Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Bewässerung

858

Bewässerung (Nutzen der B.; verschiedene Systeme).

Wässerungsvorstandes gestellt. Im J. 1743 legte R. Jennings bei Howden York die ersten Überschlämmungswiesen an.

Aus Deutschland datieren als die ersten Kunstbauten die etwa um 1750 von Bürgermeister Dresler angelegten Rückenbauten im Siegenschen, die noch gegenwärtig als Muster dienen. 1765 gab Bertrand, Pfarrer zu Orbe, schon ein besonderes Werk: "Die Kunst, die Wiesen zu bewässern", heraus, versehen mit vollständigen Plänen über Hangbauten. Die Anlage der Gräben jeder Art, die der Abteilungen und der Sammelgräben, die Wasserproben, Wasserräder, Maß und Größe der Wässerung, die Bodenvorbereitung, der Umbau u. dgl. finden sich darin schon nach festen Regeln beschrieben. Zu Anfang unsers Jahrhunderts fand mit der Begründung der rationellen Landwirtschaft auch der Wiesenbau mehr Beachtung, und es erschienen vortreffliche Beschreibungen der lombardischen Anlagen von Wittmann und Burger und der Siegener Wiesen von Schenk, Keller, Vorländer u. a. Es gingen jedoch damals wie zum Teil noch heute die Ansichten über das Wesen der Wiesenbewässerung weit auseinander. Man hatte die außerordentlichen Erfolge guter Rieselwiesen beobachtet und glaubte, daß das Wasser allein zum gedeihlichen Wachstum der Gräser genüge. Man wußte, daß in allen Gewässern gelöste und suspendierte Stoffe sich finden, welche den Pflanzen zur Nahrung dienen, und meinte, daß selbst die stärksten Ernten durch Zufuhr von Wasser in genügender Menge dauernd zu erzielen seien. Es sind aber nicht alle Gewässer reich an derartigen Stoffen, nicht alle enthalten sämtliche den Pflanzen wichtige Nahrungsmittel, und die Zeit, in welcher das Wasser über eine Wiese rieseln kann, genügt nicht, um während derselben dem Wasser die erforderlichen Mengen von Nahrungsmitteln zu entziehen. Die höchst bedeutungsvollen Absorptionsthätigkeiten in der Bodenkrume, erst durch Liebig in helles Licht gestellt, haben uns hinreichend darüber belehrt, daß die Krume jedem Wasser gerade die wichtigsten Nährstoffe entzieht und diese zurückhält, daß also das Wasser daran relativ arm sein muß, und daß die mitgeführten Schlammteile (Schlick- oder Mineralfragmente) weit wichtiger als die gelösten Stoffe sind. Damit mußte die Lehre von der B. in ein völlig andres Stadium treten. Vordem glaubte man, daß die Hauptaufgabe des Wiesenbaues darin zu suchen sei, der Wiese möglichst viel Wasser zuzuführen, und Vincent lehrte z. B., daß in Nord-Deutschland pro Hektar und Sekunde im Mittel 90 Lit. Wasser erforderlich seien. Andre Techniker, wie z. B. Dünkelberg, halten im Durchschnitt 35 L. für angemessen. Vielfach kam man auch zu der Erkenntnis, daß das Wasser allein nicht genügt, sondern daß auch kräftig gedüngt werden muß, sobald das Wasser nicht reich genug an Schlick und gelösten Stoffen ist. Man legt stets hohen Wert auf die wiederholte Benutzung des Wassers, weil dadurch an Quantität gespart und also solche Anlagen auch da gemacht werden konnten, wo Wasser nicht im Überfluß zu Gebote stand. Jedoch ist hierbei zu berücksichtigen, daß beim Rieseln durch den Widerstand, welchen die Halme leisten, sehr bald der Schlick zu Boden fällt und also das entfernter von dem Zufluß rieselnde Wasser minder wirksam sein muß. Früher führte man massenhaft Wasser zu und schuf nicht selten wahre Sümpfe, jetzt reguliert man den Zufluß und nach Maßgabe desselben auch den Abfluß weit sorgsamer und zieht unter Umständen die bloße Befeuchtung der Feuchthaltung vor. Früher hielt man auf reichlich genug mit Wasser gespeisten Wiesen die Düngung für entbehrlich, jetzt düngt man, wie die Lombarden und Siegener von jeher gethan, selbst da, wo reichlich Wasser vorhanden ist, sobald man beobachtet, daß man nicht im stande ist, die Wiese schwarz zu wässern, d. h. ihr so viel Schlamm durch das Wasser zuzuführen, daß man der Düngung, um höchste Quantitäten und beste Qualitäten an Futter zu erzielen, entbehren kann. Selbstverständlich verzichtet man damit nicht darauf, die von der Natur unentgeltlich gelieferten Pflanzennahrungsstoffe den Gewässern nach Möglichkeit zu entziehen, um sie in Form des geernteten Heues in der Wirtschaft zu verwerten; man wird da, wo diese Vorräte nachweisbar genügen, nicht zum Zukauf von Dungmitteln raten können und da, wo das Wasser den Transport von Pflanzennährstoffen übernimmt, nicht den Düngerwagen in Anspruch nehmen.

Den Nutzen der B. erkennt man in der Zufuhr von Nährstoffen, soweit solche vorhanden und absorbierbar sind, in der Verteilung dieser und der künstlich dazu gegebenen Dungmittel, in der Aufschließung der im Boden vorhandenen Pflanzennahrung, in der Absorption nützlicher Gase aus der Luft, wodurch der Ernährungsprozeß im Boden begünstigt wird, in der Regulierung der Temperatur (in frosthellen Nächten Schutz gegen Erfrieren, an heißen Tagen Schutz gegen Vertrocknen), in der Entfernung schädlicher Stoffe aus dem Boden (Säuren, Eisensalze etc.), in der Vertilgung von Ungeziefer, in der direkten Zufuhr von Wasser, welches die Wiesenpflanzen in großer Menge brauchen. Die Menge des Wassers hängt ab vom Klima in Bezug auf Regenfall, Verdunstungsfähigkeit und Wassergehalt der Luft, von der Jahreszeit, von dem Boden (Porosität, Bindigkeit, Reichtum, Vorherrschen von Humus- oder Mineralstoffen), von der Beschaffenheit des Wassers, von dem Gefälle, von der Ausdehnung der Fläche, von der Möglichkeit etwaniger Wiederbenutzung, von der Möglichkeit des Wiederabfließens, also von der Durchlässigkeit des Bodens, resp. den Entwässerungsanlagen, und endlich von der Art der Bewässerungsanlage. Die Güte des Wassers ist bedingt durch dessen Ursprung und abhängig von dem Reichtum desselben an Nährstoffen und von der Temperatur. Quellwasser ist in der Regel zu kalt und zu arm, kann aber durch längere Leitung nach beiden Richtungen bin verbessert werden. Im Siegenschen entströmen die Quellen meistens einem an Nährstoffen sehr reichen und leicht verwitternden Gebirge (Schalstein, Lahnphosphorite). Das Wasser der Bäche und Flüsse ist um so besser, je länger deren Lauf war, und je mehr sie Gehöfte und Ortschaften berührten. Absolut schädlich ist das Wasser aus Torfstichen und Sümpfen, besonders aber das aus Fabriken; Pochwerken und Wäschereien mit schädlichen Substanzen gespeiste sowie solches, welches nachteilige Salze aufgenommen hat. Das aus Waldungen kommende Wasser ist meistens arm an Nährstoffen, welche es im Durchsickern durch die Humusschicht verliert, und nicht selten mit schädlichen Substanzen versehen, z. B. reich an Gerbsäure u. dgl. Das Wasser aus Teichen ist meistens zu arm an Schlick. Längere Leitung (Erwärmung) und Einwerfen von Dungstoffen können zu kaltes und zu armes Wasser verbessern; das mit schädlichen Substanzen versetzte ist nur schwer korrigierbar oder gar nicht zu brauchen.

Verschiedene Bewässerungssysteme.

Nach der Art der Benutzung unterscheidet man in der B. verschiedene Systeme, welche je nach lokalen Verhältnissen anwendbar sind und oft miteinander