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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Birkenzeisig; Birket; Birket-Smith; Birkhuhn; Birlinger

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Birkenzeisig - Birlinger.

ihn in Deutschland namentlich am Harz und im Thüringer Wald. Frisch wurde der Saft sonst gegen Hautkrankheiten und Harnbeschwerden als Frühlingskur gebraucht. Birkenwein wird aus Birkensaft durch Gärung erhalten und zwar am besten nach Gallschen Prinzipien (vgl. Wein). Man versetzt 50 kg B. mit 150-180 g Weinsteinsäure, 4-12 kg Traubenzucker und 90 g starker Mandelmilch. Die Mandelmilch verleiht dem Birkenwein den dem Traubenwein eigentümlichen Weingeruch.

Birkenzeisig, s. v. w. Leinfink.

Birket (arab.), s. v. w. Landsee, z. B. B.-Mariut in Unter-, B. el Kerûn in Mittelägypten u. a.

Birket-Smith, Sophus, dän. Historiker, geb. 1838, studierte Medizin, darauf Kunstarchäologie, arbeitete kurze Zeit als Assistent bei dem königlichen Antikenkabinett und erhielt, nachdem er am dänisch-deutschen Krieg 1864 teilgenommen, eine Anstellung an der Universitätsbibliothek, wo er sich eifrig dem Studium dänischer Geschichte, namentlich der Litteraturgeschichte vor Holberg, hingab. Sein Hauptwerk ist die noch nicht vollendete Biographie der Gemahlin des Reichshofmeisters Korfitz Ulfeldt, Eleonore Christine. Auch gab er die Gefängnisgeschichte ("Jammersminde") der Eleonore Christine heraus und lieferte mehrere kleinere historische Beiträge über sie und ihre Zeit sowie vorzügliche Ausgaben alter dänischer Komödien vor Holberg. Er war zugleich Mitherausgeber der "Dänischen Sammlungen für Personalgeschichte, Litteraturgeschichte und Topographie". 1880 ward er zum Oberbibliothekar der Universitätsbibliothek ernannt.

Birkhuhn (Moor-, Spielhuhn, Tetrao [Lyrurus] tetrix L.), Vogelart aus der Ordnung der Scharrvögel, der Familie der Waldhühner (Tetraonidae) und der Unterfamilie der eigentlichen Waldhühner (Tetraoninae), am nächsten verwandt dem Auerhuhn, 60-65 cm hoch, 95-100 cm lang, etwa 2 kg schwer, ist ziemlich schlank gebaut, mit kurzen, aber verhältnismäßig längern Flügeln als der Auerhahn und einem beim Weibchen seicht abgeschnittenen, beim Männchen tief gegabelten, fast leierförmigen Schwanz. Der schwarze Schnabel ist mittellang und stark, der Fuß vollständig befiedert. Das Gefieder ist schwarz, am Hals, Kopf und Unterrücken prächtig stahlblau glänzend, auf den zusammengelegten Flügeln mit schneeweißen Binden gezeichnet; das Unterschwanzgefieder ist rein weiß, die Schwingen sind schwarzbraun, grau verwaschen, weiß geschaftet, die Steuerfedern schwarz, das Auge braun, die Augenbrauen und eine nackte Stelle ums Auge hochrot, der Schnabel schwarz, der Fuß graubräunlich. Das Gefieder des kleinern Weibchens ist rostgelb und rostbraun mit schwarzen Querbinden und Flecken. Das B. hat etwa dieselbe Verbreitung wie das Auerhuhn, geht aber etwas nördlicher und fehlt dem Süden Europas; am häufigsten ist es in Livland, Esthland, Skandinavien und Rußland. Es bewohnt bei uns das Gebirge und die Ebene, wo der Boden reich an niedern Gesträuchen ist, liebt aber nicht geschlossene Forsten. Sein Wohnbaum ist die Birke, es bevorzugt Birkenwälder, liebt auch Moorgrund, aber nicht Brüche und Moräste. In Mitteldeutschland ist es Standvogel, auf dem Hochgebirge und im Norden tritt es ziemlich regelmäßige Wanderungen an. Es ist in allen seinen Bewegungen gewandter als das Auerhuhn, lebt mehr auf dem Boden, läuft und fliegt schneller und ist auch geselliger. Die Geschlechter leben, jedes für sich, in mehr oder minder zahlreichen Flügen zusammen. Es nährt sich von Knospen, Blättern, Beeren und Kerbtieren, Schnecken, Würmern, im Winter hauptsächlich von Wacholderbeeren. Die Balzzeit währt von Mitte April bis Ende Mai. Zu dieser Zeit zieht sich das Birkwild auf die Balzplätze zusammen und wählt dazu meist mit etwas Buschwerk bewachsene Wiesen und Heideplätze. Mit Tagesanbruch beginnt das Balzen und Kämpfen der Hähne, meist auf dem Boden. Dabei lassen sie Töne hören, welche fast so klingen, als wenn man mit einem Rohr stark in Wasser bläst, worauf ein Laut folgt, welcher wie "pischuiz" klingt. Zugleich sträubt der Hahn die Federn, läßt die Flügel hängen, fächert den Schweif (das Spiel) und macht seltsame Sprünge. Nach dem Treten schwingen sich Hähne und Hennen meist auf benachbarte Bäume, um auszuruhen, und verteilen sich dann. Die Henne legt im Mai in eine seicht ausgescharrte Vertiefung 8-12 graugelbe, dunkel gefleckte Eier (s. Tafel "Eier II", Fig. 2), welche sie mit großer Hingabe, aber doch nicht so eifrig wie die Auerhenne, in drei Wochen ausbrütet. Erlegt wird der Hahn meist während der Balz, bei welcher er aber nie so taub und blind wird wie der Auerhahn. Man errichtet auf den Balzplätzen Strauchhütten oder Schirme so zeitig, daß die Hähne daran gewöhnt sind, und schießt sie aus denselben mit der Flinte, wenn sie sich bis auf Schußweite beim Balzen nähern. Junges Birkwild wird auf der Suche von dem Hühnerhund erlegt, vor dem es oft weit läuft und einzeln aufsteht, so daß man vor einem guten Hund bisweilen das ganze "Gesperr" aufreiben kann. In Schweden und Norwegen wird das Birkwild auch von Balbanen (s. d.) erlegt. Die Schußzeit für Hennen dauert nach dem Wildschongesetz für Preußen vom 1. Sept. bis Ende Januar, für Hähne von Anfang September bis Ende Mai. Sein Fleisch ist sehr schmackhaft. In Tirol und in den bayrischen Hochgebirgen werden die Schwanzfedern als beliebter Schmuck von jungen Burschen am Hut getragen, und je nachdem sie befestigt waren, galten sie noch vor 30 Jahren als Zeichen der Herausforderung und Rauflust. In der Gefangenschaft halten sich Birkhühner sehr gut und pflanzen sich auch fort. Ein Bastard von der Auerhenne und dem Birkhahn ist das Rackel- oder Mittelhuhn (Tetrao medius Leist.); es hält in Gestalt und Farbe ziemlich die Mitte zwischen seinen Eltern, findet sich überall, besonders in Skandinavien, und erinnert im Betragen an das Auerhuhn. Der Hahn balzt meist auf den Balzplätzen des Birkhuhns. Vgl. Rohr, Das Birkwild (Klagenf. 1885).

Birlinger, Anton, Germanist, geb. 14. Jan. 1834 zu Wurmlingen, studierte auf dem Wilhelmsstift in Tübingen katholische Theologie und deutsche Philologie, ward 1859 ordiniert, lebte aber der praktischen Seelsorge nur anderthalbes Jahr und begab sich 1861 nach München, um unter Vollmer und Hofmann seine germanistischen Studien fortzusetzen. Seit 1869 in Bonn habilitiert, wurde er hier 1872 zum außerordentlichen Professor der deutschen Sprache und Litteratur ernannt. B. hat sich besonders als Durchforscher der Mundarten und der Kulturgeschichte Süddeutschlands verdient gemacht. Er veröffentlichte: "J. Frischlins hohenzollernsche Hochzeit (1598) neu herausgegeben" (Freiburg 1860); "Volkstümliches aus Schwaben" (das. 1861-62); "Nimm mich mit!" (Kinderbuch, 2. Aufl. 1870); "Schwäbisch-Augsburgisches Wörterbuch" (1864); "F. Fabers gereimtes Pilgerbüchlein" (Münch. 1864); "Alemannisches Büchlein von guter Speise" (das. 1865); "Die alemannische Sprache rechts des Rheins seit dem 13. Jahrhundert" (Berl. 1868, Bd. 1); "So sprechen die Schwaben" (Stuttg. 1868); "Aus Schwaben. Sagen, Legenden, Aberglauben,