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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Bilĕam; Biled ul Dscherid; Biledschik; Bilfinger; Bilguer; Bilhas; Biliār; Bilin

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Bileam - Bilin.

alter und in den Hexenprozessen spielte das deutsch Atzmann, französisch vols oder voûts (vultus) genannte Zauberbild eine große Rolle, und die Päpste erließen zahlreiche Bullen gegen seinen Gebrauch. Später wurde die Anklage, mittels Wachsbilder dem König nach dem Leben zu stehen (envoûter), am französischen Hof der Gegenstand zahlreicher politischer Prozesse, die fast ohne Unterbrechung von der Regierung Karls IX. bis zu der Ludwigs XIII. dauerten und verschiedenen mißliebigen Staatsmännern, namentlich dem Minister Concini (s. Ancre), das Leben kosteten. Die Quelle dieses in verschiedenen Formen über die ganze Erde verbreiteten Aberglaubens beruht in der Vorstellung des Menschen, daß sein Bild einen wirklichen Teil seiner Person darstelle, weshalb Naturvölker reisenden Ethnologen oft große Schwierigkeiten machen, wenn diese ihnen mittels der Photographie ihr Bild stehlen wollen. Nach der Ansicht des Mittelalters gehörten aber noch Teile der sogen. Mumie (s. d.) des lebenden Menschen, nämlich Haar, Haut oder Nägelabschnitzel desselben, die dem Bild eingefügt wurden, oder eine kirchliche Taufe auf den Namen desselben dazu, um sein Schicksal mit dem des Bildes unauflöslich zu vereinigen. In demselben Sinn glaubte man auch durch den Schatten oder durch Ausschneiden und Räuchern seiner Fußspur im Boden dem betreffenden Menschen schaden zu können. Man hütete sich deshalb sehr, irgend welche Abfallstoffe des Körpers in die Macht fremder Menschen geraten zu lassen, und die mittelalterlichen Schriften sind voll von Mitteln zur Abwendung des Bildzaubers.

Bilĕam (Balaam, hebr., "Volksverderber"), Wahrsager und Magier zu Pethor am Euphrat in Mesopotamien, Beors Sohn (4. Mos. 22-24). Vom Moabiterkönig Balak aufgefordert, die herandringenden Israeliten zu verfluchen, folgte er nach anfänglicher Weigerung erst wiederholten glänzenden Versprechungen und mußte dann, überwältigt von der prophetischen Begeisterung, zwar segnen statt fluchen, gab aber den hinterlistigen Rat, die Israeliten durch heidnische Weiber zum unzüchtigen Baalsdienst zu verleiten und so ihre Kraft zu brechen (4. Mos. 31, 8, 16); er fiel im Kampf gegen Midian. Die bekannte Erzählung von der redenden Eselin und dem Engel, der dem B. in den Weg trat, schildert mythisch Bileams zwischen seiner bessern prophetischen Erkenntnis und dem Verlangen nach dem dargebotenen Gewinn geteilten Sinn.

Biledschik, Stadt im kleinasiat. Wilajet Chodawendikjâr, an einem Zufluß des Sakaria, mit 800 meist von Armeniern bewohnten Häusern, betreibt ansehnliche Seidenzucht, Weinbau, Verfertigung gestickter Samtkissen, die nach Stambul ausgeführt werden, und Tuchfabrikation. In der Nähe Meerschaumgruben. Das alte Schloß B. (bei den Byzantinern Belekoma) eroberte Emir Osman 1299 durch List von den Byzantinern; es war die erste türkische Eroberung im griechischen Kaiserreich.

Biled ul Dscherid (Belâd el Dscherid), Landschaft in Nordafrika, südlich von Tunis, das Dattelland oder wörtlich "das Land der ihrer Blätter beraubten Palmzweige", weil in diesem Teil der tunesischen Sahara bei der Dattelpalmenkultur die Wedel ihrer Fiedern beraubt werden. Dieser gesegnete Landstrich wird im S. vom großen Salzsee Sebcha Firaun (dem Lacus Tritonis der Alten), im W. von der Wüste Algeriens, im N. vom Dschebel Nadur und Dschebel bu Ajischa begrenzt und enthält gegen 30 palmenreiche Oasen, von denen Tusar, Tadschus und Nefta die bedeutendsten sind. Die Existenz der Einwohner, berberischen und arabischen Stammes, hängt ganz von dem ungeheuern Reichtum an Dattelpalmen ab, deren Früchte in großen Mengen ausgeführt werden. In der römischen Zeit war das B. eine Stätte hoher Kultur, wie noch zahlreiche Ruinen, Wasserleitungen etc. beweisen; Tusar ist das alte Tisurus und Tadschus das alte Thiges.

Bilfinger (eigentlich Bülffinger, "Zwölffinger", weil ein sechster Finger, wie auch die sechste Zehe, als Bildungsfehler in der Familie erblich war), Georg Bernhard, Philosoph aus der Leibniz-Wolfschen Schule, geb. 23. Jan. 1693 zu Kannstatt in Württemberg, studierte zu Halle unter Wolfs Leitung und bleibendem Einfluß Mathematik und Philosophie, wurde 1721 außerordentlicher Professor der Philosophie, 1724 auch der Mathematik, 1725 auf Empfehlung Wolfs Professor der Philosophie und Akademiker zu Petersburg; 1731 in seine Heimat zurückberufen, starb er dort 18. Febr. 1750. Unter seinen zahlreichen philosophischen und mathematischen Schriften, welch letztere sich auch auf die Befestigungskunst erstreckten, sind hervorzuheben: "Dissertatio de triplici rerum cognitione historica, philosophica, mathematica" (Tübing. 1722); "Commentarii de harmonia animi et corporis humani maxime praestabilita ex mente Leibnitii" (Frankf. u. Leipz. 1723; 2. Aufl., Tübing. 1741); "De origine et permissione mali, praecipue moralis" (das. 1724), eine neue Erörterung der Leibnizschen Theodicee; "Dilucidationes philosophicae de Deo, anima humana, mundo et generalioribus rerum affectionibus" (das. 1725, 1740 u. 1768), sein wichtigstes Werk, worin er die Leibniz-Wolfsche Metaphysik in vier Abteilungen, der ontologischen, kosmologischen, psychologischen und theologischen, umständlich darstellte und gegen ihre Widersacher verteidigte; "Praecepta logica curante Vellnagel" (Jena 1729); "Nouveau système de fortification" (Stuttg. 1734).

Bilguer, Paul Rudolf von, Schachspieler, Sohn eines mecklenburgischen Obersten, geb. 21. Sept. 1815 zu Ludwigslust, erhielt 1829-33 seine Bildung im Pageninstitut zu Schwerin, trat später in den preußischen Militärdienst und besuchte seit 1837 als Leutnant die Kriegsakademie zu Berlin. Nachdem er seines schwächlichen Körpers wegen seinen Abschied hatte nehmen müssen, widmete er sich seit 1839 zu Berlin ausschließlich dem Schachspiel und der schönen Litteratur, starb aber schon 16. Sept. 1840. Er war ein Schachspieler ersten Ranges, ausgezeichnet durch umfassende Kenntnis der Schachlitteratur, außerordentliches Gedächtnis und analytisches Talent. Mit Leichtigkeit spielte er zwei Spiele, ohne auf die Bretter zu blicken, und dabei noch eine dritte Partie sehend. Seiner ersten Arbeit: "Das Zweispringerspiel im Nachzug" (Berl. 1839), folgte sein "Handbuch des Schachspiels", welches von Heydebrand von der Lasa vollendet und (das. 1843) herausgegeben wurde. Die neueste Bearbeitung besorgte Schwede (6. Aufl., Leipz. 1880).

Bilhas, portug. Thonkrüge zum Kühlen des Wassers, ähnlich den span. Alcarrazas; s. Kühlkrüge.

Biliār (lat.), die Galle (bilis) betreffend (s. Galle).

Bilin, Stadt und Kurort in der böhm. Bezirkshauptmannschaft Teplitz, 7 km südwestlich von Teplitz in einem Kesselthal an der Biela, der Pilsen-Priesener, der Prag-Duxer und der Bielathalbahn gelegen, hat ein Schloß des Fürsten Lobkowitz mit Park, 3 Kirchen (darunter die Stadtkirche, eine der ältesten Böhmens), ein neuerbautes Rathaus und Kurhaus,