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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Bernhard; Bernhard von Clairvaux; Bernhard, St.

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Bernhard - Bernhard von Clairvaux.

eignen Namen abgeschlossen hatte. Umsonst erinnerte Richelieu, Breisach sei mit französischem Geld und Blut erobert und gehöre nicht zum Elsaß, umsonst trug er dem Herzog die Hand seiner Nichte an: B. schob seine Feldherrnpflichten vor und lehnte die Heirat als eine nicht ebenbürtige ab. Selbst das Versprechen, Breisach nach seinem Tod an Frankreich zu überlassen, wollte er nicht leisten. Aber auch die Anerbietungen, die man ihm von seiten des Wiener Hofs machte, wies er zurück. Er hatte, wie es scheint, die Absicht, mit der verwitweten Landgräfin Amalie von Hessen sich zu vermählen und zwischen dem Kaiser und dessen Gegnern eine dritte vermittelnde Macht zu bilden. Nachdem B. den Winter hindurch in Hochburgund verweilt hatte, begab er sich (Anfang April 1639) nach Breisach zurück. Allein unter den Vorbereitungen zu dem neuen Feldzug gegen die Kaiserlichen starb er 18. Juli 1639 in Neuburg am Rhein. Der Verdacht, daß er an Gift, das ihm vielleicht auf Richelieus Betrieb beigebracht worden, gestorben sei, ist nicht erwiesen. Über Bernhards Erbe stritten alle im Krieg begriffenen Mächte. Sein kurzes Testament bestimmte nur im allgemeinen, daß die eroberten Lande ihrer Wichtigkeit wegen bei dem Deutschen Reich verbleiben sollten; er wünschte, seine Brüder möchten sie unter schwedischem Schutz übernehmen. Aber nunmehr suchten sich Frankreich, Österreich und Schweden des eroberten Terrains zu bemächtigen. Österreichs Anerbietungen wurden von den Soldaten mit Widerwillen zurückgewiesen. Wilhelm von Weimar, der die Ansprüche der Brüder geltend machte, fand weder bei Schweden noch bei Frankreich Beistand; selbst seine Ansprüche auf Bernhards Privatvermögen wurden beim Abschluß des Westfälischen Friedens nicht beachtet. Der Kommandant von Breisach, Erlach, überließ Bernhards Eroberungen und Kriegsvölker an Frankreich gegen Verwilligung eines Jahrgeldes und des französischen Bürgerrechts. Der französische Hof berief sich den von seiten Schwedens erhobenen Beschwerden gegenüber auf den 1635 mit B. geschlossenen geheimen Vertrag. Bernhards Regimenter gingen indes später größtenteils zu den Schweden über und nahmen an der letzten Entscheidung teil. Bernhards Leichnam, der vorläufig zu Breisach beigesetzt worden war, wurde 15. Sept. 1655 nach Weimar gebracht. Mosen, Genast und Gottschall haben Bernhards tragisches Schicksal dramatisch behandelt. Vgl. B. Rose, Herzog B. d. Gr. von Sachsen-Weimar, mit Urkunden (Weim. 1829, 2 Bde.).

6) Karl B., Herzog von Sachsen-Weimar, zweiter Sohn des Großherzogs Karl August, geb. 30. Mai 1792 zu Weimar, genoß eine treffliche Erziehung und machte dann im Heer des Fürsten Hohenlohe als Freiwilliger den unglücklichen Feldzug von 1806 mit. Hernach trat er in königlich sächsische Dienste, wohnte 1809 als Major beim Generalstab Bernadottes dem Feldzug gegen Österreich bei, hielt sich aber dann vom Kampfe fern, trat erst nach der Schlacht bei Leipzig wieder in aktiven Dienst und wohnte unter seinem Vater, der ein Armeekorps der Verbündeten befehligte, als Oberst dem Winterfeldzug von 1814 in den Niederlanden und in Flandern bei. 1815 vertauschte er den sächsischen Dienst mit dem niederländischen, nahm an den Schlachten bei Quatrebras und Waterloo rühmlichen Anteil und avancierte 1816 zum Generalmajor, 1829 zum Divisionär. Als solcher hatte er seinen Sitz in Gent, sah sich aber beim Ausbruch der belgischen Revolution im September 1830 durch die Übermacht der Insurgenten gezwungen, Stadt und Festung den Belgiern zu überlassen und sich nach Antwerpen zurückzuziehen. Als Generalleutnant mit der Führung des linken Flügels der holländischen Truppen betraut, schlug er 1831 die Insurgenten bei Löwen. 1848-53 war er Oberbefehlshaber der holländischen Kolonialtruppen in Niederländisch-Indien. Seitdem lebte er abwechselnd im Haag und in Weimar. Er starb 3. Juli 1862 in Bad Liebenstein. Die umsichtigen Beobachtungen, die er während einer 1825-26 unternommenen Reise durch Nordamerika in ein Tagebuch verzeichnet hatte, sind 1828 von H. Luden (Weim. 1828, 2 Bde.) veröffentlicht worden. Der Herzog selbst hat außerdem eine wertvolle Monographie: "Précis de la campagne de Java en 1811" (Haag 1834), herausgegeben. Vgl. Starklof, Das Leben des Herzogs von Sachsen-Weimar-Eisenach (Gotha 1865-66, 2 Bde.).

7) König von Italien, Sohn Pippins, des 810 gestorbenen Sohns Karls d. Gr., ward von diesem zum König von Italien ernannt und 813 gekrönt. Durch die von Ludwig dem Frommen 817 vorgenommene Teilung des Reichs unter seine Söhne und die Übertragung des Kaisertums auf Lothar sich für benachteiligt haltend, griff B. zu den Waffen, wurde aber unter dem Schein von Unterhandlungen nach Châlon an der Saône gelockt und 818 geblendet, infolgedessen er 17. April starb. Ludwig der Fromme bereute diese grausame That aufrichtig und nahm 822 eine öffentliche Kirchenbuße dafür auf sich.

Bernhard, 1) Christoph, Komponist, geb. 1612 zu Danzig, bildete sich unter Leitung Heinrich Schütz' in Dresden sowie durch wiederholte Reisen nach Italien zu einem vortrefflichen Musiker aus, wirkte dann als Kapellmeister der Dresdener Oper neben Schütz, nahm jedoch infolge von Zwistigkeiten mit den italienischen Sängern 1664 die Stellung eines Stadtkantors in Hamburg an. Nach Schatz' Tod (1672) wurde er vom Kurfürsten Johann Georg II. wieder nach Dresden zurückberufen und in die erledigte Kapellmeisterstelle eingesetzt, die er bis zu seinem Tod (14. Nov. 1692) bekleidete. Von seinen im Druck erschienenen Kompositionen sind zu erwähnen: "Geistliche Harmonien für drei, vier und fünf Stimmen" und eine Hymne: "Prudentia Prudentiana". Seine von den Zeitgenossen hochgeschätzten theoretischen Arbeiten sind nur noch den Titeln nach bekannt.

2) Karl, Pseudonym des dänischen Schriftstellers Saint-Aubain (s. d.).

Bernhard, St., Paß, s. Sankt Bernhard.

Bernhard von Clairvaux (spr. ktärwoh), der Heilige, der bedeutendste unter den romanischen Mystikern des Mittelalters, geb. 1091 zu Fontaines bei Dijon, trat 1113 mit 30 Gefährten in das Kloster Citeaux und wurde 1115 erster Abt des neugestifteten Klosters Clairvaux. Seine Sittenstrenge, die tiefe Frömmigkeit, die Glut seiner Beredsamkeit machten ihn zum Gegenstand der Bewunderung und ermöglichten ihm in den Kämpfen jener Zeit eine weitgreifende Wirksamkeit. Sein Einfluß war es, der Innocenz II. auf der Synode zu Estampes (1131), dann auch bei König Ludwig VI. von Frankreich, Heinrich I. von England und dem deutschen Kaiser Lothar die Anerkennung verschaffte und bei einer zweiten Anwesenheit in Italien 1136-38 dem Gegenpapst Anaklet II. die Städte Mailand und Rom zu entreißen wußte. Den höchsten Gipfel seiner Macht erreichte aber B., als Papst Eugen III., sein Schüler, vor Arnold von Brescia flüchtend, sich ihm in die Arme warf. Seine Beredsamkeit regte auf dem Konzil zu Vezelay (1146) den zweiten Kreuzzug an, dessen Ausgang ihn tief betrübte. Nicht ohne gerechten Tadel bleibt sein Verhalten gegen