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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Betriacum - Betriebssystem.

Betriacum, im Altertum Flecken im transpadanischen Gallien, am untern Ollius (Oglio), zwischen Cremona und Verona, bekannt durch die Niederlage des Kaisers Otho durch Vitellius 69 n. Chr.; heute Calvatore.

Betriebsarten, forstliche: Waldbewirtschaftungsarten, welche die Altersverteilung, Verjüngung und Benutzung der Holzbestände bestimmen. Die Altersverteilung des Holzes ist entweder eine Einzelverteilung (baum-, gruppen- oder horstweise Verteilung) der Altersklassen, so daß aus einer und derselben Fläche Holz aller Altersklassen neben- und übereinander steht (Femelbetrieb, Plenterbetrieb), oder sie ist eine flächenweise Verteilung der Altersklassen, so daß auf einer und derselben Fläche gleichalteriges Holz steht (Schlagbetrieb, Schlagwirtschaft, z. B. beim Hochwald, Niederwald). Die Verjüngung erfolgt entweder durch Samenwuchs (Samenwald) oder durch Wiederausschlag abgetriebenen Holzes (Ausschlagwald). Die Benutzung ist teils eine ausschließlich forstliche in hohem, Baumholz lieferndem Nutzungsalter (Baumwald) oder in niedrigem, niederes Holz lieferndem Nutzungsalter (Niederwald), teils ist sie eine forst- und landwirtschaftliche (z. B. beim Waldfeldbetrieb, Baumfeldbetrieb, Hackwaldbetrieb). Nach dem Einteilungsgrund der Altersverteilung zerfallen die Betriebsarten in I. Femelbetrieb (Plenterbetrieb) mit Einzelverteilung der Altersklassen; II. Schlagbetrieb (Schlagwirtschaft) mit flächenweiser Verteilung der Altersklassen und den beiden Hauptabteilungen: 1) des Hochwaldbetriebes (einfacher Hochwaldbetrieb, Überhaltbetrieb, Unterbaubetrieb, Lichtungsbetrieb, Waldfeldbetrieb, reiner Feldbetrieb, Pflanzwaldbetrieb), 2) des Ausschlagwaldbetriebes (einfacher Niederwald, Hackwald, Kopfholzbetrieb, Schneideholzbetrieb); III. Mittelwaldbetrieb, eine aus Plenterbetrieb und Ausschlagbetrieb zusammengesetzte Betriebsart, bei welcher auf derselben Fläche Baumholz in Einzelverteilung, Ausschlagholz in Flächenverteilung der Altersklassen vorkommt. Über Begriffe und Unterteilung der B. s. Femelwald, Hochwald, Ausschlagwald, Mittelwald.

Betriebskapital, s. Kapital.

Betriebsklasse, forsttechnischer Ausdruck, s. Forsteinteilung.

Betriebskrankenkasse, s. v. w. Fabrikkrankenkasse, s. Krankenkassen.

Betriebslehre (Betriebsorganisation), s. Landwirtschaft, insbesondere den Abschnitt über Organisation und Direktion der Landgüter.

Betriebsplan, landwirtschaftlicher, eine thunlichst genaue Feststellung aller jener Ziele, welche sich der Bewirtschafter eines Gutes für eine Reihe von Jahren oder für das folgende Jahr zu stecken hat, mit Angabe der Motive und genauer Fixierung der zur Erreichung dieser Ziele anzuwendenden Mittel. Der Betriebsplan dient als Grundlage bei Aufstellung des Etats und ist als Vorarbeit für jede Taxation und Ertragsvoranschläge vorzunehmen. Der Aufsteller hat hier klar auszusprechen, welche Früchte und in welchem Umfang er dieselben zum Anbau bringen will, wie die Fruchtfolge den lokalen Verhältnissen am rationellsten anzupassen, welche Nährstoffe den Feldfrüchten zugeführt werden sollen, und nach Aufstellung der Zahlen, welche sich auf die Viehhaltung beziehen, ist zu erläutern, in welcher Form die Nährstoffe, ob als Stalldünger oder als Hilfsdünger, zu geben sind. Auf Grund der Fruchtfolge ist zunächst zu kontrollieren, ob die vorhandenen Kräfte an Arbeitern, lebendem, totem Inventar und Geld ausreichen, und ob und welche Mittel anzuwenden sind, um die vorhandenen Kräfte mit der Fruchtfolge in Einklang zu bringen. Im Betriebsplan ist ferner auszusprechen, mit welchen Bar- und Futtermitteln die Tierhaltung und mit welchen Unterlagen die Tierzucht betrieben werden, welche Ziele zu erstreben und wie diese erreicht werden sollen. In Verbindung mit dem Betriebsplan hat zu stehen der Betriebsplan etwaniger landwirtschaftlicher Industrien.

Betriebssystem (Wirtschaftssystem, Landwirtschaftssystem, Ackerbausystem, Feldsystem). Der landwirtschaftliche Betrieb ist die Verwendung der produktiven Kräfte (Boden, Arbeit, Kapital) zum Zweck der Herstellung und eventuell des Absatzes landwirtschaftlicher Produkte. Die Organisation dieses Betriebes kann eine sehr verschiedene sein, man unterscheidet danach verschiedene Betriebssysteme. Die Betriebssysteme führen ihren Namen nach der Art des Ackerbaubetriebes, weil diese die Grundlage des Betriebes überhaupt ist und zunächst bei der Organisation des letztern festgestellt werden muß. Die hauptsächlichsten Unterscheidungsmerkmale derselben sind: 1) die Art der Fruchtfolge (Folge der Früchte nacheinander auf demselben Grundstück); 2) die Art der Feldeinteilung (Einteilung des landwirtschaftlichen Bodens in Ackerland und Grasland, des Ackerlandes in Pflugland und Brachland); 3) das Maß der Arbeits- und Kapitalverwendung auf gleicher Bodenfläche. Nach dem dritten Merkmal unterscheidet man extensive und intensive Betriebssysteme, je nachdem eine geringe oder große Arbeits- und Kapitalverwendung stattfindet; nach allen drei Merkmalen unterscheidet man als Hauptarten: die Brandwirtschaft, die wilde Feldgraswirtschaft, die Felder- oder Körnerwirtschaft, die geregelte Feldgras- oder Koppelwirtschaft, die Fruchtwechselwirtschaft, die freie Wirtschaft. Manche fügen dazu noch die Weidewirtschaft und die Wirtschaft mit technischen Nebengewerben.

1) Die Brandwirtschaft. Der Boden wird erst zum Ackerland hergerichtet durch ein Abbrennen der auf seiner Oberfläche, resp. in der obern Schicht befindlichen Hölzer oder Vegetabilien, die bisher die Verwendung zum Ackerbau nicht gestatteten. Die Asche dient als Dungmittel; durch den Brennprozeß selbst werden in der demselben unterworfenen Erde eine Reihe mineralischer Pflanzennährstoffe schneller, als es sonst geschehen wäre, löslich und für die nachfolgenden Feldgewächse sofort aufnehmbar gemacht, anderseits zerstört er aber auch organische Bodensubstanz, Humus. Diese Wirkung ist nur da unschädlich, wo, wie in Urwäldern, Humus in überreichem Maß vorhanden ist. Die Brandwirtschaft kommt in sehr verschiedener Weise vor. In dünn bevölkerten Urwaldgegenden ist sie häufig die erste (und allein mögliche) Art der landwirtschaftlichen Benutzung des Bodens. Ein Ausroden der Bäume ist nicht möglich; es fehlen die Arbeitskräfte, auch ist das Holz nicht absetzbar. Die Bäume sind nur ein Hindernis für die Bodenkultur. Man entfernt sie, indem man sie fällt und im folgenden Jahr verbrennt, oder indem man sie durch Abschälen der Rinde vertrocknen läßt und auf dem Stamm anzündet. Die Wurzeln und Stämme verfaulen allmählich. Nach dem Brennen wird die Asche ausgestreut, der Boden mit Pflug oder Karst umgerissen und dann gesäet. Das Brennen ist hier in der Regel nur eine einmalige Maßregel der Urbarmachung des Urwaldes. Der Ertrag hängt von der natürlichen Bodenfruchtbarkeit ab und kann,