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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Betriebssystem

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Betriebssystem (Fruchtwechselwirtschaft).

fiziert worden) liegt der Schwerpunkt der Wirtschaft in der Rindviehhaltung und zwar behufs Erzeugung der Butter. Die Hälfte des Ackerlandes wird dem Rindvieh zur Weide überlassen und außerdem ein erheblicher Teil der erzeugten Körner verfüttert. Verkauft werden von Ackerbauprodukten direkt wesentlich nur Weizen und Raps oder Rübsen. Die Zahl der Schläge variiert zwischen 7 und 11. Übliche Fruchtfolgen sind z. B.: 1) Brache, 2) Weizen oder Roggen, 3) Gerste, 4) Hafer mit Klee und Gras, 5) Mäheklee, 6-7) Weide, oder: 1) Brache, 2) Raps oder Rübsen, 3) Weizen oder Roggen, 4) Gerste, 5) Hafer mit Klee und Gras, 6) Mäheklee, 7-9) Weide, oder: 1) Brache, 2) Raps, 3) Weizen, 4) Gerste, 5) Erbsen, 6) Roggen oder Weizen, 7) Hafer, 8) Hafer mit Klee und Gras, 9) Mäheklee, 10-11) Weide. Bei der mecklenburgischen Koppelwirtschaft wird der Getreidebau mehr begünstigt, im übrigen ist die Zahl der Schläge, auch die Fruchtfolge in den einzelnen sehr verschieden. In der Regel werden Binnen- und Außenschläge unterschieden; wo dies der Fall, haben jene, die mehr in der Nähe des Wirtschaftshofs und auf besserm Boden liegen, eine andre Fruchtfolge (Rotation) als diese und dienen vorzugsweise, bisweilen ausschließlich der Produktion von Körnern, Wurzelgewächsen, Mäheklee, eventuell auch Handelsgewächsen. Die Außenschläge, entfernt gelegen, resp. auf schlechterm Boden, dienten früher fast ausschließlich zur Weide, heute wechselt auf ihnen eine mehrjährige Weidenutzung mit mehrjährigem Anbau von andern Gewächsen, namentlich Körnerfrüchten. In neuerer Zeit richtet man die Fruchtfolge auch nach dem Prinzip des Fruchtwechselsystems ein, z. B. 1) Brache, 2) Rübsen, 3) Weizen, 4) ½ Runkelrüben, ½ Kartoffeln, 5) Roggen, 6) ½ Erbsen, ½ Grünwicken, 7) Sommergetreide mit Klee und Gras, 8) Mäheklee, 9-10) Weide. Auf besserm Boden baut man zunächst eine Reihe von Jahren verschiedene Früchte möglichst so, daß nie zwei Getreidefrüchte aufeinander folgen, und benutzt ihn dann 1, 2, höchstens 3 Jahre als Weide. Auf schlechterm Boden baut man 2-3 Jahre Getreide, vielleicht auch Lupinen und Kartoffeln und benutzt ihn dann mindestens ebenso lange als Weide. Bei der Eggartenwirtschaft sind die Schläge kleiner, und die Grasnutzung und Viehhaltung werden begünstigt. - Die geregelte Feldgraswirtschaft ist zwar ein weniger extensives System als die reine Dreifelderwirtschaft, da hier alles Land unter den Pflug kommt, mehr Arbeit und Kapital (für Vieh, Stallungen, Scheunen) gebraucht werden; aber in ihrer einfachen Form gehört auch sie noch zu den extensiven Betriebssystemen. Sie gestattet aber auch einen intensiven Betrieb durch Beschränkung der Zahl der Weideschläge, Anbau von Wurzel- und Handelsgewächsen etc. Wesentlich ist diesem B. der Weidegang des Nutzrindviehs und bei Schafhaltung auch der Schafe im Sommer. Eine Sommerstallfütterung kommt nur bei Zugtieren, namentlich Zugpferden, vor. Die geregelte Feldgraswirtschaft eignet sich, abgesehen von gebirgigen Gegenden, wo klimatische und Bodenverhältnisse sie auch für kleinere Güter bedingen, nur für große Güter, weil sie eine größere Zahl von Schlägen erfordert und diese nicht so klein sein dürfen, daß die Beweidung schwierig wird. Für große Güter kann, wenn die Arbeitskräfte schwer zu erlangen oder teuer sind, wenn ungünstige klimatische Verhältnisse zur möglichsten Sparsamkeit mit Arbeitskräften im Sommer zwingen, wenn der wenig fruchtbare Boden eine schonende Benutzung verlangt, wenn das Kapital für eine intensivere Bewirtschaftung schwer zu erlangen, wenn eine ausgedehnte Schafhaltung angezeigt oder der Weidegang für das Rindvieh notwendig ist, die geregelte Feldgraswirtschaft vorteilhafter als die Fruchtwechselwirtschaft sein. Daher kommt es, daß sie noch heute auf rationell bewirtschafteten großen Gütern im nordöstlichen Deutschland das herrschende. B. ist.

5) Die Fruchtwechselwirtschaft ist dasjenige B., bei welchem in der Fruchtfolge ein regelmäßiger Wechsel zwischen bodenzehrenden und bodenschonenden Pflanzen (sogen. Fruchtwechsel) stattfindet (d. h. das Ackerland in regelmäßigem Wechsel das eine Jahr mit einer Halmfrucht, das andre Jahr mit einer Blattfrucht bestellt wird, allenfalls nur am Ende der Rotation zwei Halmfrüchte aufeinander folgen), aber nie mehr als die Hälfte des gesamten Ackerareals Halmfrüchte trägt. Arten von Fruchtwechsel sind längst vereinzelt in Übung gewesen, am bekanntesten ist von diesen Arten der im vorigen Jahrhundert in England, in der Grafschaft Norfolk, eingeführte sogen. Norfolker Fruchtwechsel, Einteilung des Ackerlandes in vier Felder, Fruchtfolge: 1) Wintergetreide, 2) Wurzelgewächse, 3) Sommergetreide, 4) Klee. Aber erst seit A. Thaer dem System die praktische und wissenschaftliche Begründung gegeben, fand dasselbe in Deutschland und in den übrigen Kulturländern seine große Verbreitung. Die Fruchtwechselwirtschaft beruht auf der Erkenntnis, daß die Pflanzen sich hinsichtlich ihrer Ernährung aus dem Boden in bodenzehrende und bodenschonende scheiden, indem die einen (Getreide-, Öl- und Gespinstpflanzen) ihre Nahrung wesentlich aus dem Boden und zwar aus der Ackerkrume, die andern (Blatt- und Wurzelgewächse, wie Klee, Hülsenfrüchte, Tabak, Möhren etc.) größtenteils aus der Luft, aus dem Wasser und aus dem Untergrund entnehmen, daß dabei die letztern (die bodenschonenden) bei dichtem Stande die Erdkrume gegen Austrocknung und Verschollung schützen, dazu vermöge ihrer röhrenförmig tief gehenden Wurzeln den Boden lockern und in einen für Getreideanbau günstigen Zustand bringen, daß somit durch eine passende Auswahl und Folge der Halm-, Blatt- und Wurzelgewächse in Verbindung mit einer zweckmäßigen (eventuell künstlichen) Düngung sich nicht nur die Brache völlig beseitigen, jedenfalls erheblich einschränken läßt, sondern auch ohne Grasland eine Wirtschaft mit starkem Viehstand bestehen kann. Bei der Fruchtwechselwirtschaft zeigt die Feldeinteilung kein Brachland (oder doch nur in einem sehr kleinen Umfang) und auf dem zum Ackerbau geeigneten Boden kein Grasland. Alles Ackerland ist unter dem Pflug, das Vieh wird auch im Sommer im Stall gefüttert. Die viel intensivere Bodenbearbeitung und die Düngung (Stallmist und künstliche Düngung) werden der jeweilig anzubauenden Frucht entsprechend vorgenommen. Die Fruchtfolge ist ein Fruchtwechsel, bei welchem unter Berücksichtigung aller für den Roh- und Reinertrag maßgebenden Verhältnisse, insbesondere auch der wechselnden Absatzverhältnisse, die einzelnen Fruchtarten durch den Landwirt bestimmt werden. Das System ist ein intensives, es erfordert ein viel größeres Kapital und viel mehr Arbeitskräfte als die bisher erwähnten. Die Vorzüge der Fruchtwechselwirtschaft sind: sie gestattet die gänzliche oder doch erhebliche Einschränkung der Brache; sie ermöglicht durch den Fruchtwechsel die vollständige und gleichmäßige Ausnutzung der Bodenkräfte in der Ackerkrume wie im Untergrund; der Fruchtwechsel hält den Boden locker, unkrautfrei und verlangsamt die Verflüchtigung des Humus; man kann den Pflanzenbau im einzelnen den Verhältnissen des Bodens, Klimas, Absatzes etc.