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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Berner Alpen; Berner Disputation; Berner Klause; Berners; Bernhard

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Berner Alpen - Bernhard.

Berner Alpen, eine große Abteilung der Schweizer Alpen, die firn- und gletscherbelastete Scheidemauer der Kantone Bern und Wallis. Wenn wir sie (wenig über diese Begrenzung hinaus) von dem Rhôneknie bis zum Vierwaldstätter See rechnen, so ist ein dem Schweizerboden größtenteils fremdes Glied nicht eingerechnet: die savoyische Gruppe des Buet (3109 m), die an dem Rhône mit der Dent du Midi (3285 m) abschließt. Diese Gruppe steht zum Montblanc in einem ähnlichen Verhältnis wie die eigentlich sogen. B. A. zu den penninisch-lepontischen. Und wie von den B. A. aus die ihnen vorgelagerte Mittelgebirgszone in das Flachland überleitet, so das Berggebiet des (savoyischen) Chablais zu den Ufern des Genfer Sees. Die B. A., in der gewöhnlichen engern Fassung des Wortes, zerfallen in eine Zentralgruppe (s. Finsteraarhorn) und in zwei durch die Pässe der Gemmi und der Grimsel von ihr abgetrennte Flügelgruppen, eine westliche (s. Wildstrubel) und eine östliche (s. Titlis). Das gesamte zu Bern gehörige Berg- und Thalgelände, welches die nördliche Abdachung der B. A. bis zu den beiden Aareseen bildet, wird als Berner Oberland zusammengefaßt und ist ein Lieblingsziel der sommerlichen Alpentouristen, besonders im Hasli, der obersten Thalstufe der Aare (s. d.), und im Gebiet der beiden Lütschinen (Lauterbrunnen und Grindelwald) sowie auf den Firnen der Finsteraarhorngruppe selbst, Schneewüsten, welche erst der Eifer der Alpenklubbisten recht erschlossen hat. Über die Einzelheiten siehe die angeführten Artikel. Vgl. auch Alpen (S. 397).

Berner Disputation, s. Reformation.

Berner Klause (Chiusa di Verona), ein pittoresker Engpaß, östlich vom Gardasee, oberhalb Rivoli, den sich die Etsch durch den Felsen gebrochen, und durch welchen die Straße von Tirol in die Lombardei und nach Verona führt. Über demselben, hart an der senkrechten Felswand, zieht jetzt die Brennerbahn hin. Der Paß ist seiner Wichtigkeit wegen durch zahlreiche Forts befestigt. Hier schützte Otto von Wittelsbach als kaiserlicher Bannerträger im September 1115 das von einem Hinterhalt der Veroneser bedrohte rückkehrende Heer Friedrich Barbarossas.

Berners (Bernes), s. Barnes 1).

Bernhard (altdeutsch Perinhart, "der Bären- oder Heldenkühne"), 1) Graf von Anhalt und Herzog von Sachsen, ein jüngerer Sohn Albrechts des Bären, geboren um 1140, zunächst Erbe eines Teils des heutigen Herzogtums Anhalt, erhielt vom Kaiser Friedrich Barbarossa für die im Kampf gegen Heinrich den Löwen geleisteten Dienste einen Teil des Herzogtums Sachsen, konnte sich aber in dessen Besitz nur schwer behaupten, bis er durch die Aussöhnung Heinrichs mit Kaiser Heinrich VI. Ruhe bekam (1194). Nach Heinrichs VI. Tod lehnte er für sich die Bewerbung um die deutsche Krone ab, gab Philipp von Schwaben seine Stimme und erkannte erst nach dessen Ermordung 1208 Otto IV. als König an. Er starb 1212 in Bernburg. Von seiner Gemahlin Jutta, Tochter des Herzogs Miecislaw von Polen, hatte er zwei Söhne: Heinrich, welcher das Stammland Anhalt, und Albrecht, welcher das Herzogtum Sachsen erhielt. Vgl. Hahn, Die Söhne Albrechts des Bären (Berl. 1869).

2) B. II., Edler Herr zur Lippe, Sohn Hermanns I., geboren um 1140, wurde Domherr zu Hildesheim, schied aber nach dem Tod seines ältern Bruders aus dem geistlichen Stand aus und folgte seinem Vater 1167. Er beteiligte sich an mehreren Feldzügen Heinrichs des Löwen und hing an ihm mit unwandelbarer Treue bis zu seinem Sturz. Ihm verdanken Lippstadt, Lemgo und das Kloster Marienfeld ihre Entstehung. Sein Eifer, für die Ausbreitung des Christentums im Osten zu wirken, veranlaßte ihn, der schon mehrere Jahre in stiller Beschaulichkeit gelebt, 1211 zu einem Zug nach Livland, wo er Abt des Cistercienserklosters in Dünamünde wurde und 1217 ein neues Bistum zu Selburg (Semgallen) begründete. Hier starb er 30. April 1224. Aus seiner Ehe mit Heilwig, Gräfin von Are, entsprossen fünf Söhne, deren einer Erzbischof von Bremen, zwei Bischöfe von Utrecht und Paderborn wurden, und sechs Töchter. Vgl. Scheffer-Boichorst, Herr B. zur Lippe (Detmold 1872).

3) Herzog von Sachsen-Meiningen, Stifter der meining. Linie des herzoglich sachsen-gothaischen Fürstenhauses, der dritte Sohn Herzog Ernsts des Frommen von Gotha, geb. 10. Sept. 1649, erhielt in den 1670 und 1681 mit seinen sechs Brüdern geschlossenen Vergleichen den größten Teil derjenigen Landschaften, welche jetzt das Herzogtum Meiningen bilden. Er verlegte 1680 seine Residenz von Ichtershausen nach Meiningen, bestätigte die ernestinische Landesordnung, führte einerlei Kirchengebräuche ein und ordnete das Kirchen-, Schul-, Justiz- und Rechnungswesen betreffende Generalvisitationen an. Er war ein sehr kirchlich gesinnter Fürst; sein Wahlspruch "In vulneribus Christi triumpho" bezeichnet seine religiöse Richtung. Zu seinen Schwächen gehörte sein Hang zur Alchimie, welcher ihm ansehnliche Summen kostete, sowie seine Liebhaberei am Soldatenwesen, welche ihn veranlaßte, in den damaligen Franzosen- und Türkenkriegen außer dem schuldigen Reichskontingent noch besondere Kompanien zu stellen und sogar 1694 ein ganzes Kavallerieregiment in den Dienst der Generalstaaten zu geben. Die zu den Kräften des Landes in keinem Verhältnis stehenden Ausgaben für das Militärwesen veranlaßten vielfache Beschwerden der Stände. Er starb 27. April 1706.

4) B. II. Erich Freund, Herzog von Sachsen-Meiningen, geb. 17. Dez. 1800 zu Meiningen, folgte wegen des frühen Todes seines Vaters, Herzog Georgs, bereits 1803 unter der Vormundschaft seiner Mutter in der Regierung und übernahm dieselbe 1821. Drei Jahre darauf ließ er die unter die Garantie des Deutschen Bundes gestellte verbesserte landständische Verfassung ins Leben treten, vereinigte durch den nach dem Aussterben der sachsen-gothaischen Linie 12. Nov. 1826 geschlossenen Teilungsvertrag das Herzogtum Hildburghausen, das Fürstentum Saalfeld, das Amt Themar, die Grafschaft Kamburg und die Herrschaft Kranichfeld mit seinem Erbland und gab 23. Aug. 1829 den vereinigten Ländern ein neues Grundgesetz. Im März 1848 bewilligte er die Forderungen des Volkes, ehe sich dieselben in unmittelbar drängender Weise laut machten, nahm die Reichsverfassung bereitwillig an, trat später der Union bei und gab auch nach deren Aufgeben von seiten Preußens seine Sympathien für die deutschen Einheitsbestrebungen kund. Später wandte er sich der großdeutschen Partei zu, protestierte gegen die von Koburg-Gotha mit Preußen abgeschlossene Militärkonvention und stand 1866 aus seiten der Gegner Preußens. Auch bei den Friedensverhandlungen zeigte er sich dem Beitritt zum Norddeutschen Bund so abgeneigt, daß 19. Sept. die preußischen Truppen abermals in Meiningen einrückten. Nunmehr legte er 20. Sept. zu gunsten des Erbprinzen Georg die Regierung nieder und starb 3. Dez. 1882.

5) Herzog von Sachsen-Weimar, einer der be-^[folgende Seite]