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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Bezetten; Béziers; Bezifferung; Bézigue; Bezirk; Bezirkskommando; Bezjaken; Bezkij; Bezoar

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Bezetten - Bezoar.

zu Hidja in der Tolnaer Gespanschaft, wohin er übergesiedelt war.

Bezetten (Schminkläppchen, Tournesollappen, Färbelappen), Leinwandlappen, welche mit dem Safte der Blüten und Früchte von Crozophora tinctoria getränkt und über faulendem, mit etwas gebranntem Kalk versetztem Harn aufgehängt, dann abermals mit Saft, welchem etwas Harn beigemengt wurde, getränkt und im Freien getrocknet sind. Unter dem Einfluß des Ammoniaks bildet sich ein roter Farbstoff, welcher den Lappen reichlich, aber lose anhaftet. Man benutzt die B. zum Schminken, zum Färben von Backwerk, Likören, Gelees und namentlich in Holland zum Färben des Käses. Vielfach kommen auch mit Kochenille, Pernambukholz oder Anilinrot gefärbte B. vor.

Béziers (spr. bēsjē), Arrondissementshauptstadt im franz. Departement Hérault, am Orb, dem Canal du Midi und an der Südbahn, 69 m ü. M., in herrlicher Lage über einem gartenähnlichen Thal voller Öl- und Maulbeerbäume, Weingärten, Obst- und Gemüsepflanzungen und lieblicher Landhäuser; daher das Sprichwort: "Si Deus in terris, vellet habitare Beterris" ("Wäre Gott auf Erden, so würde er in B. wohnen wollen"). Der Canal du Midi ist über den Orb in einem schönen Aquädukt geführt; 1 km von B. befindet sich die Schleuse von Fonseranne, welche aus acht Etagen besteht, und mittels welcher der Kanal eine Niveaudifferenz von 25 m überwindet. Dem Erbauer dieses Kanals, Riquet, wurde 1838 auf dem Citadellenplatz eine Bronzestatue (von David d'Angers) errichtet. Über den Orb führt außerdem eine 245 m lange steinerne Brücke aus dem 14. Jahrh. Die Stadt hat eine gotische (ehemalige) Kathedrale, Altertümer aus römischer und vorrömischer Zeit, ein Collège, eine Bibliothek, ein Museum und zählt (1881) 41,249 Einw. In der Umgegend werden gute rote Tischweine gebaut; außerdem fabriziert man sehr viel und sehr geschätzten Branntwein und Likör und treibt damit wie mit Getreide, Vieh und Leder ansehnlichen Handel. Die Stadt ist Sitz eines Gerichtshofs und eines Handelsgerichts. Vom 5. Jahrh. bis 1801 residierte hier ein Bischof. B. ist das Beterrae (Julia Biterra Septimanorum) der Römer, das Julius Cäsar durch seine Soldaten (7. Legion) bevölkerte und dadurch erst emporbrachte. Anfang des 13. Jahrh. in höchster Blüte und Hauptsitz der Albigenser, wurde die Stadt 1209 zerstört, die Bevölkerung niedergehauen. Ähnliche Szenen wiederholten sich im 16. und 17. Jahrh. In B. wurden Kirchenversammlungen 356 gegen die Arianer, 1233 und 1255 gegen die Albigenser abgehalten. Vgl. Sabatier, Histoire de la ville et des évêques de B. (Béziers 1854).

Bezifferung, s. Generalbaß.

Bézigue, s. Bésigue.

Bezirk, Unterabteilung des Staatsgebiets, welche einer gewissen Behörde unterstellt ist. So spricht man z. B. von dem Jurisdiktionsbezirk eines Gerichts, von dem Amtsbezirk einer Verwaltungsbehörde u. dgl. Zum Zweck der innern Verwaltung insbesondere sind verschiedene Staaten in Bezirke eingeteilt, während in andern Staaten dafür die offizielle Bezeichnung "Kreis" besteht. Die bayrischen Kreise (Regierungsbezirke) dagegen bezeichnen die Provinzen des Landes. Sie zerfallen in Verwaltungsdistrikte, welche Bezirksämtern unterstellt sind. In Sachsen bildet jede Amtshauptmannschaft einen Bezirksverband, dessen kommunale Gesamtinteressen durch die Bezirksversammlung vertreten werden, welch letztere wiederum den Bezirksausschuß wählt. Ebenso bestehen in Baden Bezirke mit Bezirksämtern, in Weimar mit Bezirksdirektoren, während die Vertretung der entsprechenden Kommunalverbände dem Bezirksrat, resp. dem Bezirksausschuß obliegt. In Preußen zerfallen die Provinzen in Regierungsbezirke mit Bezirksregierungen, für welche ein Bezirksrat die gemeinsamen kommunalen Interessen vertritt. Für jeden Regierungsbezirk und für den Berliner Stadtkreis besteht ein Bezirksverwaltungsgericht (s. Verwaltung). In militärischer Hinsicht wird das deutsche Reichsgebiet in 17 Armeekorpsbezirke eingeteilt. Jeder Armeekorpsbezirk bildet einen besondern Ersatzbezirk; das Großherzogtum Hessen bildet einen Ersatzbezirk für sich. Jeder Ersatzbezirk zerfällt in vier, das Großherzogtum Hessen in zwei Infanteriebrigadebezirke. Jeder Infanteriebrigadebezirk besteht aus den Bezirken der zugehörigen Landwehrbataillone. An der Spitze der Militärverwaltung des Landwehrbataillons steht das Bezirkskommando mit dem Bezirkskommandeur und mit dem nötigen Personal und Unterpersonal, insbesondere den Bezirksfeldwebeln. Die Landwehrbataillonsbezirke zerfallen in Aushebungsbezirke (in der Regel den Kreisen entsprechend) und diese letztern nötigen Falls in Musterungsbezirke.

Bezirkskommando, die einem Militärbezirk vorstehende, zur Kontrolle der Wehrpflichtigen und zur Leitung der Aushebungsgeschäfte dienende Behörde, in Deutschland auch Landwehrbezirkskommando genannt. Deutschland hat einen Reservelandwehr-Regimentsbezirk (Berlin) mit 4, 2 dergleichen (Breslau und Köln) mit je 2 Bataillonsbezirken, 13 selbständige Reservelandwehr- und 259 Landwehrbataillonsbezirke, nach dem betreffenden Linientruppenteil benannt. An der Spitze des Bezirkskommandos steht ein Stabsoffizier, ausnahmsweise ein Hauptmann. In Österreich bestehen zu ähnlichem Zweck 102 Ergänzungsbezirkskommandos. Vgl. Ersatzwesen.

Bezjaken ("Tölpel"), früher Name südslaw. Stämme, jetzt als Spottname für die Kroaten um Agram gebräuchlich. In der Grafschaft Görz nennt sich die italienisch redende Bevölkerung am untern Isonzo Bizjaki.

Bezkij, Iwan Iwanowitsch, natürlicher Sohn des Fürsten Iwan Turjewitsch Trubezkoi, geb. 1701 zu Stockholm, verweilte in der Jugend längere Zeit im Ausland und spielte als Kunstkenner am Hof Katharinas II. eine große Rolle. Nach seinen Entwürfen wurden (1764) in Petersburg das Erziehungshaus für adlige Fräulein und in Moskau und Petersburg (1764 und 1770) die Findelhäuser errichtet; auch überwachte er die Anfertigung des berühmten Falconetschen Denkmals, welches Katharina II. Peter d. Gr. errichten ließ. B. starb 1795. Nach einer noch heute in manchen russischen Kreisen festgehaltenen Tradition soll B. der Vater Katharinas gewesen sein.

Bezoar (Bezaar, v. arab. Badesar, "Gegengift"), krankhafte Konkretionen, die sich in dem Magen, zumal dem Pansen, einiger Wiederkäuer erzeugen. Der orientalische oder morgenländische B. bildet erbsen- bis faustgroße Massen, ist außen glänzend grünlichbraun, innen heller, geruch- und geschmacklos, besteht aus dünnen, konzentrischen Lagen, findet sich in den Gedärmen der wilden Ziege (Capra Aegagrus Gm.) und mehrerer Antilopenarten, ist flüchtig, in Ätzkali löslich, in Wasser, Alkohol und Chlorwasserstoffsäure unlöslich und besteht wesentlich aus Lithofellinsäure. Der occidentalische oder