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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Betäubung - Bethellisieren.

des Herzens mittels eingestochener Nadeln den Tod nicht hindern kann. Zu kurz dauernden Operationen, z. B. beim Zahnausziehen, eignet sich vorzüglich die Einatmung von Stickstoffoxydul (Lustgas, Lachgas); soll die Betäubung längere Zeit fortgesetzt werden, so muß dasselbe, mit Luft zu gleichen Teilen gemischt, unter einem Druck von 2 Atmosphären eingesogen werden, da das reine Gas bei längerer Anwendung leicht tödlich wirkt. Gleichfalls nicht ohne Gefahr ist das Äthylidenchlorid, so daß das Chloroform trotz einiger nicht zu vermeidender Unglücksfälle noch immer unter den Betäubungsmitteln den unbedingten Vorrang behauptet. Wird noch über die Zeit der schmerzhaften Operation hinaus Ruhe und Schlaf gewünscht, so empfiehlt sich unmittelbar nach dem Erwachen aus dem Chloroformrausch eine Gabe von Morphium. Vgl. die Handbücher der Chirurgie und Arzneimittellehre; außerdem Weber, Über die Anwendung der schmerzstillenden Mittel etc. (Berl. 1867); Tauber, Die Anästhetika (das. 1881).

Betäubung wird sowohl für eine Handlung, "das Betäuben", als auch für den hierdurch hervorgebrachten Zustand gebraucht; dieser letztere bedeutet die zeitweise Aufhebung der Nervenleitung zwischen äußern Empfindungsorganen (Gefühl, Geruch, Gehör etc.) und dem Bewußtsein. Die B. kann entweder eine allgemeine sein, wie sie durch Ohnmacht, epileptische Krämpfe oder durch betäubende Mittel (s. d.), z. B. Chloroform, Morphium, Alkohol etc., hervorgerufen wird, oder sie ist auf einzelne Organe beschränkt. Hier ist wohl ursprünglich das Wort B. abgeleitet von dem Zustand des Gehörs, welcher bei sehr starkem Getöse eintritt und das Ohr für leisere Schalleindrücke unempfindlich macht. Beim Gefühlssinn spricht man auch wohl von Abstumpfung, wie sie durch Kälte, durch starke Reize der Haut und durch andre sogen. lokale anästhesierende Mittel hervorgebracht wird. Der höchste Grad allgemeiner andauernder B. ist der Stupor (s. d.).

Bête (franz., spr. bäht), unvernünftiges Tier, daher ein Dummkopf; im Kartenspiel (L'hombre) Einsatz, besonders für ein verlornes Spiel; b. ist derjenige, welcher verloren hat. B. noire ("schwarzes Tier"), von aller Welt verabscheuter Mensch.

Beteigeuze (Batageuze, α Orionis), Fixstern erster Größe von rötlicher Farbe an der östlichen Schulter des Orion, einer der Besselschen Fundamentalsterne.

Beteiligungsversicherung, eine Art der Rückversicherung (s. d.).

Betel, ein Kaumittel, welches aus den Blättern des Betelpfeffers (Piper Betle), der Arekanuß und gebranntem Kalk besteht und im Ostindischen Archipel und Südasien wohl von 100 Mill. Menschen benutzt wird. Die gerbsäurereiche Arekanuß wird in passende Stückchen zerschlagen und in Betelblätter, deren eine Seite mit Kalkbrei bestrichen ist, eingehüllt. Diese Betelhappen werden von den Frauen zubereitet und in sehr kostbaren Gefäßen aufbewahrt. Das Betelkauen scheint ein sehr alter Gebrauch zu sein, es spielt bei den genannten Völkern eine große Rolle und ist die unerläßliche Voraussetzung bei jedem Geschäft, bei jeder feierlichen Handlung. Es verursacht aromatisch bitterlich-herben Geschmack, färbt Lippen und Zahnfleisch braunrot, die Zähne schwarz, regt den Appetit an, begünstigt die Ernährung und erzeugt eine eigentümlich rauschähnliche Erregung, aber, wie es scheint, keine Nachteile. Sumatra und die benachbarten Inseln liefern jährlich gegen 80-90,000 Pikuls B., die meist nach China gebracht werden. Die Malaien vermischen den B. auch mit Katechu.

Betelnuß, s. Areca.

Betelpfeffer, s. Piper.

Beten, s. Gebet.

Beten, s. v. w. Steuern, Auslagen, s. Bede.

Betfahrt, s. v. w. Wallfahrt (s. Bittgänge); Betfahrtswoche, s. v. w. Gangwoche (s. d.).

Betglocke, die Glocke, mit welcher zu bestimmten Zeiten das Zeichen zum Beten gegeben wird; dann dieses Zeichen selbst. Papst Gregor IX. verordnete zuerst, daß während des Messelesens, und Johann XXII., daß gegen Abend durch drei Glockenschläge (Angelusläuten) die Christenheit zum Gebet aufgefordert werde. Das Mittagsläuten ordnete Calixtus III. 1455 an als Aufforderung zum Gebet gegen die Türken.

Beth (hebr.), Haus, Wohnung, Ort, in Ortsnamen Palästinas oft vorkommend, z. B. Bethel (B.-El), Gotteshaus; Bethlehem, Haus des Brotes, etc.

Bethania ("Dattelort"), 1) im Altertum Dorf in Palästina, 2 km südöstlich von Jerusalem am Ölberg gelegen, Wohnort des Lazarus und seiner Schwestern Maria und Martha. An den öftern Aufenthalt Jesu daselbst knüpfen sich die Erweckung des Lazarus, Jesu Salbung im Haus des Pharisäers Simon, sein Abschied von den Jüngern vor der Himmelfahrt. Jetzt El Azarijeh, ein ärmliches Dorf, wo man die Ruinen vom "Schloß" des Lazarus, dessen Grab etc. zeigt. - 2) Ort am Jordan in Peräa, im Gebiet des Stammes Gad. Hier (und nicht in Bethabara) taufte Johannes, wie aus den besten Handschriften (Joh. 1, 28) erhellt.

Bethanien (engl. Bethany), Name von drei Missionsstationen in Südafrika, von denen eine im Großnamaqualand, östlich von Angra Pequena, am Gaogib, 1814 durch die Rheinische Missionsgesellschaft, die zweite im Oranjefreistaat, südwestlich von Bloemfontein, am Rietfluß, 1834 durch die Berliner Mision, die dritte im Transvaal, nordwestlich von Pretoria, 1864 durch die Hermannsburger Mission gegründet wurde. Auch verschiedene Diakonissenhäuser für Krankenpflege, z. B. in Berlin und Breslau, führen den Namen B.

Bethaus, ein gottesdienstliches Gebäude ohne Turm und Glocke, in welchem zwar gebetet und gepredigt, aber keine sonstigen pfarramtlichen Verrichtungen vorgenommen werden; im engern Sinn das gottesdienstliche Gebäude der nicht privilegierten Bekenntnisse, so früher der Protestanten in Österreich.

Beth-din (hebr.), s. Besdin.

Bethel ("Gotteshaus"), sehr alte Stadt Palästinas, 17 km nördlich von Jerusalem, am Weg nach Sichem gelegen, war unter den Kanaanitern Sitz eines Königs und hieß bis auf Jakob, der hier im Traum die Himmelsleiter sah, Lus (Mandelbaum). Von Josua durch List erobert, wurde B. den Benjaminiten zugeteilt, später den wieder eingedrungenen Kanaanitern durch die Ephraimiten abgenommen, war dann eine Zeitlang Standort der Stiftshütte und unter Samuel eine Gerichtsstätte. Nach der Trennung der zehn Stämme war es ein Hauptsitz der Abgötterei, bis Josias dieser ein Ende machte. Die Propheten sprechen mit Abscheu von der Götzendienerei Bethels. Nach dem Exil kam die Stadt an die Benjaminiten. Von dem syrischen Feldherrn Bakchides wurde sie um 160 v. Chr. befestigt, von Vespasian später eingenommen und mit römischen Kriegern besetzt. Jetzt stehen daselbst einige armselige Hütten des Dorfs Betin zwischen verfallenen alten Gebäuden.

Bethellisieren, s. Holz.