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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Bibliomantie; Bibliophil; Bibliophile Jacob; Bibliopöie; Bibliopola; Bibliothek

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Bibliomantie - Bibliothek.

Lewis, Payne) herrührende Einbände sehr gesucht. Selbst der Schnitt der Bücher ist oft mit den saubersten Gemälden verziert. Auch durch Sonderbarkeiten andrer Art suchte man bisweilen den Einbänden einen eigentümlichen Wert zu geben. Der Buchhändler Jessery zu London ließ Fox' Geschichte Jakobs II. mit Anspielung auf den Namen des Verfassers in Fuchsleder (fox-skin), und der bekannte englische Biblioman Askew ein Buch sogar in Menschenhaut binden. Auch die Göttinger Universitätsbibliothek besitzt eine Ausgabe des Hippokrates, in Menschenhaut gebunden. Bei der Versteigerung der Bibliothek des Herzogs von Roxburghe zu London 1812 ging ein Exemplar der ersten, bei Valdarfer 1472 erschienenen Ausgabe des Boccaccio um 2260 Pfd. Sterl. weg, und es bildete sich ein besonderer Bibliomanenklub, der sogen. Roxburghe Club, der sich jährlich 13. Juli, dem Jahrestag des Verkaufs des Boccaccio, in der St. Alban's Tavern versammelte. England ist seitdem der Hauptsitz der B. geblieben, und der Preis, den man für einzelne kostbare und seltene Werke zahlt, ist ins Unglaubliche gestiegen. So wurden bei Versteigerung der großartigen Syston-Bibliothek zu London im Dezember 1884 eine sogen. Mazarinbibel, das erste aus der Buchdruckpresse Gutenbergs (1455) hervorgegangene Buch, mit 3900 Pfd. Sterl. und ein Pergamentexemplar des seltenen "Psalmorum codex" (1459 von Fust und Schöffer gedruckt) sogar mit 4950 Pfd. Sterl. erstanden. Eine Nachbildung des oben genannten Roxburghe Club ist unter andern die Société des bibliophiles français in Paris (seit 1820), welche durch die gewöhnlich nicht in den Buchhandel kommenden Abdrücke alter Druckseltenheiten oder Handschriften, die sie veranstaltet, der litterarischen Raritätensucht neue Nahrung gibt. In England treten auch oft Gesellschaften zusammen, welche auf ihre Kosten irgend ein Werk in wenigen Prachtexemplaren drucken lassen, oder ein Einzelner läßt aus Liebhaberei von einem solchen Prachtwerke nur ein einziges Exemplar mit ungeheurem Aufwand abdrucken, um es allein zu besitzen. Neuerlich hat die B. in England eine Richtung eingeschlagen, welche der Wissenschaft mehr förderlich ist. So haben die Camden Society (seit 1837), die Percy Society, Shakespeare Society, Historical Society, Aelfric Society, die Early English Text Society und der Spalding Club zu Aberdeen (seit 1839) für die ältere englische Litteratur sehr Ersprießliches geleistet. - Der natürliche Gegensatz von B. würde Bibliophobie ("Bücherscheu") sein, doch hat sich dieses Ausdrucks nur Dibdin (s. d.) bedient, um den Widerwillen des Zeitalters gegen Litteratur und Büchererwerb zu bezeichnen.

Bibliomantie (griech.), Wahrsagung aus aufgeschlagenen Bücherstellen, wozu im Altertum der Homer, in den spätern Zeiten die "Äneide" (Sortes Virgilianae) und zuletzt, namentlich bei den Pietisten, die Bibel gebraucht wurde. Man nahm die Stelle, wo der Daumen beim Aufschlagen zu liegen kam, als Rat oder Auskunft erteilend an, wonach das Verfahren auch "Däumeln" heißt.

Bibliophil (griech.), Bücherfreund; Bibliophilie, Bücherliebhaberei (s. Bibliomanie).

Bibliophile Jacob, Pseudonym, s. Lacroix.

Bibliopöie (griech.), Schriftstellerei; auch Buchmacherei.

Bibliopola (griech.), Buchhändler.

Bibliothek (griech.), zunächst der Ort, wo Bücher aufbewahrt werden, dann auch die Sammlung der Bücher selbst (Liberei). Wesentlich ist dabei der Zweck der Aufbewahrung und Benutzung, wodurch sich eine B. von bloßen Bücherlagern unterscheidet. Es gibt und gab Bibliotheken im Privatbesitz (Privatbibliotheken) und solche zum öffentlichen Gebrauch (öffentliche Bibliotheken). Ihre Entstehung hängt immer mit einem hohen Bildungsgrad, reicher Litteraturentwickelung und bequemem Schreibmaterial zusammen. Die Geschichte der Bibliotheken geht in das frühste Altertum zurück. Bereits die alten Ägypter besaßen große Büchersammlungen, aus denen die Papyrusrollen (s. d.) auf uns gekommen sind, welche bis 1866 v. Chr. hinaufreichen. Auch die in den Ruinenstädten von Assyrien und Babylonien entdeckten Tafeln und Cylinder mit Schriftzeichen sind Überreste einer Art von Bibliotheken. Bei den Griechen finden sich zur Zeit der Freiheit nur wenige Spuren von Privatbibliotheken in den Nachrichten der klassischen Autoren, während über die erste öffentliche, von Pisistratos zu Athen angelegte Büchersammlung bedeutende Zweifel herrschen. Nach dem Untergang der Freiheit wurde die griechische Kultur in die Nachbarländer, nach Asien, Ägypten und Italien, verpflanzt, was die Gründung von Bibliotheken zur Folge hatte. Die bedeutendsten waren die beiden alexandrinischen Bibliotheken, von den Ptolemäern gestiftet, und die B. zu Pergamon, welche den pergamenischen Königen Entstehung und Wachstum verdankte (vgl. Parthey, Das alexandrinische Museum, Berl. 1838, und Ritschl, Die alexandrinischen Bibliotheken, Bresl. 1838). In Rom erwachte der Sinn für Büchersammlungen erst nach dem zweiten Punischen Krieg. Der erste Begründer einer öffentlichen B. war Asinius Pollio. Unter Augustus, der selbst die Oktaviana und dann die palatinische B. einrichtete, gehörte es zum guten Ton, eine B. im eignen Haus zu haben. Die Einrichtung eines römischen Bibliothekzimmers lehren teils Vitruv und Plinius, teils die in Herculaneum ausgegrabene B. kennen. Die Aufsicht war nur Freigelassenen anvertraut. Im 4. Jahrh. soll es in Rom 29 öffentliche Bibliotheken gegeben haben, die von den vornehmen Römern fleißig besucht wurden. Wichtig für die Bibliothekengeschichte des klassischen Altertums ist die Monographie von Th. Birt: "Das antike Buchwesen in seinem Verhältnis zur Litteratur" (Berl. 1882). Die Stürme der Völkerwanderung brachten den alten Bibliotheken Verderben. Im Mittelalter waren es die Mönche, welche die noch übrigen Denkmäler der heidnischen Litteratur erhielten; so z. B. in den Klöstern des Athos (vgl. Boltz, Die Bibliotheken der Klöster des Athos, Bonn 1881). Namentlich zeichneten sich die Benediktiner dadurch aus, daß ihre Ordensregel den Konventualen das Studium der Klassiker und das Kopieren von Handschriften zur Pflicht machte, um dem Müßiggang vorzubeugen. Namhafte Klosterbibliotheken befanden sich zu Monte Cassino, Korvei (in Westfalen), Fulda, wo Hrabanus Maurus Mönche als Schreiber beschäftigte, vor allem aber zu St. Gallen, wo Abt Gosbert (816-836) den Grund zu der berühmten B. legte, die alle damaligen Sammlungen übertraf. Im 14. Jahrh. hatte jedes Stift wenigstens ein Skriptorium, über welches der Armarius die Aufsicht führte; das Schreibmaterial lieferte der Camerarius oder Cellarius, die Auswahl der zu schreibenden Bücher besorgte der Abt, und die Bibliothekverwaltung lag ebenfalls dem Armarius ob. Das Aufleben der antiken Studien in der Zeit des Humanismus begünstigte den Sammeleifer. Gelehrte, wie Poggio, Philelphus, fingen an, Bücher zusammen-^[folgende Seite]