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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Bischoffwerder; Bischöfliche Kirche; Bischofsburg; Bischofsheim

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Bischoffwerder - Bischofsheim.

siolog, geb. 28. Okt. 1807 zu Hannover, studierte seit 1826 in Bonn und Heidelberg Naturwissenschaften und Medizin, war 1832 Assistent an der Universitäts-Entbindungsanstalt in Berlin, habilitierte sich 1833 als Privatdozent in Bonn, ging als solcher 1835 nach Heidelberg und wurde hier 1836 zum außerordentlichen und 1843 zum ordentlichen Professor ernannt. 1844 folgte er einem Ruf nach Gießen und 1855 einem solchen nach München für Anatomie und Physiologie. Er wurde 1878 in den Ruhestand versetzt und starb 5. Dez. 1882 in München. Bischoffs wissenschaftliche Thätigkeit konzentrierte sich vorwiegend auf das Gebiet der Entwickelungsgeschichte, namentlich der der Säugetiere; seine Verdienste, die er sich auf demselben errungen, sind die größten und seine darauf bezüglichen Arbeiten von der weitgehendsten Bedeutung für diese Wissenschaft. Er schrieb: "Entwickelungsgeschichte der Säugetiere und des Menschen" (Leipz. 1842); "Entwickelungsgeschichte des Kanincheneies" (Braunschw. 1843); "Entwickelungsgeschichte des Hundeeies" (das. 1845); "Beweis der von der Begattung unabhängigen periodischen Reifung und Loslösung der Eier der Säugetiere und der Menschen" (Gieß. 1844); "Entwickelung des Meerschweinchens" (das. 1852); "Entwickelungsgeschichte des Rehes" (das. 1854); "Widerlegung und Bestätigung des Eindringens der Spermatozoiden in das Ei der Muscheln und der Frösche" (das. 1854); "Historisch-kritische Bemerkungen zu den neuesten Mitteilungen über die erste Entwickelung der Säugetiereier" (Münch. 1877); "Der Harnstoff als Maß des Stoffwechsels" (das. 1853); "Die Gesetze der Ernährung der Fleischfresser" (mit Voit, Leipz. 1859); "Die Großhirnwindungen bei den Menschen" (Münch. 1868); "Studium und Ausübung der Medizin durch Frauen" (das. 1872); "Führer bei Präparierübungen" (das. 1873). Außerdem lieferte er Beiträge zu Wagners und Burdachs "Physiologie" und schrieb den 7. Band (Entwickelungsgeschichte) der Sömmerringschen "Anatomie". Er wies auch die Gegenwart von freier Kohlensäure und Sauerstoff im Blut nach und lieferte Untersuchungen über den Unterschied zwischen dem Menschen und den höhern Affen. Vgl. Kupffer, Gedächtnisrede auf B. (Münch. 1884).

5) Joseph Eduard Konrad, unter dem Namen Konrad von Bolanden bekannter Romanschriftsteller, geb. 9. Aug. 1828 zu Niedergailbach in der Rheinpfalz, studierte seit 1849 katholische Theologie zu München, wurde 1852 als Domkaplan in Speier angestellt, nach einigen Jahren als Administrator nach Kirchheimbolanden und von hier als Pfarrer nach Börrstadt am Donnersberg versetzt. Seit 1859 war er Pfarrer in Berghausen bei Speier, bis er 1869 seinem Amt entsagte und sich privatisierend in Speier niederließ, um sich ganz der Schriftstellerei zu widmen. Papst Pius IX. ernannte ihn 1872 zu seinem Wirklichen Geheimen Kammerherrn. B. hat in kurzer Zeit eine ungemeine Fruchtbarkeit entwickelt und in den katholischen Kreisen von ganz Europa Aufsehen erregt. Seine zum Teil vielfach aufgelegten Werke, teils historischen, teils sozialen Inhalts, haben stark ausgesprochene ultramontane Tendenzen und richten sich schroff gegen den Protestantismus und überhaupt gegen jede freiheitliche und vernünftige Entwickelung in Kirche und Staat, Leben und Wissenschaft. In den ersten Romanen: "Eine Brautfahrt" (Regensb. 1857) und "Franz von Sickingen" (das. 1859), stellte er die Reformation als eine gemeine Rebellion, als einen Ab- und Rückfall dar und schilderte Luther, Sickingen, Hütten etc. mit den grellsten Farben als moralisch Verworfene. Dann folgten: "Königin Bertha" (Regensb. 1860) und "Barbarossa" (das. 1862); ferner: "Die Aufgeklärten" (Mainz 1864) und "Historische Novellen über Friedrich II. und seine Zeit" (das. 1865-66, 4 Bde.), worin der große Preußenkönig als eine Art politischen Räuberhauptmanns erscheint. Gegen die naturwissenschaftlichen Forschungen wendet sich "Angela" (Regensb. 1866), gegen den Liberalismus "Die Freidenker" (das. 1866), "Die Schwarzen und die Roten" (Mainz 1868), "Fortschrittlich" (das. 1870). In dem gleichen Geist gehalten sind die Romane und Erzählungen: "Gustav Adolf" (Mainz 1867-70, 4 Bde.); "Raphael" (das. 1870); "Die Unfehlbaren" (das. 1871); "Der neue Gott" (Regensb. 1871); "Der alte Gott" (das. 1871); "Kelle oder Kreuz" (das. 1872); "Die Magern und die Fetten" (das. 1872); "Russisch" (das. 1872); "Canossa" (Mainz 1873, 3 Bde.); "Die Staatsgefährlichen" (das. 1873); "Die Reichsfeinde" (1874, 2 Bde.); "Urdeutsch" (1875, 2 Bde.); "Bankrott" (1877, 3 Bde.); "Die Bartholomäusnacht" (1879, 2 Bde.); "Altdeutsch" (1881, 3 Bde.); "Savonarola" (1882, 2 Bde.); "Neudeutsch" (1884) u. a. Seine "Gesammelten Schriften in illustrierten Volksausgaben" erscheinen seit 1871 zu Regensburg.

Bischoffwerder, Johann Rudolf von, Günstling Friedrich Wilhelms II. von Preußen, geb. 13. Nov. 1741 zu Ostermondra bei Kölleda aus einer sächsischen adligen Familie, studierte in Halle, ward 1760 Kornett in dem königlich preußischen Leibkarabinierregiment, nach dem Frieden Kammerherr am kursächsischen Hof und Stallmeister des Herzogs Karl von Kurland, trat 1778 wieder in preußische Dienste und kam in die Umgebung des Prinzen von Preußen, spätern Königs Friedrich Wilhelm II., dessen unbedingtes Vertrauen er zu erwerben wußte. Nach dessen Thronbesteigung 1786 ward er zum Oberstleutnant und Flügeladjutanten, 1789 zum Generaladjutanten des Königs ernannt und als preußischer Gesandter zum Kongreß von Sistova abgeordnet; nach seiner Zurückkunft 1791 zum Generalmajor befördert, erhielt er immer größern Einfluß am Hof und bewog den König zu einer Annäherung an Österreich und zur Verständigung über die Haltung gegen Frankreich, welche zum Krieg von 1792 führte. Der ungünstige Verlauf desselben bewirkte, daß die Gunst, in der B. bisher beim König stand, erkaltete. Doch ließ er sich bei der polnischen Teilung noch große Güterkomplexe vom König schenken. Mit Wöllner im Verein wirkte er besonders für die mystischen Bestrebungen der Rosenkreuzer. Nach Friedrich Wilhelms II. Tod 1797 überbrachte er dem neuen Herrscher die königlichen Insignien, ward aber verabschiedet und starb 31. Okt. 1803 auf seinem Landgut Marquardt bei Potsdam. Mit seinem Sohn, der Generalmajor wurde, erlosch das Geschlecht der B. in Preußen.

Bischöfliche Kirche, s. v. w. anglikanische Kirche.

Bischofsburg (Bischburg), Stadt im preuß. Regierungsbezirk Königsberg, Kreis Rössel, an der Dimmer, 8 km von der Eisenbahnstation Rothfließ (Thorn-Insterburg), Sitz des Landratsamts und eines Amtsgerichts, hat Dampfmühlen und (1880) 4071 Einw. (944 Evangelische, 2944 Katholiken).

Bischofsheim, 1) B. vor der Rhön, Stadt im bayr. Regierungsbezirk Unterfranken, Bezirksamt Neustadt a. S., an der Brend, 458 m ü. M., am Fuß der Rhön und an der Eisenbahn Fulda-Neustadt a. S. (im Bau), hat ein Amtsgericht, eine Holz-^[folgende Seite]