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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Bernhard

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Bernhard.

rühmtesten Helden des Dreißigjährigen Kriegs, geb. 6. Aug. 1604 zu Weimar, der jüngste Sohn des Herzogs Johann III. von Sachsen-Weimar. Nachdem er bereits in seinem ersten Lebensjahr seinen Vater und, noch nicht volle 13 Jahre alt, auch seine Mutter Sophie Dorothea, die im Verein mit dem als Staatsmann und Geschichtschreiber geschätzten Hortleder seine Erziehung trefflich geleitet hatte, verloren, vertauschte er die Universität Jena bald mit dem ritterlichen Leben am Hof seines Vetters, des Herzogs Johann Kasimir von Koburg. Seine kriegerische Laufbahn begann er nach Ausbruch des böhmischen Kriegs unter Ernst von Mansfeld, focht 1622 bei Wiesloch, dann bei Wimpfen unter Markgraf Georg Friedrich von Baden-Durlach und 1623 mit seinem Bruder Wilhelm unter Christian von Braunschweig bei Stadtlohn. Als die Sache Friedrichs von der Pfalz unterlegen war, trat B. 1625 als Oberst in das Heer des Königs Christian IV. von Dänemark, suchte aber nach einer Niederlage, die er 1627 in Holstein erlitten, die Verzeihung des Kaisers und nahm dann am Krieg in Holland teil. Als 1630 Gustav Adolf in Deutschland erschien, war B. einer der wenigen deutschen Fürsten, die sogleich entschieden auf des Schwedenkönigs Seite traten. Nachdem er sich in dem Treffen bei Werben (28. Juli 1631) ausgezeichnet, ward er vom König zum Obersten seines Leibregiments zu Pferde ernannt, kämpfte bei Landgraf Wilhelms Heer in Hessen und begleitete darauf den König auf seinem Siegeszug durch Franken, wo er die Feste Marienberg bei Würzburg einnahm, an den Rhein, wo er sich Mannheims bemächtigte, und nach Bayern. An dem Sturm auf Wallensteins Stellung bei Nürnberg 24. Aug. 1632 nahm B. rühmlichen Anteil, blieb dann zur Deckung Frankens zurück, stieß aber bei Arnstadt wieder zum König, als dieser im Oktober nach Sachsen gegen Wallenstein zog. In der Schlacht bei Lützen befehligte er den linken Flügel, übernahm nach Gustav Adolfs Tode den Oberbefehl und errang den Sieg. Noch in demselben Jahr vertrieb er die Kaiserlichen ganz aus Sachsen. Anfang 1633 über trug ihm Oxenstierna den Oberbefehl in Franken. Er drang siegreich in Bayern ein, schlug Johann von Werth, eroberte, nachdem er eine wegen mangelnder Soldzahlung entstandene Meuterei gestillt hatte, Eichstätt, begab sich aber Ende Mai 1633 nach Frankfurt a. M. zum Reichskanzler, um sich von diesem mit dem ihm von Gustav Adolf zugesicherten Herzogtum Franken belehnen zu lassen. Oxenstierna mußte mit Widerstreben einwilligen, da er B. nicht entbehren konnte, und so erhielt dieser 10. Juli 1633 die förmliche Belehnung mit dem besonders aus den eroberten bambergischen und würzburgischen Gebieten bestehenden Herzogtum, mit dessen Verwaltung er zunächst seinen Bruder Ernst betraute. Nachdem er sodann wieder zum Heer nach Bayern gegangen war und sich der Treue seiner zu Meutereien geneigten Soldaten durch reiche Spenden, besonders an die Offiziere, versichert hatte, eroberte er 4. Nov. 1633 das von den Kaiserlichen unter Aldringer nicht geschützte Regensburg, stand in der Oberpfalz eine Zeitlang Wallenstein gegenüber, nach dessen Ermordung er vergeblich die Truppen desselben an sich zu ziehen suchte, vereinigte sich sodann mit dem schwedischen General Horn, wurde aber in der Schlacht bei Nördlingen, welche er trotz Horns Widerspruch wagte, von dem überlegenen kaiserlichen Heer unter Gallas völlig geschlagen (6. Sept. 1634). Diese Niederlage kostete den Schweden den Ruhm der Unbesiegbarkeit und ihre Stellung in Oberdeutschland, B. selbst sein Herzogtum.

Nachdem er 1635 mit Mühe sich gegen den vorrückenden Feind gehalten hatte und zuletzt über den Rhein zurückgedrängt worden war, sah er sich durch den steten Argwohn Oxenstiernas und durch das Ausbleiben von Unterstützung veranlaßt, eine nähere Verbindung mit Frankreich einzugehen. Nach längern Verhandlungen kam zu St.-Germain en Laye (27. Okt. 1635) ein Vertrag zu stande, wonach Richelieu dem Herzog auf die Dauer des Kriegs 4 Mill. Livres jährliche Subsidiengelder zur Unterhaltung eines Heers von 12,000 Mann zu Fuß und 6000 Reitern mit der nötigen Artillerie zusagte. In einem geheimen Artikel wurde ihm das Elsaß unter der Bedingung, die katholische Religion dort nicht zu verdrängen, und für den Fall, daß jenes Land ihm beim Abschluß des Friedens nicht erhalten werden könne, eine angemessene Vergütung zugesichert. Damit wurde B., obgleich er dem Namen nach noch als schwedischer General gelten wollte, doch gänzlich von Frankreich abhängig, mit welchem er aber wegen der Ausbezahlung der Subsidien bald in Streit geriet, zu dessen Beseitigung er im März 1636 selbst nach Paris ging. In demselben Jahr operierte B. im Elsaß und in Lothringen, wo er mehrere Plätze eroberte, sah sich aber einerseits durch die Mahnungen des mißtrauischen Oxenstierna, anderseits durch die ihm allzu große Schranken setzende Politik Richelieus genötigt, mehr Freiheit und Selbständigkeit für sich in Anspruch zu nehmen, zu welchem Zweck er 1637 zu Paris einen neuen Vergleich schloß. Dem Wunsch des französischen Hofs gemäß wandte er sich dann gegen Hochburgund, wo jetzt der kaiserliche General Savelli kommandierte, nahm mehrere Plätze ein und brachte (24. Juni) zwischen Gray und Besançon dem Herzog von Lothringen eine nicht unbedeutende Schlappe bei. Darauf zog er über Mömpelgard durch den Sundgau, setzte (27. Juli) bei Rheinau über den Rhein und verschanzte sich auf der dortigen Rheininsel bei dem Dorf Wittenweier, zog sich aber, von Johann von Werth heftig angegriffen, wieder zurück und nahm im Mömpelgardschen seine Winterquartiere. Durch gute Verpflegung stärkte er seine Truppen so, daß er den Feldzug von 1638, den glänzendsten seiner ganzen kriegerischen Laufbahn, sehr frühzeitig eröffnen konnte. Schon 18. Jan. brach er auf, setzte am 20. über den Rhein, bemächtigte sich Säckingens und Laufenburgs und belagerte Rheinfelden, die wichtigste unter den Waldstädten. Hier wurde er von den Kaiserlichen unter Savelli und Johann von Werth mit überlegener Macht angegriffen, doch brachte ihnen B. 21. Febr. eine gänzliche Niederlage bei; Savelli, Johann von Werth und andre Generale gerieten selbst in Gefangenschaft. Nachdem er darauf Rheinfelden, Röteln und Freiburg eingenommen (März), rüstete er sich, Breisach zu belagern, das wichtige, für unüberwindlich gehaltene Bollwerk des südwestlichen Deutschland. Umsonst bot der Wiener Hof alles auf, den wichtigen Platz zu retten. Die von dem kaiserlichen General Göz versuchte Entsetzung wurde durch Bernhards Sieg bei Wittenweier vereitelt (30. Juli 1638), 4. Okt. der Herzog von Lothringen bei Thann zurückgeworfen, ein zweiter Angriff der Kaiserlichen unter Göz fiel ebenfalls unglücklich aus, obgleich B. damals durch Krankheit beschwert war, und so mußte das von Reinach bis aufs äußerste verteidigte Breisach 7. Dez. 1638 kapitulieren. Aber während Richelieu die Absicht hatte, den äußerst wichtigen Platz für Frankreich zu gewinnen, war B. willens, Breisach für sich zu behalten und zum Mittel- und Stützpunkt einer selbständigen Herrschaft zu machen, weshalb er auch die Kapitulation nur auf seinen