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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Bhilsa; Bhima; Bhopal; Bhot; Bhrigu; Bhudsch; Bhûta

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Bhilsa - Bhûta.

174 cm, Arm nicht so lang als beim Hindu, Kopf leicht dolichokephal, Gesicht durch vorstehende Backenknochen gekennzeichnet. Mund groß, Lippe dick und wollüstig, Zähne stark, Nasensattel tief, Nase selbst breit und dick, Haar schwarz, gerade und lang, Bart stark entwickelt. Früher Herren der Ebene, sind sie schon von den ersten Ariern (vor Christi Geburt) zurückgedrängt worden und wurden mit Stiftung der südlichen Radschputenherrschaften im 10. u. 11. Jahrh. noch weiter eingedämmt. Von den Hindu als unrein gemieden, ja wie ein wildes Tier gehetzt, flüchtet der B. in der Ebene vor dem Menschen, zeigt aber Mut in seinen Bergen, deren natürliche Verteidigungsmittel er vortrefflich auszunutzen versteht. In den Verkehr gezogen, z. B. als Rekrut der englisch-indischen Armee, zeigt sich der B. der Kultur nicht unzugänglich; er nimmt sofort Kaste wie Hindureligion an, hebt sich dadurch gesellschaftlich und wirtschaftlich. In ihrer Heimat leben die B. in ärmlichen, schmutzigen Hütten; langes Wams und ein dickes Tuch um den Kopf bilden bei Männern, Rock und Gürtel bei Frauen den Anzug. Jeder B. lebt in Polygamie; die Frauen leben züchtig, verlassen aber den Mann, wenn ihn körperliches Gebrechen befällt. Die Religion ist Geisterdienst. Nahrungsquellen sind Jagd, wobei man Bogen und Pfeil gebraucht, dann Ackerbau. Die B. sind die einzigen unter den indischen Aboriginern, die sich Häuptlinge geben; deshalb sind auch ihre Verwüstungen des Kulturlandes schwerer, und eine Reihe von Expeditionen fand gegen sie statt, zuletzt 1883 in Zentralindien (Ali Radschpur). Die Gesamtzahl aller B. summiert sich zu 2-3 Mill.; ihre Zählung erwies sich 1881 unmöglich. Vgl. E. Schlagintweit, Indien (Leipz. 1881).

Bhilsa (Vidiçâ), Stadt im britisch-ostind. Vasallenstaat Gwalior, rechts an der Betwa, mit (1880) 7070 Einw., die vorzüglichen Tabak bauen. Der Ort ist berühmt geworden wegen der zahlreichen Ruinen buddhistischer Denkmäler und Inschriften in seiner Umgebung, unter denen besonders jene zu Santschi, einem ehemaligen ausgedehnten buddhistischen Kloster, ganz neue Aufschlüsse über den Zustand Indiens in der damaligen Zeit gewährte. Vgl. A. Cunningham, The B. topes (Lond. 1854); E. Schlagintweit, Indien (Leipz. 1881).

Bhima, Nebenfluß der Krischna (Kistna) im mittlern Ostindien, entspringt auf dem Ostabhang der Westghats, 59 km von Puna, bewässert, nach SO. fließend, die Distrikte Puna, Ahmednagar und Scholapur und mündet nach einem Laufe von 594 km. Die Eisenbahn von Bombay nach Madras zieht in einiger Entfernung vom Fluß.

Bhopal (Bopaul), Vasallenstaat der Briten in Ostindien, in Malwa, südlich von den Sindiastaaten, umfaßt 17,796 qkm (323 QM.) mit (1881) 954,901 Einw. Das Land wird von dem Windhyagebirge durchzogen und bildet zum größten Teil eine Hochebene, die bis zu 800 m Höhe ansteigt; der südliche Teil reicht in das Narbadathal. Hauptfluß des Landes ist die Betwa. Die Eisenbahn von Bombay nach Allahabad zieht längs der Südostgrenze des Staats und äußert bereits einen günstigen Einfluß auf die Verwertung der Produkte dieses fruchtbaren Landstrichs. Ein Statthalter der Großmoguls, Afghane seiner Herkunft nach, machte sich 1723 unabhängig und nahm den Titel Nawab an. 1755 riß ein Vetter des damaligen Regenten die Herrschaft an sich, und unter seinem Nachfolger Nasir Mohammed gewann im ersten Viertel des 19. Jahrh. ein Christ französischer Abkunft hervorragenden Einfluß. Derselbe führte alle Verhandlungen mit Britisch-Indien und wußte seinen Nachkommen große Besitzungen zu hinterlassen. Sie blieben Christen, vermischten sich jedoch durch Heirat mit den Eingebornen; sie wuchsen mit ihren Angehörigen zu einer Kolonie von einigen Hundert Köpfen an, wurden zur Wahrnehmung der Seelsorge von der französischen Mission mit einem Geistlichen versehen und fanden es für vorteilhaft, sich Abkömmlinge der Bourbonen illegitimer Herkunft zu nennen und ihr Wappen anzunehmen. Die Regierung von B. führt schon in zweiter Generation eine Frau, zuerst 1818-68 die energische Sikander Begum, jetzt ihre Tochter Schah Dschehan. Ihre Gemahle spielen keine Rolle. Vgl. E. Schlagintweit, Indien (Leipz. 1881). -

Die gleichnamige Hauptstadt, an der Betwa, welche östlich davon in einem See entspringt, zählt (1881) 55,402 Einw. (27,517 Mohammedaner, 26,833 Hindu) und ist ein Hauptsitz des Islam, der Religion der Bhopalfürsten.

Bhot (Abschwächung vom tibet. Phod, "Können"), Name der Angehörigen des tibet. Volksstammes. Ihre Sitze sind Tibet oder die Länder zwischen den Gebirgen des Karakorum und Himalaja, östlich bis zum Yarlung, dem mächtigen Zufluß des Jantsekiang, dann im Himalaja Bhutan und Nepal. Mit Hindu vermischt, wobei jedoch das tibetische Blut vorwiegt, haben sie sich im westlichen Himalaja, in Kamaon und Garwhal festgesetzt. Bhutja ist indische Veränderung und Korruption der richtigen Form B.

Bhrigu, im Weda Bezeichnung einer Klasse von Halbgöttern, die das Feuer auffinden und dem Menschen bringen; nach andern Stellen bringt es Matâriçwan zu ihnen, und sie erzeugen es nach seinem Vorgang. Sie erscheinen auch als kunstreiche Wagenbauer und als Bekämpfer von Unholden. Vgl. A. Kuhn, Herabkunft des Feuers und des Göttertrankes (Berl. 1859), nach welchem die B. identisch mit den griechischen Phlegyern sind. B. ist außerdem der Name eines der vornehmsten brahmanischen Priestergeschlechter. In der spätern Hindulitteratur ist B. eine hochgepriesene mythologische Persönlichkeit, einer der sieben Weisen, Sohn von Brahma. Er belehrt und leitet zu richtigem, verdienstvollem, erfolgreichem Handeln an, verrichtet die größten Thaten und hat unter anderm den König Nahuscha gedemütigt, der die Brahmanen tyrannisierte, dann durch Bhrigus Fluch in eine Schlange verwandelt wurde, bis der Fluch durch Vermittelung des edlen Helden Yudhischthira wieder von ihm genommen ward.

Bhudsch, Hauptstadt des Tributstaats Katsch in der englisch-ostind. Präsidentschaft Bombay, mit (1881) 22,308 Einw., liegt 206 m ü. M. an einem befestigten Hügel und gewährt durch zahlreiche weiße Gebäude, Moscheen und Pagoden, untermischt mit Dattelpflanzungen, von N. her einen angenehmen Anblick.

Bhûta (eigentlich "das Gewordene"), ind. Bezeichnung der von den unkultivierten Völkern Südindiens verehrten Geister, die sowohl Naturgeister (Berg-, Tiefen-, Wassergeister etc.) als Geister verstorbener Menschen sind. Die Götzenbilder haben die Gestalt eines Schweins, eines Hahns oder eines Menschen in seltsamer Kleidung mit einem großen Schwert. Auch Eber, Büffel, Tiger, also Tiere, die den Saaten gefährlich sind, finden sich in den Bhûtentempeln. Opfer sind graue Schweine, schwarze Ziegenböcke und schwarze Hühner. Der Kultus besteht in wilden Tänzen unter Trommelschall, Schellengeklirr und Schwerterrasseln, bis der Priester im Zustand der Besessenheit Orakel erteilt, ähnlich wie beim nordasiatischen Schamanismus.