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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Bienen

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Bienen (Leben der Biene).

den La Plata-Staaten und Chile. Überall aber finden wir in Amerika die deutsche Biene, die schon seit längerer Zeit auch wild in den Wäldern lebt. In neuester Zeit hat man von Deutschland aus die italienische und ägyptische Biene nach Nordamerika gebracht. Nach Australien kam die Biene 1862 von England aus.

Leben der Biene. Der Bienenstaat.

Im normalen Zustand besteht ein Bienenvolk aus den Drohnen, der Königin (Weisel) und den Arbeitsbienen. Die Drohnen sind die Männchen. Ihr Leib ist kurz und dick, etwas kantig. Die facettierten Augen stoßen auf dem Scheitel aneinander, so daß die drei einfachen Augen auf die Stirn gedrängt sind. Die fadenförmigen, geknickten Fühler sind 14gliederig. Die bewegliche Oberlippe ist zottig behaart, der Oberkiefer doppelt gezahnt, und die Vorderflügel decken den Hinterleib. Die Königin ist das einzige vollkommene Weibchen im Volk. Sie ist die längste Biene und hat einen rundlich herzförmigen Kopf. Die facettierten Augen sind nur schmal und lassen auf dem Scheitel eine breite Stirn, auf welcher die drei einfachen Augen stehen. Die Fühler sind nur 13gliederig und die Oberkiefer nach hinten zu ausgehöhlt. Zwischen der Scheide und dem After liegt der Stachelapparat, der den Drohnen gänzlich fehlt. Die Arbeitsbiene ist das kleinste Wesen im Bienenvolk. Ihr Kopf ist beinahe dreieckig, aber oben etwas eingebogen. Die Stellung der Augen ist von der bei der Königin nicht verschieden, und die Fühler bestehen ebenfalls aus 13 Gliedern. Sie besitzt die am vollständigsten entwickelten Mundteile und an den Hinterbeinen den Sammelapparat. Die Außenfläche der Hinterschienen (Fig. 1 a) ist grubenartig eingedrückt, von einfachen Randborsten umstellt (Körbchen b) und dient zur Aufnahme des Blütenstaubes. Das erste Tarsalglied c ist vergrößert, länglich vierseitig und trägt auf der innern Seite zehn Querreihen brauner Haare (Bürste, Hechel d). Den Drohnen und Königinnen fehlen Körbchen und Bürste. Jede der letzten vier Bauchschuppen der Arbeitsbiene besteht aus zwei Querhälften; die vordere ist weich, durchscheinend, von hornigen Rändern eingefaßt und durch eine Hornleiste in zwei Seitenhälften geteilt; diese sogen. Spiegel werden als die Werkstätten der Wachsbereitung angesehen. Hebt man mit einer Nadel den hintern (äußern) Teil einer Bauchschuppe auf, so sieht man die Spiegel ganz deutlich. Den Drohnen fehlen die Spiegel ganz, und auch bei der Königin sind sie kaum vorhanden. Eierstöcke und Samentasche der Arbeitsbiene sind in hohem Grad verkümmert, sie besitzt aber einen Stachelapparat, zu welchem zunächst die Giftdrüse (Fig. 2 a) gehört, deren kurzer Gang das Gift in die Giftblase b führt. Durch einen kurzen Stiel gelangt das Gift in den Stechapparat, der aus der Stachelrinne c mit den beiden Stechborsten dd und zwei Stachelscheiden ee besteht und im Ruhezustand eingezogen wird. Die Verdauungswerkzeuge bilden einen häutigen Schlauch, der am Mund beginnt und sich bis zum After erstreckt; das vordere Ende bildet die Speiseröhre (Fig. 3 a), die sich zu der beutelförmigen Honigblase erweitert; an diese schließt sich der Mitteldarm oder Chylusmagen b, der sich zum Dünndarm verengert. Auf letztern folgt endlich der den Kot absondernde Hinterdarm c. Die umfangreichen Speicheldrüsen sondern den Speichel ab. In den Dünndarm münden die fadenförmigen Malpighischen Gefäße (s. Figur 3).

Ist die junge Königin in ihrem Volk zur Alleinherrschaft gelangt (s. Bienenzucht), so erwacht ihre Brunst, und sie fliegt in den schönsten Tagesstunden aus, um in der Luft eine Drohne aufzusuchen. Trifft sie auf diesen Brautausflügen nicht mit einer Drohne zusammen, so erstirbt die Brunst und wird nie wieder rege. Nach der Begattung verläßt die Königin, außer beim Schwärmen (s. Bienenzucht), ihren Stock nie wieder; Belustigungs- und Reinigungsausflüge hält sie nicht, sondern gibt ihren Unrat im Stock von sich. Im normalen Zustand des Volkes legt die Königin die Eier zu allen B. Sie besitzt aber das Vermögen, die Eier willkürlich mit dem bei der Begattung aufgenommenen Samen zu befruchten oder nicht; aus unbefruchteten Eiern entwickeln sich Drohnen, aus befruchteten weibliche B. Dies ist von Bedeutung, weil die Zellen der Männchen von denen der Weibchen verschieden sind und Männchen nur zu einer gewissen Zeit (Mai bis Juli) erbrütet werden. Unbegattet gebliebene Königinnen legen, sobald ihre Brunst erloschen ist, auch Eier; ebenso setzen einzelne Arbeitsbienen, wenn das Volk längere Zeit hindurch ohne Königin lebte, Eier ab; alle diese Eier sind lebensfähig, entwickeln sich aber ausnahmslos zu Männchen, die wieder im stande sind, eine Königin zu begatten und zum Legen weiblicher Eier geschickt zu machen. Unter besonders günstigen Umständen

^[Abb.: Fig. 1. Hinterbein der Arbeiterin. b Körbchen, c Tarsalglied mit dem Bürstchen (d) auf der Unterseite.]

^[Abb.: Fig. 2. Stachelapparat der Biene.]