Schnellsuche:

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Bergen; Bergen op Zoom; Bergenfisch; Bergenhus; Bergenroth

733

Bergen - Bergenroth.

handel (besonders Stockfische und Heringe) der bedeutendste Erwerbszweig. Jährlich werden mindestens 400,000, mitunter aber über 470,000 Ton. Fische eingesalzen, die besonders nach den Ostseehäfen: Danzig, Königsberg, Riga etc., ausgeführt werden. Außer Heringen werden auch andre Fischarten (Stockfische jährlich an 150,000 metr. Ztr.) aus den kleinen nördlichen Hafenplätzen hierher auf die Messe (Stävne) gebracht, die zweimal jährlich, im Frühling und im Spätsommer, gehalten wird. Die Nordländer vertauschen hier ihre Fische gegen Branntwein, Tabak, Getreide, Mehl, Südfrüchte, Kolonialwaren, Wolle, Baumwolle, Tuch etc., welche von Dänen, Engländern, Niederländern und Deutschen hierher gebracht werden. Andre Ausfuhrartikel sind: Teer, Thran, Häute, Bretter, Masten, Latten, Brenn- und Bauholz etc. Bergens Schiffahrt wird mit ungefähr 400 eignen Schiffen von geringem Tonnengehalt betrieben, und jährlich laufen etwa 1000 Schiffe (darunter vom Ausland etwa 700 mit 180,000 T.) in den hiesigen Hafen ein. Seit 1883 führt eine Eisenbahn nach der Gemeinde. Voß im Norden des Hardangerfjords. An öffentlichen Anstalten bestehen: ein Nationalmuseum, eine 1554 gestiftete Kathedralschule, das 1752 gegründete Seminarium Fredericianum, 3 andre Schulen, 5 Armenanstalten, eine Navigationsschule, die Harmonische Gesellschaft (für schöne Künste) und die Gemeinnützige (für Industrie). B. ist Sitz eines Bischofs, eines deutschen Konsuls, des Stiftsamtmanns und Stiftsobergerichts. Hier wurde der norwegisch-dänische Dichter Holberg geboren. - Die Stadt ward 1070 von König Olaf Kyrre gegründet. Die hanseatische Faktorei an der östlichen Seite des Hafens auf der Gargebrücke (1412-39 unter König Erich von Pommern errichtet und 1445 bestätigt) benahm sich nicht selten gegen die Bürger mit großer Insolenz und befestigte sogar ihr den Hafen beherrschendes Stadtviertel Contoiret oder Tydskebrüggen, welches noch jetzt der Mittelpunkt des Handels ist. 1455 erschlugen die Hanseaten den Gouverneur und den Bischof nebst 60 andern Personen, und erst 1560 wurden ihrem unruhigen Geist und ihren großen Privilegien Grenzen gesetzt. Von der Hansa rühren noch her eine deutsche Kirche (zu Unsrer Lieben Frau) und ein deutsches Armenhaus. 1156, 1345 und 1435 fanden hier Kirchenversammlungen statt. Bis 1575 hatte B. Münzgerechtigkeit. Das alte Schloß Bergenhus war bis zur Zeit der Kalmarischen Union Residenz der norwegischen Könige; gegenwärtig dient es zur Residenz des Kommandanten, zu Magazinen und Gefängnissen. Vgl. L. Sagen und H. Foß, Bergens Beskrivelse (Berg. 1824); Nielsen, B. fra de äldste Tider indtil Nutiden (Christ. 1877).

Bergen, 1) Kreisstadt im preuß. Regierungsbezirk Stralsund, auf der Insel Rügen, durch Eisenbahn mit Stralsund verbunden, ist Sitz eines Amtsgerichts, hat eine hoch gelegene, in ganz Rügen sichtbare Kirche, ein altes adliges Fräuleinstift (vor der Reformation Mönchskloster), ein Kreiskrankenhaus, Lederfabrikation und (1880) 3662 Einw., welche meist Ackerbau und Viehzucht treiben. B. wurde 1190 von dem Fürsten Jaromar I. gegründet und erhielt 1613 Stadtrechte. Auf der Nordostseite erhebt sich der Rugard (102 m hoch) mit dem Arndt-Denkmal, einem 27 m hohen Aussichtsturm. -

2) Marktflecken im preuß. Regierungsbezirk Kassel, Kreis Hanau, mit Amtsgericht, ev. Kirche, Ritterburg, Wein- und Obstbau und (1880) 2150 Einw., welche Obst- und Weinbau treiben. Hier 13. April 1759 Sieg der Franzosen unter dem Herzog von Broglie über die hannöversche Armee unter Ferdinand von Braunschweig. Vgl. Sodenstern, Die Schlacht bei B. (Kassel 1884). -

3) (B. bei Celle) Dorf im preuß. Regierungsbezirk Lüneburg, Landkreis Celle, mit Amtsgericht, ev. Kirche und (1880) 1446 Einw. -

4) Belg. Stadt, s. Mons. -

5) Dorf in der niederländ. Provinz Nordholland, 6 km nordwestlich von Alkmar, bekannt durch das Gefecht 19. Sept. 1799 nach der Landung der britisch-russischen Armee unter dem Herzog von York zwischen einer Abteilung der vereinigten französisch-holländischen Armee unter den Generalen Brune und Daendels und dem zu rasch vordringenden russischen General Hermann, dessen 10,000 Mann umgangen und mit einem Verlust von 2000 Mann in ihre vorige Stellung zurückgedrängt wurden, wobei General Hermann selbst in Gefangenschaft geriet. Infolge dieses Gefechts wurde die Kapitulation von Alkmar (s. d.) abgeschlossen.

Bergenfisch, s. Schellfisch.

Bergenhus, Festung, s. Bergen (in Norwegen).

Bergen op Zoom (spr. sohm), Stadt in der niederländ. Provinz Nordbrabant, liegt am Ausfluß der Zoom in die Oosterschelde und an der Niederländischen Staatsbahn, in sumpfiger Gegend, die unter Wasser gesetzt werden kann, und war ehemals eine der stärksten Festungen Hollands (durch Coehoorn 1699 angelegt, seit 1867 geschleift). B. hat ein hübsches Rathaus, 3 Kirchen, darunter eine katholische, eine lateinische Schule, eine Kaserne (der alte Markgrafenhof), einen von der Zoom gebildeten Hafen, (1879) 10,419 Einw., ansehnlichen Sardellenfang und Fabrikation von Töpferwaren und Ziegeln. Während des niederländischen Befreiungskriegs versuchten die Spanier, welche 1577 aus B. vertrieben waren, wiederholt, durch Belagerung oder Überfall die Stadt zu nehmen, so 1581, 1588, 1605, 1622, aber immer vergebens. 1747 wurde B. nach einer fast dreimonatlichen Belagerung von den Franzosen unter Marschall Löwendahl eingenommen und geplündert. Im Aachener Frieden 1748 an Holland zurückgegeben, fiel es 30. Jan. 1795 ohne Verteidigung wieder in die Hände der Franzosen unter Pichegru. 1814 belagerten die Engländer unter Graham die Festung; ein Sturm auf die Stadt in der Nacht vom 8. zum 9. März 1814 wurde von der französischen Besatzung zurückgeschlagen, und erst nach dem Frieden von Paris ergab sich der Platz. Die gleichnamige ehemalige Herrschaft (später Markgrafschaft) kam 1707 an Sulzbach und dadurch 1722 an das Haus Pfalz und später an Pfalzbayern, das in ihrem Besitz unter der Oberhoheit der Generalstaaten bis 1801 blieb, wo sie an die Batavische Republik überging.

Bergenroth, Gustav Adolf, Geschichtsforscher, geb. 26. Febr. 1813 zu Oletzko in Ostpreußen, studierte zu Königsberg die Rechte und trat in den preußischen Staatsjustizdienst, ward 1848 revolutionärer Klubführer und Preßleiter, wurde aus dem Staatsdienst entlassen, war 1850 bei Kinkels Flucht aus Spandau behilflich und ging dann nach Kalifornien, kehrte aber 1851 nach Europa zurück und widmete sich 1857 gründlichen Studien in englischen Archiven über die Zeit der Tudors. 1860 ging er zu demselben Zweck nach Simancas in Spanien und erhielt den Auftrag, für die englische Regierung ein Regestenwerk über die England betreffenden Akten in spanischen Archiven auszuarbeiten. Dasselbe erschien unter dem Titel: "Calendar of letters, despatches and state papers relating to the negociations between England and Spain, preserved in the archi-^[folgende Seite]