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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Bienenzucht

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Bienenzucht (Stöcke mit unbeweglichen Waben).

nun einen solchen ausgehöhlten Stamm (Beute) mit einem Bienenschwarm besetzt. Wenn im Herbste die Honigtracht zu Ende ist, kassiert man einen Teil der Völker und schneidet deren Honig und Wachs aus. In den Kulturstaaten betreibt man gegenwärtig nur Gartenbienenzucht, d. h. man hält und pflegt die Bienen in den Gärten der Häuser. Dabei unterscheidet man Standbienenzucht, bei welcher die Völker den ganzen Sommer über im Bienengarten stehen bleiben, und Wanderbienenzucht, bei welcher man die Völker, wenn es im Ort an Honigtracht fehlt, an solche Orte transportiert, wo ihnen die Natur den Tisch reichlich gedeckt hat.

In völliger Freiheit legen die Bienen ihr Nest (Bau) in hohlen Bäumen, Mauerlöchern und Felsspalten an, um es gegen widrige Witterungseinflüsse und feindliche Tiere zu schützen. Der Mensch baut ihnen besondere Behälter, welche man Bienenwohnungen, Bienenstöcke, kurzweg Stöcke nennt. Als Material zu den Bienenstöcken verwendet man Holz und Stroh. Die Form der Stöcke ist sehr verschieden; es lassen sich jedoch zwei Hauptformen unterscheiden: Ständer, bei denen die größte Ausdehnung der innern Höhlung in die Höhe, und Lagerstöcke, bei denen die größte Ausdehnung der Höhlung in die Länge geht. Die Größe der Wohnungen richtet sich hauptsächlich nach den Trachtverhältnissen der Gegend. Vielfache Erfahrungen haben gelehrt, daß der Raum, in dem ein Bienenvolk bauen, brüten und Honigvorräte ansammeln soll, etwa 50,000 ccm lichten Raum haben muß. Wohnungen, die sich in mehrere Teile zerlegen lassen, nennt man teilbar, und sie haben in der Regel vor unteilbaren den Vorzug. Ganz in der Gewalt hat der Züchter die Bienen nur dann, wenn er ihren Bau, ohne ihn zu zerstören oder nur irgendwie erheblich zu verletzen, aus der Wohnung herausnehmen und wieder in dieselbe oder in eine andre gleichgroße einstellen kann. Der Erfinder eines solchen Stockes mit beweglichen Waben (Mobilbau) ist der Pfarrer Dzierzon, weshalb man den Stock mit beweglichen Waben den Dzierzonstock nennt. Alle Stöcke mit unbeweglichen Waben (Immobilbau) erschweren die Behandlung und Untersuchung der Bienenvölker.

Der älteste Stock mit unbeweglichen Waben ist die Klotzbeute (Fig. 1 u. 2), ein dicker, ausgehöhlter Baumstamm von 1,8-2 m Länge; sie wird entweder als Ständer oder als Lager benutzt. Zu den unteilbaren strohernen Wohnungen mit Immobilbau gehören: der Stülpkorb (Fig. 3), der Traubenstülper (Fig. 4), der Walzenkorb (Fig. 5), die Walze (Fig. 6) und der Thorstock (Fig. 7). Unter den teilbaren Stöcken von Holz figurierte früher der aus viereckigen Holzkasten zusammengesetzte Ständer. Noch im Gebrauch ist der Ringkorb oder Ringstock, der aus einzelnen Strohkränzen oder Strohringen (à 10-14 cm Höhe) zusammengesetzt ist und entweder als Ringständer oder als Ringlager benutzt wird. Im Innern sind alle diese Wohnungen kreuzweise mit Stäbchen durchzogen, an welchen die Bienen die Waben befestigen. Bauchstülper (Fig. 8, Faßstock), Kegelstülper (Fig. 9, Zuckerhut), Würfelstülper, der Nuttsche Lüfterstock, der Lucassche Kugelstock etc. sind unpraktische Bienenwohnungen. Dzierzon nahm anfänglich 2,6 cm breite, 0,65 cm dicke und 26 cm lange Holzstäbe (Fig. 10), beklebte sie mit Wabenstreifen und hing sie in seine Kastenstöcke. Die Bienen bauten nun in der durch die Lehr- oder Richtstreifen vorgezeichneten Richtung weiter, und jetzt war

^[Abb.: Fig. 1. Stehende Klotzbeute.]

^[Abb.: Fig. 2. Liegende Klotzbeute.]

^[Abb.: Fig. 3. Stülpkorb.]

^[Abb.: Fig. 4. Traubenstülper.]

^[Abb.: Fig. 5. Walzenkorb.]

^[Abb.: Fig. 6. Walze.]

^[Abb.: Fig. 7. Thorstock.]

^[Abb.: Fig. 8. Bauchstülper.]

^[Abb.: Fig. 9. Kegelstülper.]

^[Abb.: Fig. 10.]

^[Abb.: Fig. 15. Berlepsch' Ständerbeute (vgl. Fig. 16)]