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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Biberbaum - Bibesco.

überließen, in deren Besitz es bis zum Westfälischen Frieden blieb. Im spanischen Erbfolgekrieg ward es wieder von den Bayern und 1707 von den Franzosen erobert. Am 2. Okt. 1796 kam es hier zu einer Schlacht zwischen den sich zurückziehenden Franzosen unter Moreau und den sie verfolgenden Österreichern unter Latour, in welcher diese unterlagen. Auch in dem Gefecht vom 9. Mai 1800 zwischen den Österreichern und Bayern unter General Cray und den Franzosen unter Saint-Cyr blieben die letztern Sieger. Durch den Lüneviller Frieden kam B. an Baden und 1806 an Württemberg.

Biberbaum, s. Magnolia.

Biberfelle kommen hauptsächlich aus Kanada und Alaska, die schönsten von der Labradorküste in den Handel. Die Ströme der Felsengebirge liefern hellfarbige, häufig fast weiße Felle. Bei der Zubereitung wird das braune, grobe Oberhaar entfernt, so daß nur die dichte, feine, graublaue Grundwolle stehen bleibt. In dieser Form ist das Pelzwerk in Rußland, Deutschland und China sehr beliebt. Früher benutzte man Biberhaare hauptsächlich zu Hüten, und erst seitdem diese durch die Seidenhüte verdrängt worden sind (1830), haben die Felle als Pelzwerk Bedeutung gewonnen. Die jährliche Ausbeute beträgt etwa 160,000 Stück.

Biberfluß, s. Churchill.

Bibergeil (Castoreum), eine eigentümliche Substanz, welche in zwei beim männlichen und weiblichen Biber zwischen den Geschlechtsteilen und dem After befindlichen, von einer vierfachen Haut gebildeten Drüsensäcken oder Beuteln abgesondert wird. Diese Kastorsäcke sind von birnförmiger Gestalt, etwa 7 cm lang und 4,5 cm breit und hängen mit den dünnen Enden aneinander. Im Handel unterscheidet man das sibirische oder russische B. von den Bibern der Alten Welt, namentlich den sibirischen, und das kanadische, welches die Biber der Neuen Welt, besonders die um die Hudsonbai wohnenden, liefern. Die russischen Kastorbeutel sind im Rauch getrocknet, dunkelbraun und 60-250 g schwer, nicht runzelig und eingeschrumpft, und der Inhalt bildet eine braune, glanzlose, zerreibliche, stark riechende Masse. Das deutsche B., von den in Deutschland sporadisch lebenden Bibern gesammelt, steht an Güte dem sibirischen sehr nahe. Die kanadischen Kastorbeutel sind kleiner, die äußern Häute lassen sich weniger leicht abziehen, und der Inhalt ist gelblichbraun oder bräunlichschwarz, zuweilen dickflüssig, meist aber erhärtet, dann auf dem Bruch harzartig glänzend oder erdigmatt; Geruch und Geschmack sind meist schwächer und widriger als beim sibirischen; auch steht es an Wirksamkeit dem letztern nach. Dies kanadische B. ist jetzt allein noch offiziell. Das Castoreum wirkt beruhigend, krampfstillend und belebend und wird schon seit den ältesten Zeiten benutzt. Hauptsächlich braucht man es bei Hysterie, Kardialgie und Typhus. Das B. ist als eine Schmiere zu betrachten, welche beim Männchen durch die gefäßreiche Vorhaut, beim Weibchen durch die Klitoris abgesondert und in die Drüsensäcke entleert wird. Charakteristische Bestandteile sind ein ätherisches Öl, Harz, eigentümlich kristallisierbares Fett, Salicin (Bitterstoff der Weidenrinde) und daraus sich bildende salicylige Säure, deren Gegenwart durch die vornehmlich aus Rinden bestehende Nahrung des Tiers erklärlich wird.

Biberindianer, ein zur Familie der Athabasken (s. d.) gehörendes Indianervolk in Nordamerika, südwestlich vom Athabascasee am Friedensfluß wohnend. Vgl. Indianer.

Biberklee, s. Menyanthes.

Biberkraut, s. Erythraea.

Bibernell, s. Pimpinella; falsche oder welsche, s. v. w. Poterium Sanguisorba L., auch bisweilen s. v. w. Sanguisorba officinalis L.

Biberseehunde, s. Pelzseehunde.

Bibesco, 1) Barbo-Demetrius, bekannt unter dem Namen Fürst Stirbey, geb. 1801, hieß eigentlich Demetrius Bibesco und wurde von einem mütterlichen Großoheim, Barbo Stirbey, zum Erben eingesetzt unter der Bedingung, daß er dessen Namen annehme. Er ging 1817 zum Zweck seiner Studien nach Paris, kehrte 1821 in die Walachei zurück, nahm an dem eben damals ausbrechenden Aufstand des Fürsten Alexander Ypsilanti teil und war ein thätiges Mitglied der griechischen Hetärie. Unter der russischen provisorischen Verwaltung übernahm er das Departement des Innern, half die noch durch den Grafen Kisselew eingeführte neue Verfassung, das sogen. organische Reglement, ausarbeiten und leitete unter dem Hospodar A. Ghika einige Jahre das Justizdepartement. Während der Regierung seines Bruders Georg (s. unten) übernahm er 1844 das Departement des Innern, zog sich 1847 wieder ins Privatleben zurück, wurde aber 1849, nachdem die russisch-türkischen Truppen die Revolution unterdrückt hatten, von dem Sultan zum Hospodar der Walachei ernannt. Er verstand es, durch eine treffliche Verwaltung Ordnung im Land herzustellen, den Finanzen aufzuhelfen, das Unterrichtswesen zu verbessern. Beim Ausbruch des orientalischen Kriegs verließ er, als die Russen in die Walachei einmarschierten, Bukarest und begab sich nach Wien. Nach dem Abzug der Russen kehrte er 1854 wieder zurück und führte sein Amt bis zum 7. Juli 1856 fort. In dieser Zeit bereitete er die Errichtung einer Nationalbank und den Bau von Eisenbahnen vor und suchte durch diplomatische Noten und Denkschriften die europäischen Großmächte für die Vereinigung der Fürstentümer unter einem auswärtigen Prinzen zu interessieren. Nachdem er 1856 seine Stelle niedergelegt hatte, wurde er mit seinem Bruder 1857 in den Diwan gewählt und stimmte als der erste für die Union. Darauf hielt er sich abwechselnd in Paris und Nizza auf und starb 13. April 1869 in letzterer Stadt.

2) Georg, Hospodar der Walachei, geb. 1804, Bruder des vorigen, machte seine Studien in Paris 1817-1824, war während der provisorischen Regierung des russischen Grafen Kisselew Unterstaatssekretär im Justizdepartement, gab aber 1834, als Fürst Alexander Ghika von den Schutzmächten zum Hospodar der Walachei ernannt wurde, den Staatsdienst auf, um mehrere Jahre in Paris und in Wien zuzubringen. Bei seiner Rückkehr 1841 in den Landtag gewählt, machte er der von Konstantinopel und von Petersburg vollständig beeinflußten Regierung Ghikas entschiedene Opposition und trug sehr viel zum Sturz derselben bei. Im Dezember 1842 wurde B. zum Hospodar gewählt und im Januar 1843 von der Pforte bestätigt. Das Land machte unter seiner Regierung unverkennbare Fortschritte, besonders in den Gebieten des Verkehrs und des Handels, empfand aber immer schmerzlicher den Druck des russischen Einflusses, dem sich B. ganz unterordnete. Da er in seiner Vorliebe für französische Bildung so weit ging, 1847 durch eine Verfügung in Gymnasien und andern höhern Lehranstalten an Stelle der rumänischen Sprache, welche er verbot, die französische einzuführen, so bildete sich gegen ihn eine nationale Opposition, an deren Spitze Golesco, die beiden Bratiano, Rosetti u. a. standen, welche Los-^[folgende Seite]