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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Blässe; Blastem; Blastodérm; Blastoideen; Blatna; Blatt

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Blässe - Blatt.

Hautstelle darbietet, und von einer B. der Haut erst sprechen, wenn diese rein weiß aussieht. Die B. betrifft entweder nur einzelne Teile des Körpers, namentlich häufig solche isolierte Gebiete, welche dem Stromgebiet eines bestimmten Blutgefäßes oder der Ausbreitung eines Nervs angehören, oder sie ist dem ganzen Körper mitgeteilt. 1) Im erstern Fall sind die Ursachen örtliche oder allgemein von ganz vorübergehender Art, so kann z. B. der Verschluß oder das Zudrücken einer Schlagader das zugehörige Organ blaß (anämisch) machen, ohne daß andre Gebiete in eine Mitleidenschaft gezogen werden; ein Schrecken, Angstgefühl oder ähnliche heftige Gemütseindrücke, Kälte, Ohnmacht, Übelkeit, Fieber können B. der Haut hervorbringen, während die innern Organe strotzend mit Blut gefüllt sind; aber da diese B. durch einen nervösen Krampf der kleinsten Hautgefäße bedingt wird, so kann sie, entsprechend dem Wesen eines Krampfes, nie von langer Dauer sein. Sobald nach einigen Minuten der Krampf nachläßt, strömt das Blut um so stärker in die nunmehr erschlaffenden Gefäße ein, und so kommt es, daß derartigen Zuständen von B. regelmäßig mehr oder weniger lang dauernde Perioden von auffallender Röte nachfolgen. 2) Die allgemeine B. ist ungleich wichtiger, da sie stets der Ausdruck einer mangelhaften Ernährung der Gewebe ist. Die Ursache kann hier in großen Blutverlusten, also einem wirklichen Mangel an Blut, liegen, und sie ist in diesen Fällen ein Symptom besonders der als Bleichsucht (s. d.) und Blutarmut (s. d.) bekannten Krankheiten. Einer Behandlung bedarf die einfache B. nicht. Die B. des Gesichts wird durch Einatmen von Amylnitrit sofort vorübergehend in eine starke Röte umgewandelt.

Blässe (Bläßhuhn), s. v. w. Wasserhuhn.

Blastem (griech. Blastema), in der Botanik jedes mit einem selbständigen Wachstumsscheitel versehene Zellgebilde, wie Wurzel, Stengel und Blatt der Pflanze, im Zustand der ersten Anlage.

Blastodérm, s. Ei.

Blastoideen, s. Krinoideen.

Blatna, Stadt in Böhmen, Sitz einer Bezirkshauptmannschaft und eines Bezirksgerichts, hat ein mitten in einem Teich stehendes Schloß mit schönem Park, eine gotische Kirche (von 1444), Zuckerfabrik, Schuhwarenerzeugung und (1880) 3141 Einw.

Blatt (Folium), in der botan. Morphologie eine der Grundformen, auf welche die verschiedenen Glieder des Pflanzenkörpers sich zurückführen lassen, und zwar versteht man darunter alle diejenigen Ausgliederungen eines Stengelorgans, welche aus dem Wachstumsscheitel desselben als primäre, wesentlich von jenem verschiedene Bildungen hervorgehen. Hiernach unterscheiden sich die Blätter oder Phyllome sowohl von den Haargebilden oder Trichomen, welche erst nach der Anlage der primären Ausgliederungen sekundär an ihrer Oberfläche entstehen, als auch von allen Stammorganen oder Kaulomen, welche an ihrer Spitze Glieder gegensätzlicher Bildung erzeugen. Aus dem fortwachsenden Scheitel eines Stammorgans können daher sowohl neue Stamm- als Blattanlagen hervorgehen, aus einem jungen Blattscheitel nur die Anlagen von neuen Blattabschnitten. Wenn in einigen Fällen an Wurzeln oder Blättern Knospen, also blattartige Sprosse, auftreten, so geschieht dies nicht an dem primären Wachstumsscheitel dieser Organe, sondern an beliebigen, durch sekundäre Vorgänge bedingten Stellen. In der Regel erscheinen die Blätter in seitlicher Stellung zum Stamm, und viele Morphologen legen hierauf besonderes Gewicht, doch ohne rechten Grund, da es auch echte, das Ende eines Sprosses abschließende, d. h. terminale, Blätter gibt.

Das B. ist nur an Pflanzen mit echten Stengeln zu finden; diesen kommt es aber auch allgemein zu und ist somit von den Moosen an aufwärts, einschließlich dieser, vertreten. Dagegen fehlt es den mit einem Thallus versehenen Kryptogamen, nämlich den Pilzen, Flechten und Algen, obgleich unter den letztern bereits Gebilde auftreten, die als Analoga der Blätter, nicht aber als diesen gleichwertige Bildungen angesehen werden können.

Das Hervortreten der ersten Anlage eines Blattes am Umfang der noch blattlosen, in der Fortbildung begriffenen Stengelspitze besteht darin, daß eine oder mehrere nebeneinander liegende Zellen, die bis dahin der Oberfläche der Stengelspitze angehörten, sich nach außen vorwölben und dadurch eine schwache Erhebung auf derselben hervorbringen. Indem nun diese Zellen und meist auch die zunächst unter ihnen liegenden sich stärker als die übrigen Zellen des Stengelumfanges in der Richtung des Radius des Stengels durch Zellenteilung vermehren, wird aus jener Erhebung der Oberfläche allmählich ein kleiner, meist stumpf konischer Zellgewebshöcker am Umfang der Stengelspitze. Anfänglich vermehren sich alle Zellen desselben gleichmäßig, das Wachstum an der Spitze aber hört sehr bald auf, und indem nur die übrigen Zellen fortfahren, sich zu teilen, wächst die junge Blattanlage in allen ihren Teilen mit Ausnahme der Spitze. Die Richtungen, in denen diese Zellenteilungen erfolgen, und der Grad, in dem dies geschieht, bestimmen die zukünftige Gestalt des Blattes. Vielfach erlischt das Wachstum zuletzt an der Basis; zumal bei einfachen, langen Blättern ist dieser Teil, wenn das B. schon eine ansehnliche Größe erreicht hat, allein noch im Wachstum begriffen.

[Blattstellung.] Die gegenseitige Anordnung, welche die Blätter am Stengel einnehmen, ist keineswegs eine regellose; vielmehr geben sich hierin überraschende, feste Gesetze kund, welche man in eine eigne Disziplin, die Lehre von der Blattstellung (Phyllotaxis), zusammenzufassen pflegt, deren Begründer Schimper und A. Braun (1835) und L. und A. Bravais (1838) sind. Zunächst gibt es zwei Hauptverschiedenheiten der Blattstellung, indem entweder die Blätter einzeln stehen, d. h. keins mit einem ändern auf gleicher Höhe, oder indem immer zwei oder mehr Blätter in gleicher Höhe entspringen. Im erstern Fall spricht man von abwechselnden oder wechselständigen (folia alterna), im letztern von wirtel- oder quirlständigen Blättern (folia verticillata) und insbesondere von paarigen oder gegenständigen (folia opposita) da, wo zwei Blätter auf gleicher Höhe und dann stets einander gerade gegenüberstehen. Wenn man an einem Stengel mit wechselständigen Blättern in der Art von unten nach oben fortschreitet, daß man alle Blätter, wie sie nach aufwärts aufeinander folgen, berührt, so beschreibt man eine den Stengel umwindende Spirallinie, die sogen. Grundspirale. Hierbei ergibt sich nun erstens die Eigentümlichkeit, daß das Stück der Stengelperipherie, welches man mit der Spirale umlaufen muß, um von einem B. zum nächsten zu gelangen, bei sämtlichen Blättern des Stengels gleich groß ist. Dieses Bogenstück heißt die Divergenz der Blätter; sie läßt sich in Bruchteilen der Stengelperipherie ausdrücken. Dabei besteht aber eine zweite Eigentümlichkeit darin, daß diese Brüche rationale Teile der Peripherie sind, woraus folgt, daß jedesmal nach einer bestimmten Anzahl von Blättern ein