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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Beroldingen; Berolft; Berōsos; Berquin; Berre; Berrettini; Berri

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Beroldingen - Berri.

bei Pydna (168 v. Chr.) von den Römern besetzt. Das Christentum kam hierher durch den Apostel Paulus 54 n. Chr. (Apostelgesch. 17, 10 ff.). Zu Anfang des Mittelalters und später war B. Sitz eines Bischofs. Kurz vor 904 wurde es durch ein Erdbeben stark beschädigt und bald darauf von den Bulgaren erobert, diesen jedoch im 11. Jahrh. durch Basilios Bulgaroktonos wieder entrissen. Von 1204 bis 1261 gehörte die Stadt zum lateinischen Königreich Thessalonich, dann war sie nebst Edessa (Wodena) lange ein Zankapfel zwischen dem Kral von Serbien und den Paläologen von Byzanz. Seit ihrer Übergabe an die Türken (um 1375) gehört sie zum Sandschak Salonichi (Thessalonich). Heute Veria (türk. Karaferia). -

2) Stadt in Syrien, s. Aleppo.

Beroldingen, Joseph Ignaz, Graf von, württemberg. Minister, geb. 27. Nov. 1780 zu Ellwangen, studierte in Würzburg die Rechte, trat in den österreichischen Kriegsdienst, den er 1803, als der Kurfürst von Württemberg seine adligen Unterthanen aus fremdem Kriegsdienst zurückberief, mit dem württembergischen vertauschte. Als General wurde er von Napoleon zu mehreren wichtigen Sendungen gebraucht. Seit 1814 Gesandter in London, dann in Petersburg und 1823 zum Minister der auswärtigen Angelegenheiten und des königlichen Hauses ernannt, blieb er bis 1848 in dieser Stellung und starb in Stuttgart 24. Jan. 1868.

Berolft, s. v. w. Pirol.

Berōsos, Geschichtschreiber und Astronom, Priester des Bel in Babylon, schrieb unter der Regierung des syrischen Königs Antiochos Soter 280-270 v. Chr. in griechischer Sprache drei Bücher babylonisch-chaldäischer Geschichten, wozu er die im Tempel des Bel aus alter Zeit aufbewahrten Priesterchroniken benutzt haben soll, und wovon Bruchstücke bei mehreren alten Schriftstellern, wie Josephus, Eusebios u. a., sich finden. Auch schrieb er über Astronomie und Astrologie. Die Fragmente seiner Schriften wurden herausgegeben von W. Richter (Leipz. 1825) und Müller (in den "Fragmenta histor. graec.", Bd. 2, Par. 1848).

Berquin (spr. berkäng), 1) Louis de, einer der ersten Märtyrer der Reformation in Frankreich, geb. 1490, wurde wegen Übersetzung von Schriften des Erasmus und Luther seit 1523 vom Parlament verfolgt, eine Zeitlang durch die Gunst des Königs Franz I. und seiner Schwester Margarete beschützt, endlich aber 22. April 1529 verbrannt.

2) Arnaud, franz. Schriftsteller, geb. 1749 zu Langoiran (Gironde), trat zuerst mit Idyllen in Geßners Manier hervor, die in zwei Sammlungen erschienen (1774 und 1775), und denen 1776 "Romances" folgten. Seine Hauptbedeutung aber liegt in seinen Jugendschriften; sein "Ami des enfants", eine Nachahmung des Weißeschen "Kinderfreundes", wurde 1784 von der französischen Akademie gekrönt. Es sind Märchen, kleine Erzählungen, Dialoge, Theaterstücke, klar und einfach geschrieben, für den kindlichen Ideenkreis passend, mit verständiger Moral. Wir nennen noch: "Choix de lectures pour les enfants", "Le livre de famille", "Bibliothèque des villages", "L'ami de l'adolescence", "Le petit Grandisson" etc. Weniger Glück hatte er mit "Pygmalion, scène lyrique de J. J. Rousseau, mise en vers" (1774); besser sind die Übersetzungen aus englischen periodischen Schriften. B. war nach Ausbruch der Revolution einer der Redakteure der "Feuille villageoise", die viel zur Aufklärung der untern Volksklassen Frankreichs beigetragen hat, und Mitarbeiter am "Moniteur Universel". Er starb 21. Dez. 1791 in Paris. Seine "Œuvres complètes" erschienen 1803 in 20 Bänden, eine Auswahl derselben 1836 in 4 Bänden; die Jugendschriften sind sehr oft einzeln abgedruckt.

Berre (spr. bar), Etang de, fischreicher Binnensalzsee im franz. Departement Rhônemündungen, westlich von Marseille, nach dem Städtchen B. an seinem Nordostufer benannt, 150 qkm groß, hängt durch den Canal de Bouc mit dem Mittelländischen Meer zusammen und ist für kleine Schiffe fahrbar. Seine sanft ansteigenden Ufer sind mit Städten, Dörfern und Wein-, Oliven- u. andern Anpflanzungen bedeckt.

Berrettini, Pietro, ital. Maler, s. Cortona.

Berri, 1) Charles de, dritter Sohn des Dauphins Ludwig und der Prinzessin Marie Christine von Bayern, Enkel Ludwigs XIV., geb. 1686, führte den Titel Großdauphin und starb 1714 infolge eines Sturzes mit dem Pferd. Er war seit 1710 vermählt mit Marie Luise Elisabeth von Orléans (geb. 1695), einer Tochter des spätern Regenten, welche durch ihren sittenlosen Lebenswandel sich berüchtigt machte. Sie starb 1719.

2) Charles Ferdinand, Herzog von, zweiter Sohn des Grafen von Artois (Karl X.) und der Maria Theresia von Savoyen, geb. 24. Jan. 1778 zu Versailles, floh mit seinen Eltern 1789 nach Turin und focht mehrfach mit den Emigranten gegen Frankreich. 1801 ging er nach England und vermählte sich morganatisch mit einer Engländerin, Namens Brown; zwei Töchter aus dieser von Ludwig XVIII. nicht anerkannten Ehe heirateten später die eine den Marquis von Charette, die andre den Prinzen von Faucigny. Am 21. April 1814 nach Paris zurückgekehrt, befehligte er, zum Generalobersten ernannt, bei Napoleons Rückkehr die Truppen um Paris, mußte sich aber 20. März nach Belgien zurückziehen, von wo er nach der Schlacht bei Waterloo 8. Juli nach Paris zurückkehrte. Er nahm jedoch von da an wenig teil am politischen Leben. 1816 vermählte er sich mit Karoline Ferdinande Luise (s. unten), der ältesten Tochter des nachmaligen Königs Franz I. von Neapel. Da auf dieser Ehe das Fortbestehen der ältern Linie Bourbon beruhte, so wurde B. 13. Febr. 1820 beim Austritt aus dem Opernhaus von Louvel, einem politischen Fanatiker, welcher Frankreich durch Ausrottung der Bourbonen retten wollte, durch einen Dolchstich ermordet. Obgleich der Mörder mit keiner politischen Partei in Verbindung stand, war doch eine reaktionäre Wendung der Regierung die Folge der That. Vgl. Chateaubriand, Mémoires touchant la vie et la mort du duc de B. (Par. 1820).

3) Karoline Ferdinande Luise, Herzogin von, Gemahlin des vorigen seit 17. Juni 1816, älteste Tochter des Königs Franz I. von Neapel, geb. 5. Nov. 1798, gebar nach ihres Gatten Ermordung 29. Sept. 1820 den Prinzen Heinrich von Artois, Herzog von Bordeaux (s. Chambord). Nach der Julirevolution von 1830 folgte sie mit ihren Kindern Karl X. nach Holyrood. Mit der Absicht, ihren Sohn als König nach Frankreich zurückzuführen, ging sie 1831 nach Italien, wo sich bald Anhänger der Bourbonen um sie scharten. Man beschloß eine Landung in Frankreich, um Heinrichs V. Fahne daselbst aufzupflanzen. Am 29. April 1832 landete die Herzogin in Marseille, mußte aber, da ihre Partei zu schwach war, verkleidet nach der Vendée fliehen, erregte dort hier und da Aufstände, die aber schnell unterdrückt wurden, bestand mannigfache Abenteuer und ward endlich in Nantes infolge des Verrats eines Juden, Namens Deutz, verhaftet. Sie wurde nun auf die Citadelle von Blaye gebracht, wo sich ergab, daß die Herzogin