielfach übersetzt); "Clinical lectures on the practice of medicine" (5. Aufl. 1869); "On inflammation of the uterus" (4. Aufl. 1877); "On the pathology and treatment of pulmonary consumption" (2. Aufl. 1871); "Restorative treatment of pneumonia" (3. Aufl. 1866); "Nutrition in health and disease" (3. Aufl. 1877); "Researches into the action of mercury, podophyiline and taraxacum" (2. Aufl. 1874).

4) William Cox, engl. Dichter und Journalist, geb. 1820 zu Greenwich, Sohn eines Uhrmachers, lebt in London. Seine ersten Gedichte ließ er 1843 und 1845 nur zur Privatverteilung drucken. In die Öffentlichkeit trat er 1850 mit "Poems" (2. Aufl. 1862). Es folgten: "Verdicts" (1852); "War songs" (1855); "Queen Eleanor's vengeance, and other poems" (1857); "Songs by a songwriter" (1859, 2. Aufl. 1876); "Baby May" (1861); "The worn wedding ring" (1861); "Our glory roll, national poems" (1866); "Songs for sailors" (1872), die von Hatton 1878 in Musik gesetzt wurden, und "Sea songs" (1878). Noch sind seine "Contributions to a ballad history of England" (1879) zu erwähnen.

Ben Nevis (spr. newwis), Gipfel des Grampiangebirges in Schottland, am obern Ende des Loch Linnhe und am Eingang zum Glenmore. Er ist bei 1343 m Höhe der höchste Berg der britischen Inseln. Sein Gipfel besteht aus Porphyr. Seit 1883 trägt er ein meteorologisches Observatorium.

Bennewitz von Loefen, Karl, Maler, geb. 15. Nov. 1826 zu Thorn, bestimmte sich anfangs für das Militär und diente eine Zeitlang als Offizier. Erst nach 1848 begann er sich der Malerei zu widmen und ging deshalb nach Dresden und München, wo Albert Zimmermann sein Lehrer wurde. Nach Reisen in Schottland, Tirol, Italien und dem südlichen Frankreich trat er mit Gebirgslandschaften auf, denen er bald eine Reihe von naturalistisch-idyllischen Bildern aus hügeligen und flachen Gegenden, Waldpartien und Bildern aus der Mark folgen ließ, die, oft in kleinen Dimensionen, ein feines Naturgefühl und eine gemütvolle Stimmung verraten.