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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Bilobus - Bimsstein.

fortgeholt und nach dem Sudân gebracht. Vgl. Rohlfs, Reise durch Nordafrika (Gotha 1868); Nachtigal, Sahara und Sudân, Band 1 (Berl. 1879).

Bilobus (lat.), zweilappig (von Pflanzen).

Bilse, Benjamin, Musikdirigent, geb. 17. Aug. 1816 zu Liegnitz, wurde schon früh in der Lehre des dortigen Stadtmusikus zum praktischen Musiker geschult und ging später behufs höherer Ausbildung nach Wien, blieb jedoch hier nur kurze Zeit, da er schon 1842 in seine Vaterstadt zurückberufen wurde, um die inzwischen erledigte Stelle des Stadtmusikus zu übernehmen. In dieser verweilte er bis 1867, unablässig bestrebt, die Leistungsfähigkeit seiner Kapelle zu heben und den Geschmack des Publikums zunächst in seiner engern Heimat, dann aber auch in weitern Kreisen zu veredeln. Bald drang sein Ruf als Orchesterdirigent über die Grenzen Deutschlands hinaus, und er hatte um so mehr recht, im letztgenannten Jahr seine Stellung in Liegnitz aufzugeben, als man ihn dort in seinen Konzertreisen zu beschränken suchte. Zunächst benutzte er seine Freiheit zu einer Reise nach Paris, wo er 1867 bei Gelegenheit der Weltausstellung mit seinem nunmehr verstärkten und trefflich eingeübten Orchester glänzende Erfolge errang; dann aber wählte er Berlin zum festen Wohnsitz, und hier hat er durch seine im Lauf des Winters fast täglich stattfindenden Konzerte auf die Entwickelung des Musiklebens ungemein förderlich gewirkt. Diese Konzerte sowie auch die während des Sommers abwechselnd in Petersburg, in Warschau und zuletzt in Charlottenburg bei Berlin von ihm veranstalteten zeichneten sich nicht weniger durch treffliche Ausführung als durch Vielseitigkeit der Programme aus, und er hat einer großen Zahl jüngerer Komponisten den Weg in die Öffentlichkeit gebahnt. Unter den zahlreichen Auszeichnungen, die ihm zu teil geworden, ist seine Ernennung zum Hofmusikdirektor von seiten des deutschen Kaisers hervorzuheben. Ende April 1885 zog sich B. ins Privatleben zurück.

Bilsen, Flecken in der belg. Provinz Limburg, Arrondissement Tongern, 13 km westlich von Maastricht, an der Demer und der Eisenbahn Lüttich-Hasselt, mit (1884) 2441 Einw. und eisenhaltigen Mineralquellen. Dabei die ehemals berühmte Abtei Münsterbilsen, die für fürstliche und gräfliche Damen bestimmt war und während der französischen Herrschaft aufgehoben wurde.

Bilsenkraut, s. Hyoscyamus.

Bilsenkrautpflaster, s. Pflaster.

Bilston, Fabrikort in Staffordshire (England), dicht bei Wolverhampton, mit (1881) 11,205 Einw., Eisenhütten, Fabrikation von lackierten Kurzwaren.

Bilwitz (Bilsen-, auch Pilwizschnitter), nach mittel- und süddeutschem Volksglauben ein gespenstiges Wesen, welches mit kleinen Sicheln an den Füßen oder einem blanken Messer am Fuß besonders am Sonnenwendtag quer durch die Felder schreitet und fußbreite verwüstete Streifen durch das Getreide zieht. Derartige Stellen schrieb man auch dem Teufel oder bösen Zauberern zu, welche das Getreide dann fortgeführt. Vgl. Ackerkulte.

Bima, s. Sumbawa.

Bimanen (Bimana, Zweihänder), bei Linné die zoologische Familie des Menschen im Gegensatz zu den fälschlich so genannten Quadrumanen oder Vierhändern, den Affen. Gegenwärtig stellt man die Menschen als Familie der Erecti, Aufrechtgehenden, zusammen mit den Affen in die Ordnung der Primaten (s. d.).

Bimbaschi, s. Bin.

Bimbeloterie (franz.), Spielwaren; Handel oder Fabrikation von Spielwaren.

Bimbia, Landschaft am südlichen Abhang des Camerungebirges in Westafrika und am nördlichen Ufer des Flusses B., der sich in die Bai von Biafra ergießt, gegenüber der Insel Fernando Po, ist seit Mitte 1884 unter deutschen Reichsschutz gestellt und enthält Faktoreien des Hamburger Hauses Wörmann in der gleichnamigen, auch King William's Town genannten Ortschaft; zu B. gehört auch die von derselben Firma erworbene Nicollinsel an der Mündung des Flusses.

Biméster (lat.), Zeitraum von zwei Monaten.

Bimetallismus, ein von Cernuschi herrührender Ausdruck, unter welchem man diejenige Doppelwährung versteht, welche, unter Freigebung der Silberausprägung, in allen Ländern oder wenigstens in den Hauptkulturstaaten auf Grund eines vertragsmäßig vereinbarten festen Wertverhältnisses zwischen Gold und Silber durchgeführt werden soll. Für die Idee des B., die schon früher von Schübler, S. Oppenheim u. a. angeregt wurde, hat insbesondere Cernuschi seit 1876 lebhaft gewirkt. Die Verbreitung derselben wurde vorzüglich durch die in den 70er Jahren stattgefundene Silberentwertung befördert. Die Verwirklichung derselben, welche auf den internationalen Münzkonferenzen zu Paris 1878 und 1881 angestrebt wurde, ist jedoch an dem Widerstand der Hauptgoldwährungsländer gescheitert. Zu gunsten derselben haben sich eigne Vereine gebildet, so in Deutschland der Deutsche Verein für internationale Doppelwährung, welcher seit 1880 ein orientierendes Korrespondenzblatt: "Der Kampf um die Währung", herausgibt, die englische International Monetary Standard Association (s. Währung). Vgl. Cernuschi: La monnaie bimétallique (Par. 1876), M. Michel Chevalier et le bimétallisme (das. 1876), La diplomatie monétaire en 1878 (das. 1878) und andre Schriften desselben Verfassers; Laveleye, La monnaie bimétallique (Brüss. 1876); Derselbe, La question monétaire en 1881 (das. 1881); Arendt, Die vertragsmäßige Doppelwährung (Berl. 1880); Neuwirth, Der Kampf um die Währung (Jena 1881); Schäffle, Für internationale Doppelwährung (Tübing. 1881); Ad. Wagner, Für bimetallistische Münzpolitik Deutschlands (Berl. 1881); Lexis, Erörterungen über die Währungsfrage (Leipz. 1881). Über die gegen den B. ankämpfende Litteratur vgl. Währung.

Bimsstein (Bims, lat. Pumex), die blasige, schaumige Modifikation der glasigen vulkanischen Gesteine. Gewöhnlich ist der B. so sehr mit Blasenräumen erfüllt, daß dieselben die Glasmasse an Volumen bei weitem übertreffen und der Stein auf Wasser schwimmt. Gepulvert sinkt er unter, denn sein spezifisches Gewicht beträgt 2,3-2,5. Die meisten Varietäten sind hellgrau, gelblich oder grünlichweiß; doch gibt es auch ganz schwarzen B. In ihrer chemischen Zusammensetzung stimmen die Bimssteine mit den trachytischen Gläsern, den Obsidianen, Perlsteinen etc., aus denen sie entstanden sind, im wesentlichen überein, namentlich mit den betreffenden Gesteinen derselben Gegend. Der Kieselsäuregehalt der frischen Bimssteine schwankt zwischen 55 und 74 Proz., der Gehalt an Alkalien (Kali und Natron) zwischen 5 und 15 Proz.; die meisten enthalten auch 1-2 Proz. Wasser. Ein geringer Chlorgehalt, der bei einzelnen beobachtet wurde, ist wahrscheinlich auf Chlornatrium zurückzuführen. Die Bimssteinbildung ist dadurch bedingt, daß die Glasmasse während der Erstarrung reichlich von Ga-^[folgende Seite]