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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Bernardin; Bernardīno; Bernardon; Bernau; Bernauer; Bernay; Bernays

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Bernardin - Bernays.

Landsitz Overroß in Herefordshire. Er schrieb: "Lectures on diplomacy" (1868); "Neutrality of Great Britain in the American war" (1870) u. a.

5) Thalès, franz. Dichter und Schriftsteller, geb. 15. Mai 1821 zu Paris, bekleidete 1846-49 einen Posten im Kriegsministerium, widmete sich dann der litterarischen Thätigkeit und starb 10. Jan. 1873 in Paris. Außer verschiedenen Übersetzungen aus dem Deutschen und den Romanen: "Couronne de St.-Étienne" (1852) und "Les rêves du commandeur" (1855) sind von ihm besonders mehrere Bände origineller Gedichte, wie: "Adorations. Poésies" (1855), "Poésies nouvelles" (1857), "Poésies mystiques" (1858), "Mélodies pastorales" (1871), und eine "Histoire de la poésie" (1864) zu erwähnen.

Bernardin (spr. -däng), Jacques Henri B. de Saint-Pierre, s. Saint-Pierre.

Bernardīno (San B., deutsch St. Bernhardin), Paß der Graubündner Alpen (2063 m), in der Einsenkung zwischen Tambohorn und Adula, verbindet die graubündnerischen Thäler Val Rhin (Rheinwald) und Val Misocco (Misox), d. h. Bodensee und Lago Maggiore. Die Paßstraße wurde 1819-23 durch Graubünden gebaut. Im engern Sinn, d. h. vom Dörfchen Hinterrhein nach San B., ist sie wirkliche Bergstraße, die in vielen Windungen die Paßhöhe erreicht. Droben auf der kahlen Höhe, unmittelbar neben dem Moësolasee, steht das steinerne Bergwirtshaus. Aus dem kleinen See entspringt die Moësa (s. Misocco), welche südwärts fließt und in der Nähe der kühnen Viktor Emanuel-Brücke einen schönen Fall bildet. Rechnet man die ganze Strecke von Thusis bis Roveredo, so hat die Straße eine Länge von 88 km und (abgesehen von den zwei Tunnels der Via mala) 13 größere Brücken. In älterer Zeit Vogelberg genannt oder wenigstens mit der heutigen Adula als solcher zusammengefaßt, erhielt der Berg seinen jetzigen Namen nach dem heil. Bernhardin von Siena, der zu Anfang des 15. Jahrh. in jenen Thälern predigte, und dem am unmittelbaren Südfuß des Passes eine Kapelle am Sauerbrunnen geweiht wurde. Aus dieser Gründung entstand in der obersten Thalstufe des Val Misocco (1626 m ü. M.) der heutige Badeort San B. (Sambernardino). Die Quelle hat eine Temperatur von 8,7° C. und enthält auf je 1000 Gewichtsteile an freier und halbfreier Kohlensäure 2,958. Nach ihrem Reichtum an Eisen und Kohlensäure, Bitter- und Glaubersalz wie Magnesia nähert sie sich den Wässern von St. Moritz, Schwalbach und Pyrmont, ebenso reich wie ersteres an Eisengehalt, weniger reich an freier Kohlensäure; sie kommt der von Krailsheim in Württemberg am nächsten. Das Bad wird zumeist von Italienern besucht.

Bernardon, eine im 18. Jahrh. beliebte Wiener Burleskenfigur, ein liederlicher und tölpischer Bube, Rival des Hanswurstes. Der Name ward dann auf den Erfinder dieser Maske, den Komiker Joseph Kurz ("Vater B."), übertragen, der, 1715 zu Wien geboren, eine Menge Stücke (Bernardoniaden) lieferte, die mit ihren Feuerwerken, Pantomimen, Fratzen, Zoten etc. damals in Wien wie anderwärts großen Beifall fanden. Sein Hauptwerk führt den Titel: "Eine neue Tragödia, betitelt: B., die getreue Prinzessin Pumphia, und Hanns Wurst, der tyrannische Tatar-Kulikan. Nebst einer Kinderpantomime, betitelt: Kolekin, der glücklich gewordene Bräutigam" (1756, neuer Abdruck 1883). Andre Stücke sind: "B. im Tollhaus"; "B., der kalekutische Großmogul"; "Die Judenhochzeit, oder B., der betrogene Rabbiner", Singspiel; "B., oder der ohne Holz lebendig verbrannte Zauberer" etc. B. spielte auch in Prag und München und begab sich später nach Polen, wo er um 1786 in Warschau starb.

Bernau, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Potsdam, Kreis Niederbarnim, an der Berlin-Stettiner Eisenbahn, hat ein Amtsgericht, eine große Kirche, Fabrikation von Seiden-, Baumwollwaren und Handschuhen, Mustermalerei, Kunstdrechslerei, eine Gasleitung, Ackerbau, einen großen, schönen Forst am Liepnitzsee und (1880) 6744 Einw. B. wurde wahrscheinlich 1142 angelegt und machte sich durch die tapfere Verteidigung gegen die Hussiten (1432) bekannt. Bis ins 18. Jahrh. war es durch sein Bier berühmt. Es ist Geburtsort des Dichters Rollenhagen.

Bernauer, Agnes, die Tochter (oder auch die aus Biberach gebürtige Magd) eines Baders zu Augsburg, mit der sich Herzog Albrecht III. von Bayern, einziger Sohn des Herzogs Ernst von Bayern-München, 1432 heimlich vermählte (vielleicht war sie auch bloß seine Geliebte) und auf Schloß Vohburg lebte. Der Plan des Vaters, Albrecht mit einer Tochter des Herzogs Erich von Braunschweig zu vermählen, brachte die Sache an den Tag. Albrecht erklärte, als er "wegen Unzucht mit einer Jungfrau" von ritterlichen Festen ausgeschlossen wurde, Agnes für seine rechtmäßige Gemahlin. Aber während Albrechts Abwesenheit wurde Agnes auf Befehl Ernsts verhaftet, der Zauberei angeklagt und 12. Okt. 1435 bei Straubing in der Donau ertränkt. Albrecht begab sich zu Herzog Ludwig nach Ingolstadt, versöhnte sich aber schon im November mit seinem Vater und heiratete 1436 Anna von Braunschweig, ließ aber noch 1447 die Gebeine der "ehrsamen Frau Agnesen der Pernawerin" in die von ihr einst gestiftete Grabstätte zu Straubing bringen und mit marmornem Grabstein decken. Albrechts und Agnes' unglückliche Liebe lebte lange im Volkslied. Graf Törring (1780), Böttger (1846), Melchior Meyr (1862), Fr. Hebbel (1855), Otto Ludwig u. a. verarbeiteten den Stoff zu Trauerspielen, andre zu Romanen und Erzählungen.

Bernay (spr. -näh, das alte Bernacum), Arrondissementshauptstadt im franz. Departement Eure, an der Charentonne und der Westbahn, Sitz eines Handelsgerichts, mit mehreren schönen Kirchen, einer ehemaligen Benediktinerabtei (1078 gestiftet), jetzt Amtsgebäude, einem Collège, einer Bibliothek und (1881) 6494 Einw. Der Ort hat Baumwollspinnereien, Band-, Kattun- und Leinwandfabriken, Bleichereien, Glashütten etc. und treibt ansehnlichen Handel. Namentlich ist B. einer der bedeutendsten Pferdemärkte Frankreichs und ein fast ebenso wichtiger Woll- und Getreidemarkt. B. ward 1449 den Engländern entrissen, 1563 von Coligny und 1589 vom Herzog von Montpensier erstürmt und verbrannt.

Bernays, 1) Jakob, Philolog, geb. 18. Sept. 1824 zu Hamburg von jüdischen Eltern, studierte 1844-48 in Bonn, habilitierte sich daselbst 1849, war seit 1853 Lehrer am jüdisch-theologischen Seminar zu Breslau und las zugleich an der Universität, kehrte 1866 als außerordentlicher Professor und Oberbibliothekar nach Bonn zurück und starb daselbst 26. Mai 1881. Er hat sich besonders um die philosophische Litteratur der Griechen verdient gemacht. Seiner Erstlingsschrift: "Heraclitea" (Bonn 1848), folgten: das "Florilegium renasc. latinitatis" (das. 1849); die Ausgabe des Lucretius (Leipz. 1852 u. öfter); die Lebensbeschreibung des Jos. J. ^[Justus] Scaliger (Berl. 1855); "Über das Phokylideische Gedicht" (das. 1856); "Grundzüge der verlornen Abhandlung des Aristoteles über Wirkung der Tragödie" (Bresl. 1857); "Über die Chronik des Sul-^[folgende Seite]