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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Bernhardi - Bernhardt.

Abälard (s. d.), dessen Verurteilung auf der Synode zu Sens er durchsetzte. Auch die religionsphilosophischen Lehren des Bischofs Gilbert von Poitiers ließ er und zwar zu Reims 1148 verdammen, und nicht minder eifrig wirkte B. gegen die ketzerischen Sekten im Süden Frankreichs, wiewohl er sich allen äußern Gewaltmaßregeln abgeneigt zeigte. Er starb 20. Aug. 1153 in Clairvaux und ward von Papst Alexander III. 1173 heilig gesprochen. Seine Schriften (Abhandlungen, Predigten, Hymnen) sind herausgegeben von Mabillon (Par. 1667-90, 6 Bde.; 2. Aufl. 1719, 2 Bde.; neuer Abdruck, das. 1839-40, 2 Bde.; wiederholt in Mignes "Patrologie", das. 1851-52, 4 Bde.). Das bedeutendste unter seinen größern Werken, "De consideratione libri V", wurde zuletzt herausgegeben von Schneider (Berl. 1850). Vgl. Neander, Der heilige B. und sein Zeitalter (3. Aufl., Gotha 1865); Ellendorf, Der heilige B. und die Hierarchie seiner Zeit (Essen 1837); Ratisbonne, Histoire de Saint-Bernhard et de son siècle (9. Aufl., Par. 1883, 2 Bde.; deutsch, Tübing. 1846); Morison, Life and times of St. B. (3. Aufl., Lond. 1877); Neumann. B. v. C. und die Anfänge des zweiten Kreuzzugs (Heidelb. 1882).

Bernhardi, 1) August Ferdinand, Sprachforscher und Schriftsteller, geb. 24. Juni 1769 zu Berlin, studierte in Halle unter Wolf, wurde. 1791 Lehrer am Friedrichswerderschen Gymnasium in Berlin, 1808 Direktor desselben, 1815 Mitglied des Konsistoriums und der wissenschaftlichen Prüfungskommission und starb 1. Juni 1820, nachdem er kurz vorher zum Direktor des Friedrich-Wilhelms-Gymnasiums ernannt war. Er war seit 1799 mit Sophie, einer Schwester Tiecks, verheiratet, von der er sich jedoch 1805 scheiden ließ. Wir besitzen von ihm: "Vollständige lateinische Grammatik" (Berl. 1795-97, 2 Bde.); "Vollständige griechische Grammatik" (das. 1797); "Sprachlehre" (das. 1801-1803, 2 Bde.) und "Anfangsgründe der Sprachwissenschaft" (das. 1805), die letzten beiden Schriften von Bedeutung für die neuere Sprachwissenschaft. Am bekanntesten ist er durch seine Verbindung mit den Häuptern der romantischen Schule. Daraus sind seine Theaterkritiken etc., besonders aber seine "Bambocciaden" (Berl. 1797-1800, 3 Bde.), satirische Schnurren über das Berliner Gesellschafts- und Litteraturleben, hervorgegangen. In den "Ansichten über die Organisation der gelehrten Schulen" (Jena 1818) zeigte er sich als erfahrener Schulmann. Aus seinem und seiner Gattin Nachlaß gab sein Sohn Wilhelm B., ein seiner Zeit bekannter Journalist und Theaterkritiker, Erzählungen unter dem Titel: "Reliquien" (Altenb. 1847, 3 Bde.) heraus.

2) Karl, Schriftsteller, geb. 5. Okt. 1799 zu Ottau in Kurhessen, studierte zu Marburg Theologie und Philologie, erhielt 1826 die Stelle eines Universitätsbibliothekars in Löwen, wo er seine Studien fortgesetzt hatte, und wurde 1829 als erster Bibliothekar an die kurhessische Landesbibliothek in Kassel berufen. Die hessische Bewegung von 1830 fand in ihm einen ihrer rüstigsten Vorkämpfer. 1848 trat er für den Wahlbezirk Eschwege in die Nationalversammlung, wo er zu der Partei Gagern gehörte. Nach der Auflösung der Nationalversammlung hielt er sich zur Partei der Gothaer. 1867-70 war er Mitglied des norddeutschen Reichstags sowie des preußischen Abgeordnetenhauses und schloß sich hier der nationalliberalen Partei an. Er starb 1. Aug. 1874. Außer vielen zerstreuten Aufsätzen, Flugschriften und der gekrönten Preisschrift "De excidio regni judaici" (Löwen 1824) veröffentlichte er eine Übersetzung von Degérandos "Fortschritte des Gewerbfleißes" (Kassel 1842), "K. Schomburgs Nachlaß und Briefwechsel" (das. 1843), "Wegweiser durch die Volks- und Jugendschichten" (Leipz. 1852), "Die Sprachgrenze zwischen Deutschland und Frankreich" (Kassel 1871), eine "Sprachkarte von Deutschland" u. a.

3) Theodor von, deutscher Diplomat und Geschichtschreiber, geb. 6. Nov. 1802 zu Berlin, verlebte seine Jugend in Rußland, studierte 1820-23 in Heidelberg, besonders durch Schlosser beeinflußt, siedelte nach längern Reisen im Ausland nach Deutschland über und kaufte sich in Schlesien, zu Kunnersdorf bei Hirschberg, an. 1865 zum preußischen Legationsrat ernannt, ward er als preußischer Militärbevollmächtigter nach Florenz gesandt, suchte jedoch 1866 vergeblich Lamarmora zu einer erfolgreichern, den preußischen Interessen ernstlich dienenden Kriegführung zu bestimmen. 1867-71 war B. in diplomatischen Aufträgen in Italien, Spanien und Portugal thätig. Von seinen Schriften verdienen hervorgehoben zu werden: "Versuch einer Kritik der Gründe, die für großes und kleines Grundeigentum angeführt werden" (Petersb. 1849); das für die Geschichte der Freiheitskriege höchst wichtige Werk "Denkwürdigkeiten aus dem Leben des russischen Generals Karl Friedrich v. Toll" (2. Aufl., Leipz. 1865-66, 4 Bde.); "Geschichte Rußlands und der europäischen Politik in den Jahren 1814-31" (das. 1863-77, Bd. 1-3); "Vermischte Schriften" (Berl. 1879, 2 Bde.) und "Friedrich d. Gr. als Feldherr" (das. 1881, 2 Bde.).

Bernhardin, St., Paß, s. Bernardino.

Bernhardin von Siena, Heiliger, geb. 1380 in Massa-Carrara, machte sich 1400, als eine Pest durch ganz Italien wütete, durch aufopfernde Krankenpflege verdient. Im J. 1404 trat er in den Franziskanerorden, als dessen Generalvikar er für die Einführung der strikten Observanz in mehr als 500 Klöstern eifrig thätig war. Mehrere ihm angebotene Bistümer schlug er aus. Er starb 1444 und wurde 1450 heilig gesprochen. In der Geschichte der Predigt gilt er als einer der ausgezeichnetsten Repräsentanten der volksmäßigen Beredsamkeit. Vgl. Toussaint, Das Leben des heil. B. (Regensb. 1873).

Bernhardiner und Bernhardinerinnen, s. Cistercienser.

Bernhardinerkraut, s. Cnicus.

Bernhardskrebs, s. Einsiedlerkrebs.

Bernhardt, 1) August, Forstmann, geb. 28. Sept. 1831 zu Sobernheim a. d. Nahe, studierte in Eberswalde Forstwissenschaft, wurde 1864 Oberförster zu Hilchenbach (Kreis Siegen), war 1870-71 in Metz als Forstinspektionsbeamter bei der Organisation der deutschen Forstverwaltung in Elsaß-Lothringen thätig, wurde 1871 als forsttechnischer Dirigent der neuerrichteten Versuchsstation und als Lehrer der Forstwissenschaft an die Forstakademie zu Eberswalde berufen und 1878 zum Oberforstmeister und Direktor der Forstakademie zu Münden ernannt. Er starb daselbst 14. Juni 1879. Unter seinen gediegenen Schriften sind hervorzuheben: "Die Haubergswirtschaft im Kreis Siegen" (Münst. 1867); "Die Waldwirtschaft und der Waldschutz" (Berl. 1869); "Die forstlichen Verhältnisse von Deutsch-Lothringen" (das. 1871); "Über die historische Entwickelung der Waldwirtschaft und Forstwissenschaft in Deutschland" (das. 1871); "Forststatistik Deutschlands" (das. 1872); "Geschichte des Waldeigentums, der Waldwirtschaft und Forstwissenschaft" (das. 1872-75, 3 Bde.); "Chronik des deutschen Forstwesens in den Jahren 1873-78" (das. 1876-79); "Die preußischen Forst- und Jagd-^[folgende Seite]