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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Blanchieren - Blandrata.

Blanchieren, Nahrungsmittel vor der eigentlichen Zubereitung kurze Zeit mit Wasser kochen, um sie für gewisse Zwecke handlicher zu machen, oder um, wie beim Gemüse, gewisse nicht zuträgliche Bestandteile zu beseitigen. Blanchiertes Gemüse besitzt einen weniger strengen Geschmack und bläht nicht.

Blanchinius, s. Bianchini.

Blanckarts, Moritz, Maler und Schriftsteller, geb. 16. April 1839 zu Düsseldorf, bezog, von den Genremalern Pläschke und Vautier vorgebildet, 1856 die Düsseldorfer Akademie, war dann Schüler von Chr. Köhler, Leutze und Hünten und vervollständigte seine Ausbildung durch verschiedene Reisen. B. behandelte Schlachten und Gefechtsszenen sowie auch friedliche Episoden aus dem Soldatenleben dieses Jahrhunderts, zuerst aus den Kriegen gegen Napoleon, unter andern: Theodor Körners Tod (1859), Ferdinand v. Schills Tod (1860), General v. York in der Schlacht bei Möckern (1862), dann auch aus den letzten Kriegen, so: König Wilhelm bei Königgrätz; der Kronprinz von Preußen, die Bayern nach dem Sieg von Wörth begrüßend; der Ausmarsch der Franzosen aus Metz; Bazaine bei Mars la Tour. Als Poet trat er mit einigen Dramen ("Johann von Schwaben", "Adolf von Nassau", "Königin Adelheid", "Fürs Vaterland") und gesammelten "Gedichten" (2. Aufl., Stuttg. 1879) auf. Außerdem schrieb er "Düsseldorfer Künstler. Nekrologe aus den letzten zehn Jahren" (Stuttg. 1877). Er starb 12. April 1883 in Stuttgart.

Blanckenburg, Moritz Karl Henning von, konservativer Politiker, geb. 25. Mai 1815 auf dem Familiengut Zimmerhausen in Pommern (Kreis Regenwalde), besuchte das Gymnasium zum Grauen Kloster in Berlin und studierte daselbst die Rechte und Staatswissenschaften. Nachdem er am Gericht zu Stettin und am Kammergericht in Berlin gearbeitet hatte, trat er 1843 aus dem Staatsdienst, um die Verwaltung der väterlichen Güter zu übernehmen. Daneben war er auf den Kommunal- und Provinziallandtagen vielfach thätig und wurde 1851 in das Abgeordnetenhaus gewählt. Seitdem gehörte er diesem, dann auch dem norddeutschen und deutschen Reichstag bis 1873 ununterbrochen an. Gleich bei seinem Eintritt in das parlamentarische Leben schloß er sich der äußersten Rechten (damals Fraktion Gerlach) an, und dieser Partei blieb er in allen Phasen der Entwickelung Preußens treu. Allmählich ward er ihr parlamentarischer Führer. Als Bismarck nach dem Krieg 1870/71 den Kampf gegen die römische Hierarchie begann, sich den Liberalen näherte und die Gesetze über Schulaufsicht, Zivilehe u. a. vorlegte, zog sich B. vom politischen Leben gänzlich zurück, da er diese Wendung des ihm seit langem befreundeten Reichskanzlers nicht billigen konnte, ihm aber auch nicht entgegentreten mochte.

Blanc-manger (franz., spr. blang-mangscheh, "weißes Essen"), aus Sahne, Mandelmilch etc. mit Hausenblase unter Zusatz von Vanille oder anderm Gewürz bereitetes Gelee.

Blanco, s. Blanko.

Blanco, Antonio Guzman, Präsident der Republik Venezuela, Sohn des berühmten Statistikers Leocadio Guzman B., zeichnete sich schon als junger Mann durch seine politischen Artikel in der Presse und als liberaler Parteigänger aus. Während des Bürgerkriegs von 1866 bis 1867 kämpfte er auf der Seite der Föderalisten unter General Falcon. Als während der Abwesenheit Falcons Venezuela sich wieder der Anarchie preisgegeben sah, setzte B. 1870 die sogen. Aprilrevolution ins Werk und wurde zum provisorischen Präsidenten der Republik ernannt. Drei Jahre waren indes nötig, vollständig Ordnung im Land zu schaffen. Während dieser Zeit übte General B., vom Kongreß autorisiert, eine Art liberaler Diktatur aus, welche Venezuela vollständig regenerierte, worauf er im Februar 1873 zum Präsidenten der Republik auf vier Jahre ernannt wurde. Diese Periode war die glücklichste Venezuelas seit seiner Trennung von Spanien. B. führte in allen Zweigen des öffentlichen Lebens Reformen ein. Er mehrte den öffentlichen Kredit und verbesserte die Einkünfte, knüpfte engere Beziehungen mit den europäischen Mächten an, führte Schulen, selbst in den indianischen Dörfern, ein, gründete wissenschaftliche Institute, Museen und Akademien, eröffnete neue Straßen und die erste Eisenbahn des Landes, baute Kanäle und verschönerte die Städte. Er trat 20. Febr. 1877 von der Macht ab, nachdem er noch durch einen neuen Code das Recht des Landes rekonstruiert hatte. Sein Nachfolger Alcantara konnte ihn in keiner Weise ersetzen, und so kam es zu heftigen Parteikämpfen. Da sich eine mächtige Partei zu gunsten Blancos aussprach, namentlich auch das Heer zuletzt auf seine Seite trat, war die Revolution in 40 Tagen gemacht, und B. wurde 12. Mai 1879 zum provisorischen Präsidenten gewählt. Er eilte von Paris, wo er gerade war, nach Venezuela und wurde enthusiastisch begrüßt. Er berief sogleich einen Delegiertenkongreß, dem er einen neuen Reorganisationsplan vorlegte, und stellte in wenigen Monaten die Ordnung her. 1884 legte er die Regierung nieder.

Blanco, Kap, s. Weißes Vorgebirge.

Bland (spr. bländ), Nathanael, engl. Orientalist, kam 1823 in das Christ Church College zu Oxford, erhielt daselbst 1825 den Grad eines Bachelor und widmete sich nun ganz der morgenländischen Philologie. Er starb 10. Aug. 1865. Die Mehrzahl seiner Arbeiten erschien in dem "Journal" der Royal Asiatic Society, darunter: "Account on the Atash Kedeh, a biographical work on the Persian poets", "On the earliest Persian biography of poets", "On the Persian game of chess" u. a. Auch gab er Nizâmis Dichtung "Makhzanalasrâr" (1844) heraus.

Blandbill ist der Name eines nordamerikan. Münzgesetzes vom 28. Febr. 1878, welches einer lebhaften Agitation für Wiederherstellung der Doppelwährung folgte. Dasselbe bestimmt, daß auf Rechnung des Schatzamtes monatlich mindestens 2 Mill. und höchstens 4 Mill. Silberdollars im Wertverhältnis von 1:15,988 geprägt, in Umlauf gebracht werden und an allen öffentlichen Kassen als gesetzliches Zahlungsmittel gelten sollen. Vgl. Cernuschi, Le Bland Bill (Par. 1879).

Blandiloquenz (lat.), Schmeichelrede.

Blanditien (lat.), Schmeicheleien, Liebkosungen.

Blandrata (eigentlich Biandrata), Giorgio, Stifter der Unitarier in Polen und Siebenbürgen, geboren um 1515 zu Saluzzo in Piemont aus adligem Geschlecht, mußte wegen freierer Religionsansichten sein Vaterland verlassen und bekannte sich in Genf zu Calvins Lehren. Wegen seiner antitrinitarischen Meinungen mit diesem zerfallen, begab er sich 1558 nach Polen und von da, auf Calvins Anstiften verfolgt, 1563 nach Siebenbürgen zu dem Fürsten Johann Siegmund, der ihn zu seinem Leibarzt machte. Hier verschaffte er den Unitariern freie Religionsübung. Zum Geheimrat erhoben, gewann er bedeutenden Einfluß und starb um 1590, angeblich von seinem Neffen im Schlaf erwürgt. Er hat einige Abhandlungen und socinianische Kontroversschriften hinterlassen. Sein "Antitrinitarisches Glaubens-^[folgende Seite]