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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Bergentrückung; Bergeppich; Berger

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Bergentrückung - Berger.

ves of Simancas and elsewhere" (Lond. 1862-68, 3 Bde.). B. starb 13. Febr. 1869 in Madrid.

Bergentrückung, alte und weitverbreitete, auf mythologischen Vorstellungen beruhende Volksanschauung, nach welcher berühmte Helden und Herrscher nicht gestorben seien, sondern, in Zauberschlaf versunken, in einem Berg säßen, aus welchem sie in der Stunde der Entscheidung zu ihrem Volk zurückkehren würden. Solche bergentrückte Helden sind in England König Artus (in den Hügeln von Alderley Edge), in Deutschland Karl d. Gr. (im Desenberg bei Warburg, auch im Donnersberg in der Pfalz u. a.), Heinrich der Finkler (im Südemer Berg bei Goslar), Otto d. Gr. und an seiner Stelle später Kaiser Friedrich Barbarossa (im Kyffhäuser), Karl V. (im Untersberg bei Salzburg), in Persien Dahak etc.

Bergeppich, s. Peucedanum.

Berger, 1) Albrecht Ludwig von, ein Opfer des französischen Despotismus, geb. 5. Nov. 1768 zu Oldenburg, studierte die Rechte, war Regierungsassessor zu Eutin, dann herzogl. oldenburgischer Kanzleirat und Landvogt in Oldenburg und 1813 beim Abzug der Franzosen mit seinem Freund Finckh Beisitzer der Kommission, welche die französische Behörde bei ihrem Abzug 19. März zurückließ. Nach der Rückkehr der Franzosen wurden beide wegen patriotischer Äußerungen vor das Kriegsgericht in Bremen unter Vandammes Vorsitz gestellt, zum Tod verurteilt und 10. April 1813 erschossen. Ihre irdischen Überreste ließ der Großherzog von Oldenburg nach der Rückkehr in sein Land in der fürstlichen Gruft beisetzen. Vgl. Gildemeister, Finckhs und Bergers Ermordung (Brem. 1814).

2) Johann Erich von, Philosoph, geb. 1772 zu Faaborg auf Fünen als Sohn eines dänischen Generals, studierte anfänglich in Kopenhagen, später in Göttingen die Rechte und Staatswissenschaften, hierauf, durch Reinhold und nach dessen Abgang durch Fichte angeregt, zu Jena Philosophie und auf den Rat Schellings Naturwissenschaften, worauf er sich als Landwirt in Holstein niederließ. Seit 1809 hörte er bei Gauß in Göttingen Astronomie und ward 1814 als Professor der Astronomie und Philosophie nach Kiel berufen, wo er 1835 starb. Sein System, das er nach mehreren kleinern Schriften: "Philosophische Darstellung der Harmonien des Weltalls" (Altona 1808), "Über den scheinbaren Streit der Vernunft wider sich selbst" (das. 1818), in seinem Hauptwerk: "Allgemeine Grundzüge der Wissenschaft" (das. 1817-1827, 4 Bde.), niederlegte, war eine Art Identitätsphilosophie, bei welcher der Begriff der Bewegung, welche den Zusammenhang des natürlichen Werdens (der Dinge) und des idealen Werdens (als höchsten Endziels der Geisterwelt) vermittelt, die Hauptrolle spielt, was auf die nachher entwickelte Philosophie seines einstigen Zuhörers Trendelenburg (s. d.) nicht ohne Einfluß geblieben ist. Vgl. Ratjen, Joh. Erich v. Bergers Leben (Altona 1835).

3) Ludwig, Klavierspieler und Komponist, geb. 18. April 1777 zu Berlin, war daselbst Schüler des Kapellmeisters Gürrlich in der Komposition und ging 1801 nach Dresden, um seine Studien unter Naumann zu vollenden, der jedoch gerade um jene Zeit starb. B. komponierte eine Trauerkantate für die Totenfeier des Meisters, welche sich außerordentlichen Beifalls erfreute. Nach Berlin zurückgekehrt, genoß er den Unterricht Clementis und machte dann mit demselben eine Kunstreise nach Petersburg, wo er sechs Jahre verweilte. Im J. 1812 ging er nach Stockholm, wo sich Frau v. Staël sehr für ihn interessierte, dann nach London, wo er wiederum mit Clementi zusammentraf und von diesem in die Öffentlichkeit eingeführt wurde. 1815 kehrte er nach Berlin zurück, um hier bis zu seinem Tod (16. Febr. 1839) mit größtem Erfolg als Lehrer zu wirken. Unter seinen zahlreichen Schülern glänzen Mendelssohn und Taubert. Von seinen Kompositionen stehen die für Klavier (Sonaten, Variationen, Rondos, Etüden etc.) obenan und werden noch jetzt gesucht. Außer diesen schrieb er Lieder mit Klavierbegleitung (darunter "Die schöne Müllerin") und größere Werke, die aber meist Manuskript geblieben sind.

4) Johann Nepomuk, österreich. Staatsmann, geb. 16. Sept. 1816 zu Proßnitz in Mähren, studierte zu Olmütz und Wien die Rechte, daneben auch Philosophie und Mathematik und erlangte 1841 die juristische Doktorwürde. 1844 ward er Assistent der Lehrkanzel für Natur- und Kriminalrecht am Theresianum zu Wien. Er lieferte gediegene Abhandlungen in die "Zeitschrift für österreichische Rechtsgelehrsamkeit" von Kudler und Stubenrauch und in Wildners "Juristen", namentlich "Über den Begriff und das System des bürgerlichen und Privatrechts" und "Über die Grundbegriffe der Rechtsphilosophie", und unter dem Pseudonym Sternau einige belletristische Sachen. Nach den Märzstürmen von 1848 ward er als zweiter Präsident des Wiener Schriftstellervereins vom Ministerium besonders bei den Beratungen über die Preßgesetze von 1848 zugezogen. Dann ins Frankfurter Parlament gewählt, nahm er vom Juni 1848 bis April 1849 auf der äußersten Linken in der Paulskirche Platz und galt für einen der scharfsinnigsten und schlagfertigsten Redner. B. verließ das Parlament kurz vor dessen Umzug nach Stuttgart und ward in Wien Advokat. Im März 1861 in den niederösterreichischen Landtag gewählt, ward B. von diesem 1863 in das Abgeordnetenhaus des Reichsrats gesendet. Dort zählte er zu den hervorragenden Persönlichkeiten der liberalen Partei und nahm als Mitglied von Ausschüssen, Referent über wichtige Gesetzentwürfe wie auch als Redner in den Plenarversammlungen einen bedeutenden Anteil an der parlamentarischen Arbeit. Als Vertreter der Ausgleichsidee und des Konstitutionalismus wurde B. 30. Dez. 1867 als Minister ohne Portefeuille in das sogen. Doktorenministerium berufen; infolge von Differenzen mit der Mehrheit seiner Kollegen über die Verfassungsrevision und Einführung direkter Reichstagswahlen nahm er im Januar 1870 seine Entlassung. B. starb 9. Dez. 1870. Er schrieb: "Die Preßfreiheit und das Preßgesetz" (Wien 1848); "Die österreichische Wechselordnung vom 25. Jan. 1850" (das. 1850); "Kritische Beiträge zur Theorie des österreichischen allgemeinen Privatrechts" (das. 1856); "Über die Todesstrafen" (das. 1864); "Zur Lösung der österreichischen Verfassungsfrage" (das. 1861).

5) Louis, Industrieller und preuß. Abgeordneter, geb. 28. Aug. 1829 zu Witten, widmete sich früh der metallurgischen Industrie, machte große Reisen in europäische Länder, begründete in Witten eine große Gußstahlfabrik, welche 1872 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt wurde, worauf sich B. auf eine Villa in Horchheim bei Koblenz zurückzog, seit 1865 Mitglied des Abgeordnetenhauses, 1874-81 des Reichstags. Er schloß sich der Fortschrittspartei an, trennte sich aber im Reichstag von derselben bei der Abstimmung über das Militärkompromiß, das er genehmigte, und stand mit Löwe an der Spitze einer besondern Gruppe, welche eine Zwischenstellung zwischen den Nationalliberalen und der Fortschrittspartei