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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Berlin

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Berlin (Monumente, Kirchen, Profanbauten).

Von den öffentlichen Monumenten, woran B. reicher als alle deutschen Städte ist, sei zunächst das 1821 für die 1813-15 gefallenen Krieger auf dem Kreuzberg errichtete erwähnt. Es erhebt sich auf einem granitenen Unterbau in gotischer Pyramidenform ca. 20 m hoch, ist nach Schinkels Entwurf aus Eisen gegossen und wurde 1878 auf Staatskosten erhöht, wodurch es an Wirkung gewonnen hat. Ein Pendant dazu bildet die am 2. Sept. 1873 eingeweihte Siegessäule auf dem Königsplatz, welche nach dem Entwurf von Strack zur Erinnerung an die drei siegreichen Kriege von 1864, 1866 und 1870/71 aufgeführt wurde und mit der sie krönenden Viktoria von Drake eine Gesamthöhe von 61 m erreicht. Vier auf die Kriege bezügliche Bronzereliefs zieren den mächtigen quadratischen Unterbau, auf dem sich eine runde offene Säulenhalle von 15,7 m im Durchmesser erhebt; den Kern derselben schmückt das nach dem Gemälde A. v. Werners durch Salviati in Venedig in Glasmosaik ausgeführte, 11. Nov. 1875 enthüllte Bild, welches die Verbrüderung der deutschen Stämme angesichts der drohenden Fremdherrschaft und die Proklamierung des Kaiserreichs in Versailles darstellt; darüber steigt die aus Sandstein gearbeitete Säule von 27 m Höhe und 5 m Durchmesser empor; dieselbe trägt in ihren Kannelierungen in drei Etagen übereinander eroberte Kanonenrohre aus den drei Kriegen und gewährt auf ihrer von der 8,32 m hohen Viktoria gekrönten Plattform eine umfassende Aussicht. Von ähnlichen Denkmälern sind noch die Friedenssäule auf dem Belle-Allianceplatz mit einer Viktoria von Rauch und das Nationalkriegerdenkmal im Invalidenpark zum Andenken an die 1848 und 1849 Gefallenen (1854 errichtet) zu erwähnen. Das figurenreichste Werk monumentaler Skulptur ist aber die Reiterstatue Friedrichs d. Gr. (s. Tafel "Bildhauerkunst VIII", Fig. 3) am Eingang der Linden, zwischen dem königlichen Palais und der Universität, welche, nachdem noch unter Friedrich Wilhelm III. 1840 der Grundstein gelegt worden, 31. Mai 1851, am 111. Jahrestag des Regierungsantritts des großen Königs, enthüllt wurde. Das Ganze, eins der größten Meisterwerke Rauchs, von Friebel in Erzguß ausgeführt, hat 13,2 m Höhe und 6,9 m Breite. Auf einem Granitsockel von 1,7 m Höhe erhebt sich das Fußgestell von Bronze, auf diesem der Hauptwürfel des Denkmals mit zahlreichen Statuen und Reliefbildern von Helden und andern ausgezeichneten Geistern. An den Ecken treten die Reiterfiguren des Herzogs Ferdinand von Braunschweig, des Prinzen Heinrich von Preußen, Zietens und Seydlitz' hervor. Zwischen ihnen gruppieren sich die berühmtesten Männer der Fridericianischen Epoche, und am Sockel ziehen sich die Namen vieler Kriege hin. Auf diesem Unterbau erhebt sich nun das kolossale Reiterstandbild selbst, welches den König in Uniform mit Hut und Königsmantel und dem Krückstock in der rechten Hand darstellt. - Andre Denkmäler sind die der Helden der Freiheitskriege auf dem Opernplatz, der des Siebenjährigen Kriegs auf dem Wilhelmsplatz, der Grafen Brandenburg und Wrangel auf dem Leipziger Platz, das Reiterstandbild König Friedrich Wilhelms III. (von Wolff) im Lustgarten, enthüllt beim Truppeneinzug 1871; ferner die Denkmäler von Schinkel, Beuth und Thaer (Rauchs letztes Werk) vor der frühern Bauakademie, von Schinkel, Rauch, Schadow und Winckelmann in der Vorhalle des Alten Museums, von Hegel (Kolossalbüste) hinter der Universität (Hegelplatz), das am 10. Nov. 1871 enthüllte Schillerdenkmal von R. Begas auf dem Schillerplatz vor dem Schauspielhaus, das Denkmal des Freiherrn vom Stein auf dem Dönhofsplatz (seit 1875) von Schievelbein. Die beiden großen Berliner Ärzte v. Gräfe (gest. 1871) und Wilms (gest. 1880) haben 1882-83 jeder ein Denkmal erhalten (s. Tafel "Bildhauerkunst X", Fig. 3). Über die Denkmäler in den Parken s. oben.

Bauwerke.

An gottesdienstlichen Gebäuden besitzt B. 49 evangelische, 5 katholische, 9 freie, von der Landeskirche unabhängige, 8 jüdische. Die Domkirche an der östlichen Seite des Lustgartens wurde nach dem Abbruch der alten Domkirche aus dem Schloßplatz unter Friedrich II. 1747 von Boumann erbaut, doch 1817 und 1821 unter Schinkels Leitung vielfach umgestaltet; eine große Kuppel und zwei Seitentürme die ebenfalls Kuppeln tragen, heben das 103 m lange und 41 m breite Gebäude. Die Marienkirche, ein Backsteinbau aus dem 13. Jahrh. mit einem erst 1790 erbauten Turm, einem der höchsten in B. (90 m), steht am Neuen Markte. Die Nikolaikirche, noch älter als die vorige, wurde 1880 restauriert. Die Klosterkirche, eins der vorzüglichsten Denkmäler märkischer Baukunst des Mittelalters, besitzt das Grabmal Ludwigs des Römers. Vor der französischen (1883 renoviert) und der Neuen Kirche (1882 umgebaut), welche auf dem Gendarmenmarkt einander gegenüberstehen, ließ Friedrich d. Gr. zwei ganz gleiche Türme erbauen nach dem Muster der Kirche Maria del Popolo zu Rom. Die Türme stehen mit den Kirchen in gar keinem Zusammenhang. Nach dem Vorgang der Werderschen Kirche, 1824-30 von Schinkel erbaut, ist bei den zahlreichen unter Friedrich Wilhelm IV. erbauten Kirchen der alte Ziegelrohbau wieder zu Ehren gekommen. Der bei diesen meist kleinen Kirchen zur Anwendung gekommene Baustil ist der romanische oder der byzantinische; nur die Petrikirche (mit 96 m hohem Turm) und die Bartholomäuskirche am Friedrichshain sind gotisch. Die neueste Zeit hat B. um drei schöne evangelische Kirchenbauten bereichert: die Thomaskirche von Adler auf dem Mariannenplatz bei Bethanien, die Zionskirche von Orth in der Rosenthaler Vorstadt und die Dankeskirche auf dem Weddingsplatz, zum Andenken an die zweimalige glückliche Errettung Kaiser Wilhelms aus Mörderhand (erbaut nach dem Entwurf von Orth, 1884 eingeweiht). Die (erste) katholische St. Hedwigskirche am Opernplatz ist nach dem Muster des Panthéons zu Rom gebaut. Die zweite, die St. Michaelskirche von Soller, in der Nähe der oben erwähnten Thomaskirche, romanisch, gehört auch zu den schönsten Kirchen Berlins. Die neue jüdische Synagoge in der Oranienburger Straße ist im maurischen Stil von Knoblauch erbaut. Die Kuppel ist 50 m hoch, die etwas schmale Fronte erweitert sich nach hinten bis zu 40 m bei 96,6 m Tiefe. Das Innere zeichnet sich durch großen Farbenreichtum und malerische Lichtwirkung aus. Unter einem von zwölf weißen Marmorsäulen getragenen Tabernakel ruhen in kunstvoll geschnitzter Lade die "Gesetzesrollen".

Unter den Profanbauten nimmt das Schloß die erste Stelle ein. Die vielen, zu verschiedenen Zeiten entstandenen Teile desselben begann von 1700 ab Andreas Schlüter zu einem Ganzen zu verbinden und umzugestalten. Bald folgte ihm in dieser Aufgabe J. F. ^[Johann Friedrich] v. Eosander, und bis in die neueste Zeit ist an der Verschönerung dieses Baues ununterbrochen gearbeitet worden. Er bildet ein längliches Viereck mit einem Umfang von 450 m und umschließt vier Höfe (darunter der äußere mit der Kolossalstatue des drachentötenden St. Georg). Die