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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Biener; Bienewitz; Biënnāl; Bienne; Biënnis; Biënnium; Bientīna; Bieque; Bier

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Biener - Bier.

loches. Tritt im November der Winter ein, so stopft man bei Dzierzonstöcken den Raum zwischen dem eingesetzten Brett und der Thür mit warm haltendem Material, Moos etc., aus; bei frei stehenden Einbeuten stopft man auch die Honigräume aus. Strohkörbe, Walzen, Klotzbeuten etc., die frei im Garten stehen, schützt man mit Rohr etc. und die Stöcke im Bienenschauer durch Klappen gegen Kälte, gegen Sonnenstrahlen und feindliche Tiere. Am besten sind die Stöcke gegen Kälte und Beunruhigung in einem besondern Überwinterungslokal, z. B. in einem finstern und trocknen Keller, geschützt. Große Stände und zusammengesetzte Beuten überwintert man auf dem Sommerstand. In Deutschland wurden 1883: 1,911,748 Bienenstöcke gezählt, davon 172,000 in Hannover; weitere statistische Angaben s. Deutschland, S. 824.

Aus der zahlreichen Litteratur über B. heben wir als wichtigste Schriften hervor: v. Berlepsch, Die Biene und ihre Zucht mit beweglichen Waben (3. Aufl., Mannh. 1873); Dzierzon, Rationelle B. (Brieg 1861); Vogel, Die Honigbiene und die Vermehrung der Bienenvölker nach den Gesetzen der Wahlzucht (Quedlinb. 1880). Die besten Schriften der alten Schule sind: Ehrenfels, Die B. nach Grundsätzen der Theorie und Erfahrung (Prag 1829); Klopfleisch und Kürschner, Die Biene und die B. (Jena 1836); Pollmann, Wörterbuch für Bienenzüchter (Weinheim 1885); "Bienenzeitung, Organ des Vereins deutscher Bienenwirte" (hrsg. von Vogel, Nördling., seit 1845).

Biener, 1) Wilhelm, tirol. Staatskanzler, geb. 1585 zu Amberg in der Oberpfalz, trat, im Jesuitenkollegium erzogen und zum Dr. jur. promoviert, zuerst in die Dienste des Markgrafen von Burgau, dann in bayrische, endlich in die Kaiser Ferdinands II., der ihn 1630 dem Erzherzog Leopold in Tirol als Geheimrat beigab. Bei diesem und seiner Witwe Claudia galt B. lange als der einflußreichste und würdigste Ratgeber. Doch nach Claudias Tod wurde er unter der Regierung des Erzherzogs Ferdinand Karl von der welschen Partei, welche ihn haßte, gestürzt, auf falsche Anklagen hin zum Tod verurteilt und 17. Juli 1651 auf Schloß Rattenberg enthauptet, da die Begnadigung zu spät eintraf. H. Schmid hat seine Lebensgeschichte in dem Roman "Der Kanzler von Tirol" behandelt.

2) Christian Gottlob, verdienter Rechtsgelehrter, geb. 10. Jan. 1748 zu Zörbig, studierte in Wittenberg und Leipzig, habilitierte sich 1776 an letzterer Universität als Dozent, ward 1782 außerordentlicher, 1790 ordentlicher Professor der Rechte, 1809 Ordinarius der Juristenfakultät sowie Domherr zu Merseburg und Hofrat und starb 13. Okt. 1828. Seine bedeutendsten Schriften sind: "Commentarii de origine et progressu legum juriumque germanicorum" (Leipz. 1787-95, 3 Bde.); "Systema processus judiciarii et communis et saxonici" (das. 1801; 4. Aufl. von Siebdrat und Krug, Berl. 1834-35, 2 Bde.); "Opuscula academica" (Leipz. 1830, 2 Bde.).

3) Friedrich August, Sohn des vorigen, ebenfalls ausgezeichneter Rechtsgelehrter, geb. 5. Febr. 1787 zu Leipzig, besuchte die Nikolaischule, 1802 die Universität seiner Vaterstadt und später die zu Göttingen, hielt dann einige Jahre hindurch in Leipzig akademische Vorlesungen, folgte 1810 dem Ruf als Professor der Rechte an die neubegründete Universität zu Berlin, ward 1829 zum Geheimen Justizrat ernannt und lebte seit 1834 privatisierend in Dresden, wo er 2. Mai 1861 starb. Von seinen Schriften sind hervorzuheben: "Geschichte der Novellen Justinians" (Berl. 1824); "Beiträge zu der Geschichte des Inquisitionsprozesses und der Geschwornengerichte" (Leipz. 1827); "Beiträge zur Revision des Justinianischen Kodex" (mit Heimbach, Berl. 1833); "Das englische Geschwornengericht" (Leipz. 1852-55, 3 Bde.); "Wechselrechtliche Abhandlungen" (das. 1859).

Bienewitz, Peter, s. Apianus.

Biënnāl (lat.), zwei Jahre dauernd oder alle zwei Jahre wiederkehrend.

Bienne (spr. bjenn), Stadt, s. Biel.

Biënnis (lat.), zweijährig. In der botan. Terminologie gebraucht man das Wort b. von solchen Pflanzen, welche zwei-, bisweilen auch dreijährige Dauer haben, deren Stengel mit den Befruchtungsorganen sich aber erst im zweiten oder dritten Jahr zeigt, und welche nach einmaliger Befruchtung und Samenbildung wieder absterben. Man pflegt sie mit ^[img] oder ^[img] zu bezeichnen. Diejenigen Pflanzen, welche im Herbste des ersten Jahrs keimen und als Keimpflanzen überwintern, um erst in der folgenden Vegetationsperiode den Abschluß ihrer Entwickelung zu erreichen, die also streng genommen nur ein Jahr dauern (z. B. das Wintergetreide), bezeichnet man mit ^[img], während die im Frühling keimenden und im Sommer sich entwickelnden, aber erst im nächstfolgenden Sommer zur Blüte gelangenden, also die eigentlich zweijährigen, das Zeichen ☉☉ erhalten.

Biënnium (lat.), Zeitraum von zwei Jahren.

Bientīna (spr. bi-en-), Ortschaft in der ital. Provinz Pisa, im untern Arnothal, mit (1881) 2122 Einw. Nördlich davon dehnte sich an der Grenze der Provinzen Pisa und Lucca der gleichnamige, 2863 Hektar große fischreiche See mit Schilf- und Sumpfufern aus, welcher in neuester Zeit durch die in den Arno und Serchio geführten Kanäle gänzlich abgelassen und in fruchtbares Land umgewandelt wurde.

Bieque, Insel, s. Vieques.

Bier (hierzu Tafel "Bierbrauerei"), gegornes und noch in schwacher Nachgärung befindliches alkoholisches Getränk, welches aus Getreide, Hopfen und Wasser, oft unter Zusatz von Surrogaten, aber ohne Destillation, bereitet wird und sich vom Wein durch einen viel höhern, an eiweißartigen Körpern und Phosphorsäuresalzen reichen Extraktgehalt sowie durch seine Kohlensäure unterscheidet.

Darstellung.

Das hauptsächlichste Rohmaterial der Bierbrauerei ist die Gerste, welche durch einen unterbrochenen Keimprozeß zunächst in Malz verwandelt wird. Von andern Getreidearten benutzt man gemalzt und ungemalzt Weizen und Reis, seltener Spelz, Einkorn, Mais und Hafer, und da es sich bei diesen Materialien hauptsächlich um Stärkemehl handelt, so benutzt man als Surrogate des Getreides auch Kartoffeln, Stärkemehl, Stärkezucker (oft 33⅓ Proz. vom Braumalz; 1 Ztr. Stärkezucker ersetzt 3 Ztr. Malz), Sirup und Glycerin. In Bayern ist die Anwendung irgend welcher andrer Substanzen als Gerste und Hopfen gesetzlich unstatthaft. Gerste eignet sich am besten zur Bierbereitung, weil ihr Stärkemehlgehalt am wenigsten schwankt; sie liefert leichter als andre Getreidearten Malz, und dieses besitzt höhere zuckerbildende Kraft; ihre Spelzen erleichtern überdies die Gewinnung eines klaren Auszugs. Der Brauer sucht ein möglichst schweres, weil stärkemehlreiches Korn, wie es auf nicht frisch gedüngtem, leichterm Boden wächst; starke Düngung, besonders mit Schafmist oder Pferch, erhöht den Klebergehalt in nachteiliger Weise. In Bayern