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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Birma

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Birma (Geographisches, Bewohner).

Sitten etc." (Wiesb. 1873-74, 2 Bde.); ferner mit Crecelius: "Altdeutsche Neujahrsblätter; mittel- und niederdeutsche Dialektproben" (das. 1874); eine kritische Prachtausgabe von "Des Knaben Wunderhorn" (das. 1874) und "Deutsche Lieder" (Heilbr. 1876). Seit 1872 gibt B. "Alemannia, Zeitschrift für Sprache, Litteratur und Volkskunde des Elsasses" (Bonn) heraus.

Birma (Burma, Barma oder Reich der Mranma, wie sich die Bewohner selbst nennen, früher auch Reich von Ava genannt), großes asiatisches Reich (s. Karte "Hinterindien"), das einst den ganzen Westen Hinterindiens umfaßte, gegenwärtig aber, seit den Engländern 1826 die Küstenländer Arakan und Tenasserim und neuerdings (1852) auch Pegu abgetreten worden (s. Britisch-Birma), nur noch einen Teil desselben enthält und, vom Meer zurückgedrängt, gänzlich zum Binnenstaat geworden ist. Unter 19½-28¼° nördl. Br. und 93-100⅔° östl. L. v. Gr. gelegen, umfaßt so B. im allgemeinen das vom obern und mittlern Irawadi sowie vom obern Salwen und dem zwischen beiden strömenden Sitang durchflossene Land und stößt im N. an unabhängige Gemeinwesen, im O. an China und Siam, im W. und S. an Britisch-Indien. Die Längenausdehnung beträgt 870 km, die Breite 675 km, der Flächeninhalt 457,000 qkm (8300 QM.). Das Land zerfällt seiner natürlichen Beschaffenheit nach in drei Teile: das eigentliche B., zwischen 19½ und 23½° nördl. Br., mit Mandalai, der jetzigen Reichshauptstadt; das nördliche B., mit der Stadt Bhamo, und die tributären Schanstaaten im O., meist jenseit des Salwen, mit den Orten Kianghung und Kiangtung. Der nördlichste Teil, wo das Patkoigebirge und Zweige des noch nördlicher gelegenen Langtangebirges bis zu 4500 m Höhe sich erheben, ist wildes Gebirgsland, von wo nach S. verschiedene noch nicht erforschte Bergzüge abzweigen und das Land durchziehen, das allmählich zum Hügelland sich verflacht; von nun an treten längs der Flüsse breite Alluvialebenen auf, reich an fruchtbarstem Boden. Das Klima wie die Produkte aus dem Mineral-, Pflanzen- und Tierreich scheinen keine besondere Eigentümlichkeit vor denen des übrigen Hinterindien aufzuweisen. Die Wälder sind reich an den schönsten Bäumen, namentlich an Teakholz, das einen wichtigen Handelsartikel bildet; Hauptplatz dafür ist die Provinz und Stadt Niengyen am rechten Ufer des Sitang, ca. 20° nördl. Br. Die Gesamtzahl der Bevölkerung des jetzigen B. wird auf 4 Mill. geschätzt; sie muß aber früher, den Erzählungen der Chronisten und den zahlreichen Städteruinen nach zu schließen, viel größer gewesen sein. Dicht bevölkert ist das Irawadithal, wo Orte mit über 100 Häusern keine Seltenheit sind. Den Hauptbestandteil der Bevölkerung bilden die eigentlichen Birmanen oder Mranma, welche das Thal des Irawadi mit dem Hügel- und Alluvialland zu beiden Seiten des Flusses bewohnen und sich zum Buddhismus bekennen. Andre Hauptstämme, die zwar alle die Kennzeichen des indochinesischen Menschenschlags darbieten, aber teilweise aus dem Norden kamen, sind: die Karen, in den Wäldern Unterbirmas; die Kakhyen, zu beiden Seiten des obern Irawadi bis nach Tibet und Akam hin, ihrem Glauben nach Dämonendiener; die Schan und Lao, ein volkreicher Stamm, der die Birmanen im O. von N. bis SW. umgibt, allein nur im östlichen Teil von B., zwischen 20 und 24° nördl. Br., diesem Reich tributpflichtig ist. Die Birmanen sind klein, gut proportioniert, von brauner Farbe, aber nie dunkel, mit schwarzem, straffem, reichlichem Haar und etwas mehr Bart, als die Siamesen haben. Sie zeichnen sich vor den benachbarten Völkern durch Lebhaftigkeit und durch geschäftliche Rührigkeit aus, sind dem Fremden gegenüber höflich und gastfrei, dabei aber infolge des despotischen Druckes, unter dem sie leben, unzuverlässig und voller Verstellung. Geistige Getränke vertritt Opiumrauchen. In der Kleidung ist für beide Geschlechter das unentbehrlichste Stück ein 2-2,5 m langes, 1 m breites baumwollenes Tuch, das um die Hüften geschlungen wird; bei feierlichen Gelegenheiten wird noch ein weißer musselinener Rock (Indschi) mit engen Ärmeln übergezogen. Das Haar wird von den Männern auf dem Scheitel in einen Knoten geschürzt, von den Frauen lang herunterhängend getragen. Das Tättowieren ist noch immer allgemeine Landessitte. Hauptspeise ist Reis und Gemüse aller Art. Vielweiberei ist gesetzlich erlaubt, kommt aber nur selten vor. Einen großen Einfluß üben die Geistlichen aus. Die Priester des Buddhaglaubens tragen gelbe Kleider, gehen barfuß und mit Tonsur, stehen unter dem Gelübde der Ehelosigkeit, Mäßigkeit und Keuschheit und wohnen, mit dem Unterricht der Jugend beschäftigt und vom Bettel und dem Ertrag ihrer Ländereien lebend, nicht unter der Bevölkerung, sondern in ausgedehnten, meist am Rande der Städte erbauten und mit großen Obstgärten umgebenen Klöstern. Der Oberpriester, einer der hohen Reichswürdenträger, hat in Mandalai seinen Sitz. Die Tempel (Phra) der Birmanen sind Prachtwerke; sie gleichen in der Bauart ganz den Bauten dieser Art in Britisch-Birma (s. d.). Christlichen Missionären ist die Religionsverkündung noch nicht gestattet. - Die birmanische Sprache ist eine einsilbige Wurzelsprache wie die chinesische, die grammatischen Beziehungen werden in der Regel nur durch die Wortstellung ausgedrückt; doch finden sich Ansätze zu grammatischen Elementen, welche meistens dem Worte, das sie näher bestimmen, vorangestellt werden, z. B. tsā, "essen"; atsā, "Speise". Vgl. Judson, Grammar of the Burmese language (Rangun 1866), English and Burmese dictionary (3. Ausg., das. 1877); Sloan, Practical method with the Burmese language (Lond. 1877); Steinthal, Charakteristik der hauptsächlichsten Typen des Sprachbaues (Berl. 1860); Harmand, Birmanie. Résumé ethnographique et linguistique (Par. 1884). Die Schrift ist eine abgerundete Form der ältern indischen Alphabete, die ihrerseits von dem phönikischen Alphabet abstammen. Wissenschaft und Litteratur beschränken sich auf Darstellung der Religionslehre, außerdem auf Astrologie, Landeskunde nebst verworrenen Nachrichten vom Ausland, Geschichte, Rechtskunde und etwas Medizin, worin die Birmanen manche Kenntnisse, jedoch nur aus Empirie, besitzen. Das gewöhnliche Schreibmaterial sind Palmblätter, auf die man mit eisernem Griffel schreibt. Die Bücher sind lang und schmal und bestehen aus Palmblättern, Papierfolien oder dünnen Elfenbeintafeln, die an der schmalen Seite vermittelst eines durchgezogenen Bindfadens zusammengehalten werden. Die Birmanen rechnen nach Mondjahren und lassen, um mit dem Jahreszeitenwechsel im Gang zu bleiben, alle 13 Jahre 5 Schaltjahre, jedes um einen ganzen Monat verlängert, eintreten. Ihr Jahr nimmt im April seinen Anfang. Jedes Kloster hält Schule; die Knaben, auch der Unbemittelten, besuchen sie regelmäßig; die gesamte männliche Bevölkerung ist hierdurch des Lesens und Schreibens kundig. Die Kunst ist nicht ohne eine gewisse Ausbildung geblieben. Anders die Musik; hier spielen hohe