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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Benzinöl; Benzoë; Benzoëbaum; Benzoëblumen; Benzoësäure

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Benzinöl - Benzoesäure.

Ungeziefer etc. Mit B. getränktes Papier ist durchsichtig und eignet sich gut zum Durchzeichnen, zumal man darauf mit Bleistift, Tinte, selbst mit Pinsel und Wasserfarben arbeiten kann. Steinkohlenbenzin dient zur Darstellung von Nitrobenzol und Anilin, welches man aus den übrigen Benzinen nicht erhalten kann.

Benzinöl, s. Mineralöle.

Benzoë (Benzoeharz, wohlriechender Asant, Gummi Benzoë, Asa dulcis), das Harz des Benzoebaums (Styrax Benzoin Dryand.), in Kochinchina, Siam, auf Java und Sumatra. Nach Einschnitten in den Stamm oder die untern Äste des Baums fließt das weiße Harz heraus und trocknet an der Luft, wobei es sich bräunt. Im allgemeinen sollen vier- bis sechsjährige Bäume das beste weiße Harz (an 1,5 kg jährlich und 10-12 Jahre hindurch) geben. In Siam klopft man die Rinde, worauf sich das Harz zwischen dieselbe und das Holz ergießt und dort erhärtet. Die B. aus Sumatra besteht aus einer gräulichen bis schwach bräunlichen Masse, welche mehr oder weniger helle, mit der Zeit nachdunkelnde, opalartige Körner (Mandeln) breccienartig einschließt. Letztere schmelzen bei 85°, die Grundmasse bei 95°. Geringere Sorten sind mit sehr viel Rinde verunreinigt. Die B. riecht eigentümlich angenehm, schmeckt kratzend aromatisch und gibt beim Erhitzen stechend und erstickend riechende Dämpfe. Penangbenzoe (Storaxbenzoe) riecht sehr fein und eigentümlich, ihre Abstammung ist unbekannt. Am wertvollsten ist die Siambenzoe, mit schön brauner, etwas durchscheinender Grundmasse, welche mehr oder weniger, oft sehr viele, oft auch fast keine Mandeln einschließt. Die beste Sorte besteht aus losen oder nur leicht aneinander haftenden, milchweißen Stücken von wachsartigem oder glasglänzendem Bruch, welche bei 75° schmelzen. Unter B. in Sorten versteht man eine geringe Sorte ohne Mandeln. Die Hauptmasse der B. besteht aus amorphen, in Alkohol und Alkalien löslichen Harzen, außerdem enthält sie 14-18 (24) Proz. Benzoesäure und in manchen Sorten auch Zimtsäure. B. löst sich sehr wenig in Chloroform, in Äther zum Teil, in Alkohol vollständig; aus der Lösung wird durch Wasser das Harz weiß gefällt. Bei der Sublimation verflüchtigt sich aus der B. Benzoesäure, und diese wird ihr auch durch Schwefelkohlenstoff entzogen. Auch die Harze der B. geben beim Erhitzen Benzoesäure; Salpetersäure bildet Benzoesäure, Pikrinsäure, Bittermandelöl und Blausäure. B. wird selten in der Medizin benutzt; die weingeistige Lösung, Tinctura Benzoës, zeigt fäulniswidrige und mild desinfizierende Eigenschaften, ist daher ein bewährtes Wundmittel und wird zum Überziehen des Englischen Pflasters benutzt; außerdem dient sie, mit Wasser verdünnt, als Venus- oder Jungfernmilch zu kosmetischen Zwecken. Die meiste B. wird aber in der Parfümerie zu Essenzen, Räuchermitteln und zu wohlriechenden Firnissen und Lacken benutzt. Die Parfümeriefabrikanten behandeln die Fette, welche zu Pomaden bestimmt sind, mit gepulverter B. und machen sie dadurch haltbarer. Die B. war im Altertum nicht bekannt. Zuerst erwähnt sie Ibn Batuta im 14. Jahrh., und im Abendland war sie noch 100 Jahre später selten und kostbar. Sie erinnerte in ihrem Aussehen an Asa foetida und wurde im Gegensatz zu dieser Asa dulcis genannt. Vom 17. Jahrh. an war die durch Sublimation erhaltene Benzoesäure (Flores Benzoës) offizinell.

Benzoëbaum, s. Styrax.

Benzoëblumen, s. Benzoesäure.

Benzoësäure C7H6O2 ^[C_{7}H_{6}O_{2}] findet sich, vielfach begleitet von Zimtsäure, im Benzoeharz, Drachenblut, Styrax, Perubalsam, Tolubalsam, Botanybaiharz, in der Myrrhe, im Zimt-, Majoran-, Bergamottöl, in der Vanille, im Sternanis, im gefaulten Harn grasfressender Tiere etc. Sie entsteht bei Oxydation von Bittermandelöl, Benzylalkohol, dem Zimtöl, der Zimtsäure und den Proteinsubstanzen; aus Hippursäure beim Kochen mit Säuren und Alkalien, aus Chinasäure bei trockner Destillation und aus Phthalsäure bei Destillation mit Kalkhydrat. Zur Darstellung erhitzt man Benzoe in einer eisernen Pfanne und sammelt die sublimierende B. in einem kegelförmigen Hut aus Papier, mit welchem die Pfanne bedeckt wird. Man erhält bis 15 Proz. sublimierte Säure (Flores Benzoës, Benzoeblumen), welche Spuren eines flüchtigen, vanilleartig riechenden Öls enthält. Vorteilhafter kocht man Benzoe mit kohlensaurem Natron und fällt aus der erhaltenen Lösung von benzoesaurem Natron durch Salzsäure die B., welche durch Umkristallisieren und Erwärmen mit etwas Salpetersäure gereinigt wird. Für technische Zwecke wird B. aus Hippursäure dargestellt, wobei 500 kg Rinder- oder Pferdejauche 1 kg B. liefern. Der Harn wird stark verdampft, filtriert und mit Salzsäure versetzt, worauf man die ausgeschiedenen Kristalle wäscht, mit Salzsäure digeriert und kocht. Die Hippursäure wird durch die Salzsäure in Glykokoll und B. gespalten, welche nur noch mit Salpetersäure, Tierkohle und durch Umkristallisieren gereinigt zu werden braucht, stets aber einen schwach urinähnlichen Geruch behält. Aus Steinkohlenteer gewinnt man B., indem man Naphthalin in Phthalsäure verwandelt, diese mit überschüssigem Ätzkalk bei Luftabschluß auf 330-350° erhitzt und aus dem gebildeten benzoesauren Kalk die B. mit Salzsäure abscheidet. Gegenwärtig zieht man vor, Toluol (aus Steinkohlenteer) durch Chlor in Benzotrichlorid zu verwandeln und letzteres unter erhöhtem Druck durch Wasser zu zersetzen. B. bildet farb- und geruchlose Kristalle, schmeckt schwach, aber anhaltend sauer, löst sich schwer in kaltem, leichter in heißem Wasser, sehr leicht in Alkohol, auch in Äther, fetten und flüchtigen Ölen und in konzentrierter Schwefelsäure. Sie reagiert sauer, schmilzt bei 120°, siedet bei 250°, bildet aber schon bei niederer Temperatur Dämpfe, welche zu Thränen und zum Husten reizen, sublimiert schon bei 100° und verflüchtigt sich auch mit Wasserdämpfen. Die B. wirkt stark fäulniswidrig, ist brennbar, zerfällt im glühenden Rohr in Benzol und Kohlensäure und wird durch Erhitzen mit Zinkstaub und durch Natriumamalgam zu Benzaldehyd reduziert. Durch rauchende Salpetersäure wird sie in Nitrobenzoesäure übergeführt, im tierischen Organismus verwandelt sie sich in Hippursäure (s. d.). Die benzoesauren Salze sind meist leicht löslich und farblos; aus ihren Lösungen wird durch stärkere Säuren die B. gefällt, indem erst milchige Trübung eintritt und dann Kristalle sich ausscheiden. Das Natronsalz NaC7H5O2 ^[NaC_{7}H_{5}O_{2}] kommt als weiße, krümelige Masse in den Handel und schmeckt eigentümlich süßlich. Der B.-Äthyläther (Benzoeäther) C7H5O2.C2H5 ^[C_{7}H_{5}O_{2}.C_{2}H_{5}], den man am besten erhält, wenn man in absolutem Alkohol reine B. löst, die Lösung mit trocknem Salzsäuregas sättigt, einige Tage stehen läßt und den Äther dann durch Zusatz von Wasser abscheidet, ist eine farblose Flüssigkeit vom spez. Gew. 1,05, riecht sehr angenehm, schmeckt stechend, löst sich in Alkohol und Äther, nicht in Wasser, siedet bei 213° und wird zu Fruchtäther benutzt. Benzoesäuremethyläther C7H5O2.CH3 ^[C_{7}H_{5}O_{2}.CH_{3}] wird in derselben Weise aus Methylalkohol erhalten, siedet bei 199°, ist als Niobeessenz im Handel und wird in der Parfümerie benutzt. B.