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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Bjel - Björneborg.

Bjel... (Bjelo..., slaw.), s. v. w. weiß (in zusammengesetzten geographischen Namen häufig).

Bjela (Biala), Kreisstadt im russisch-poln. Gouvernement Sjedlez, an der Krzna, hat ein Schloß des Fürsten Radziwill, 3 Kirchen, 1 Gymnasium und (1879) 19,435 Einw., welche bedeutende Gärtnerei, auch Getreidehandel treiben.

Bjelaja ("die Weiße", von der Farbe ihres Wassers), Fluß im russ. Gouvernement Orenburg, entspringt im Ural am Berg Iremel (1550 m hoch), fließt in großem, nach S. gerichtetem Bogen westwärts zur Kama, nachdem sie zuvor rechts den Inzer mit Sim, die sehr bedeutende Usa und den Tanym, links den Urschak und die Dema aufgenommen; ihre Länge beträgt 1270 km. Von Sterlitamak (53½° nördl. Br.) an ist die B. schiffbar. Am Ausfluß hat sie 650 m Breite und 5 m Tiefe; im Frühjahr steigt sie dort um 9 m.

Bjelbog, in der Mythologie der Nordslawen der "weiße" oder gute Gott, im Gegensatz zum schwarzen, bösen (s. Tschernebog).

Bjélew, Kreisstadt im russ. Gouvernement Tula, an der Oka, hat 19 Kirchen und (1881) 9171 Einw. Die früher lebhafte Industrie und der ausgedehnte Handel mit Lederwaren, Lichten, Eisen-, Kupfer- und Stahlwaren (Tischmessern) sind neuerdings sehr zurückgegangen. Die Stadt gehörte bis Ende des 14. Jahrh. zu Litauen und kam dann an das Großfürstentum Moskau. In B. starb auf der Rückkehr von Taganrog die Kaiserin Elisabeth; das Todeshaus ist zu einem Witwenasyl umgewandelt und der Kaiserin ein Denkmal errichtet worden.

Bjélgorai (Bilgorai), Kreisstadt im russisch-poln. Gouvernement Lublin, 18 km von der Grenze Galiziens, hat (1879) 6705 Einw. und Fabriken von Hüten und Sieben aus Pferdehaaren (jährlicher Export 1½ Mill. Stück).

Bjélgorod ("weiße Stadt"), 1) Kreisstadt im russ. Gouvernement Kursk, am Donez und an der Eisenbahn Kursk-Charkow, hat mit seinen drei Vorstädten einen Umfang von mehr als 9 km, gerade, regelmäßige Straßen, 2 Klöster, 13 Kirchen, 2 Kreisschulen und (1879) 16,097 Einw., welche Lederfabrikation, Seifen- und Talgsiederei, Lichtzieherei, Ziegelei, Kalkbrennerei und Handel mit Wolle, Leder, Honig, Wachs, Talg und Schweineborsten treiben. B. ist Sitz eines Erzbischofs und hat drei wichtige Märkte. Die Stadt wurde um 980 erbaut, stand anfangs auf einem Kreideberg (daher der Name) am linken Ufer des nördlichen Donez, wurde durch die Tataren zerstört und darauf 1597 in das Thal auf dem rechten Ufer des Flusses verlegt, wo Sarkel gestanden haben soll. Von B. hat die Bjelgorodische Linie ihren Namen, ein unter dem Zaren Michael Fedorowitsch als Verschanzungslinie gegen die Tataren gezogener, über 300 km langer Graben von der Ukraine bis zum Don. - 2) Stadtteil von Moskau (s. d.). - 3) S. Akjerman.

Bjelina, Bezirksstadt im NW. von Bosnien (Kreis Zvornik), mit (1879) 6090 Einw. (darunter 4560 Mohammedaner), ist Garnisonsort und Sitz eines Bezirksgerichts.

Bjeloi Ostrow ("weiße Insel"), eine Insel im Karischen Meer an der Nordspitze der Halbinsel Jalmal (Samojedenhalbinsel).

Bjélo Osero ("weißer See"), Landsee im russ. Gouvernement Nowgorod, 1125 qkm (20,43 QM.) groß, hat weißen Mergelboden und erhält nach Stürmen von dem aufgerührten Mergelschlamm ein weißlich-trübes Wasser, woher sein Name rührt. Er ist reich an Stören, Hechten, Brachsen, Barschen, Rotfedern, Quappen etc. Der Marienkanal verbindet ihn mit dem Onegasee.

Bjelopaschzen, s. Belopaschzen.

Bjelopolje, Stadt im russ. Gouvernement Charkow, an den Flüssen Wira und Kriga, mit Wall und Graben umgeben, mit (1881) 12,578 Einw., welche Branntweinbrennerei, Landwirtschaft und Handel treiben. B. ward 1672 erbaut.

Bjelosersk, Kreisstadt im russ. Gouvernement Nowgorod, unweit des Ausflusses der Scheksna aus dem Bjelo Osero, durch eine Brücke mit einer auf der Bergseite liegenden Citadelle verbunden, mit (1881) 4286 Einw., welche Fischerei, Teerbrennerei, Lichtzieherei, Heiligenbildermalerei, Goldschmiedekunst, Bierbrauerei, Ziegelei und Handel mit Landesprodukten treiben. In der Nähe der Stadt Steinkohlengruben und eine Fabrik zur Gewinnung von Schwefel aus Schwefelkies. B. wurde 862 gegründet und war vom 10. bis 14. Jahrh. Sitz eines Fürstentums.

Bjelostok, Stadt, s. Bialystok.

Bjelsk, Kreishauptstadt im russ. Gouvernement Grodno, in einer getreidereichen Gegend an der Bjelianka und an der Russischen Südwestbahn, hat 5 Kirchen, (1879) 9763 Einw., mehrere Fabriken und ein kaiserliches Salzmagazin. Auf den drei großen Märkten, welche B. abhält, werden besonders Geschäfte in Korn, Vieh, Wolle, Leder, Hanf, Flachs und Leinenwaren gemacht. Ehemals war B. die Hauptstadt von Podlachien und der Woiwodschaft B. Es wurde 1795 durch die dritte Teilung Polens preußisch und kam infolge des Tilsiter Friedens 1807 an Rußland. Am 22. Mai 1831 fand hier ein Treffen zwischen Russen und Polen statt.

Bjélucha (Katunjasäulen), Berg, s. Altai.

Bjelyi, Kreishauptstadt im russ. Gouvernement Smolensk, an der Obscha, einem Nebenfluß der Düna, hat 5 Kirchen, mehrere industrielle Etablissements und (1879) 6904 Einw., welche lebhaften Handel, namentlich mit Cerealien, Wolle und Leder nach den Ostseeprovinzen, sowie auch stark besuchte Jahrmärkte unterhalten.

Bjelzy, Hauptstadt des Jassyschen Kreises im russ. Gouvernement Bessarabien, am Reut, einem Nebenfluß des Dnjestr, hat 4 Kirchen, worunter eine schöne griechische Kathedrale, einen Bazar, ein kaiserliches Salzdepot und (1879) 9145 Einw., welche starke Viehzucht und Handel mit Obst und Gartenfrüchten betreiben.

Bjéshezk, Kreisstadt im russ. Gouvernement Twer, an der Mologa, einem Nebenfluß der Wolga, hat ein großes Invalidenhospital, 4 Kirchen und (1880) 5866 Einw., welche Eisenwaren, besonders in ganz Rußland berühmte Sensen und Sicheln, sodann Äxte, Beile, Nägel etc., fabrizieren und Handel mit Getreide, Hanf, Flachs und Leinwand treiben. B. versendet jährlich über 1 Mill. leinener Säcke. Es gehörte ehemals zum Freistaat Nowgorod und kam erst unter Iwan Wasiljewitsch, der die Stadt belagerte und eroberte, an Rußland.

Björneborg (russ. Beresowoi Proliw), Stadt im finn. Gouvernement Abo-B., an der Mündung des Kumo in den Bottnischen Golf, auf einem Berg, hat eine lutherische Kirche und (1880) 8718 Einw. (wovon 7443 Finnen und 1260 Schweden), welche Gerberei, Leinweberei, Ziegelei und Teerschwelerei, Schiffbau und lebhaften Handel betreiben. Die Einfuhr (zur Hälfte aus Deutschland) wertete 1883: 2,15 Mill. finn. Mark, die Ausfuhr (überwiegend Holz nach England, Spanien, Frankreich, Deutschland)