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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Bisyllabisch; Bit; Bitaubé; Bitburg; Biterolf; Bitetto; Bitheïsmus; Bithynien

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Bisyllabisch - Bithynien.

gegenüber sind neun andre Personen hintereinander stehend dargestellt, aber je weiter nach hinten, desto mehr an Größe zunehmend, alle die Hände auf den Rücken gebunden, mit Stricken um den Hals und bis auf den letzten, der eine spitze Mütze trägt, ohne Kopfbedeckung. Sie stellen neun von Dareios besiegte und getötete aufständische Könige dar. Über der Gruppe ist Ahuramasda (Ormuzd) dargestellt, welcher den König segnet und ihm mit der Linken eine Krone reicht. An Kunstwert stehen die Skulpturen von B. hinter denen von Persepolis zurück. Übrigens war die Bedeutung des Bildwerks schon nach einem Jahrhundert von den Anwohnern so weit vergessen, daß Ktesias (unter Artaxerxes II.) dasselbe der assyrischen Vorzeit (der Königin Semiramis) zuschreiben konnte. Das Verdienst, die Inschriften (die in 100 m Höhe über der Thalebene angebracht sind) zuerst kopiert und entziffert zu haben, gebührt dem Engländer Rawlinson; eine vollständige Übersetzung derselben findet sich in Opperts Werk "Le peuple et la langue des Mèdes" (Par. 1879). Die Gegend um B. ist das alte, an Pferden reiche Weideland Bagistana (altpers. Bâghastâna, "Götterort"), wo Alexander d. Gr. mehrere Wochen mit seinem Heere rastete, ehe er weiter nach Ekbatana zog. Vgl. Spiegel, Die altpersischen Keilinschriften (Leipz. 1862).

Bisyllabisch (lat.), zweisilbig.

Bit (engl., "Bissen, Stückchen"), Name kleiner Münzen, besonders in Westindien und Nordamerika.

Bitaubé (spr. -tobé), Paul Jérémie, franz. Dichter, geb. 24. Nov. 1732 zu Königsberg i. Pr. als Sprößling einer Emigrantenfamilie, studierte zu Frankfurt a. O. anfangs Jurisprudenz und Theologie, widmete sich dann ganz den schönen Wissenschaften und erregte durch seine Übersetzung des Homer die Aufmerksamkeit Friedrichs d. Gr., der ihn in die Berliner Akademie aufnahm und ihm die Erlaubnis erteilte, sein Werk in Paris zu vollenden. 1795 zum Mitglied des Nationalinstituts ernannt, starb er 22. Nov. 1808 in Paris. Seine in Prosa abgefaßte Übersetzung der "Iliade" (1762, 1780, 2 Bde.) und der "Odyssee" (1785) ist trocken und poesielos, hatte aber einen großen Erfolg. Außerdem schrieb er Gedichte in Prosa: "Joseph" (Berl. 1767) und "Guillaume de Nassau" (Amsterd. 1773; neu u. d. T.: "Les Bataves", Par. 1796), und lieferte eine mittelmäßige Übersetzung von Goethes "Hermann und Dorothea" (1800, neue Ausg. 1865). Seine "Œuvres complètes" erschienen 1804 zu Paris in 9 Bänden. Vgl. Berr, Essai sur la vie et les ouvrages de B. (Nancy 1809).

Bitburg, Kreisstadt im preuß. Regierungsbezirk Trier, 335 m ü. M., zwischen der Nims und Kyll, 6 km von der Eisenbahnstation Erdorf-B. (Köln-Trier), hat 1 Amtsgericht, 1 evangelische und 2 kathol. Kirchen, 1 Landwirtschaftsschule, 1 altes Schloß und (1880) 2640 meist kathol. Einwohner. B., ursprünglich ein römisches Kastell (Beda, später Bedonisburgum), von dem noch Mauerüberreste vorhanden sind, erhielt 1262 Stadtrecht. 5 km von B. bei Fließem gut erhaltene Mosaikböden, Überbleibsel eines Jagdschlosses des römischen Kaisers Hadrian.

Biterolf, 1) Name eines deutschen Dichters vom Ende des 12. Jahrh., der nach dem Bericht des Rudolf von Ems in dessen "Alexander" eine Bearbeitung der Sage von Alexander d. Gr. verfaßt haben soll. Dieses Gedicht ist bis jetzt nicht aufgefunden worden.

2) Einer der am sagenhaften Wartburgkrieg beteiligten Sänger, über den sonst nichts bekannt ist. In der Chroniksage wird er einfach erwähnt, im ältern Gedicht ist er Gegner Heinrichs von Ofterdingen und preist insbesondere den Grafen von Henneberg.

Biterolf, mittelhochdeutsches episches Gedicht in kurzen Reimpaaren, aus dem Ende des 12. Jahrh., vielleicht von dem Verfasser der "Klage" (der "Nibelungen"). Das Gedicht umfaßt 16 Abenteuer in ca. 13,500 Versen. Zu Biterolf, dem König von Tolet (Toledo), dem sein Weib Dietlinde einen Sohn, Dietlieb, geboren hat, kommt ein Pilger und erzählt von Etzels Macht und Helkens Milde so viel, daß der König sich entschließt, ins Hunnenland zu ziehen. Ohne jemand das Ziel seiner Reise zu bezeichnen, entfernt er sich von der Heimat, kommt zu Etzel, bleibt bei ihm und streitet unter seinen Rittern, ohne sich zu erkennen zu geben. Indes macht sich Dietlieb, obgleich noch Kind, auf, den Vater zu suchen, trifft auch auf Etzelburg ein und sieht den Vater, ohne ihn jedoch zu erkennen oder erkannt zu werden, bis sie selbst miteinander gekämpft haben. Nachdem alles aufgeklärt ist, fechten Vater und Sohn noch manche blutige Fehde für Etzel siegreich durch, so daß dieser ihnen das Land Steier schenkt. Das Werk ist wahrscheinlich eine dem höfischen Geschmack angepaßte Umarbeitung eines ältern Gedichts. Fremde Sagenkreise sind in den deutschen hereingezogen, namentlich sind Einflüsse britischer Romane wahrzunehmen. Nach der Wiener (Ambraser) Handschrift abgedruckt findet sich das Gedicht in v. d. Hagens "Heldenbuch", Bd. 1 (Berl. 1820). Eine kritische Ausgabe besorgte O. Jänicke in "Deutsches Heldenbuch", Bd. 1 (Berl. 1866).

Bitetto, Stadt in der ital. Provinz Bari, an der Eisenbahn von Bari nach Taranto, hat eine interessante, 1325 begonnene Kathedrale (dreischiffige Basilika im Übergangsstil) und (1881) 5579 Einw. Das Bistum B. wurde 1818 aufgehoben.

Bitheïsmus (lat.-griech.), Zweigötterei.

Bithynien, alte Landschaft im nordwestlichen Kleinasien, welche gegen W. und N. von der Propontis (Marmarameer) und dem Pontos Euxinos (Schwarzes Meer), gegen S. vom Olympos (Keschisch Dagh) und etwa 40° nördl. Br. begrenzt war. Gegen O. trennte es der Parthenios (jetzt Bartan Su) von Paphlagonien; im S. waren die anstoßenden Länder Galatien, Phrygien und Mysien. Das Land ist im O. und S. mit waldreichen Gebirgen erfüllt (außer dem Olympos bei Prusa der Orminios, jetzt Ischik Dagh, im O.); die niedrigere und von fruchtbaren Thälern durchschnittene Westhälfte enthält einige große Landseen, wie den Askanischen (Isnik Göl), an dem Nikäa (Isnik), den Artynischen, an welchem Apollonia (Bullonia) lag. Hier im W. schneiden auch zwei Meerbusen tief ins Festland ein: der von Astakos (Ismid Körfesi) und der von Kios (Indschir Liman). Der Hauptstrom ist der Sangarios (Sakaria); außerdem der Billäos (jetzt Filias) in der Osthälfte. Als Hauptprodukte werden Marmor, Schiffbauholz, Getreide und Hülsenfrüchte, Feigen, Wein und Käse aufgeführt. In B. waren thrakische Stämme angesiedelt, in zusammenhängender Masse und unter eignen Fürsten, Thyner und Bithyner genannt; erstere auch auf europäischem Boden seßhaft, letztere wenig hervortretend, weil sie mehr landeinwärts wohnten in einem Gebiet, das von den großen Verkehrsstraßen abseits lag. Unter den Städten sind zu nennen: die von Athenern und Megarern gegründete Kolonie Astakos (auch Olbia) am gleichnamigen Golf, von Lysimachos zerstört, worauf Nikomedes die Bewohner etwas nördlicher in Nikomedia (s. d.) ansiedelte, welches das ganze Mittelalter hindurch