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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Bleichert; Bleichflüssigkeit; Bleichkalk; Bleichlorid; Bleichpulver; Bleichsoda; Bleichsucht

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Bleichert - Bleichsucht.

ner. B. ist Geburtsort des Geographen Petermann. Westlich dabei die 465 m hohen Bleicheroder Berge mit der Löwenburg.

Bleichert, s. Bleichart.

Bleichflüssigkeit, s. Eau de Javelle.

Bleichkalk, s. Chlorkalk.

Bleichlorid (Chlorblei) PbCl2 ^[PbCl_{2}] findet sich in der Natur als Cotunnit und in Verbindung mit kohlensaurem Blei als Bleihornerz, mit phosphorsaurem Blei als Pyromorphit; man erhält es aus konzentrierten Lösungen von Bleisalzen aus Zusatz von Chlorwasserstoffsäure oder Chlornatrium oder beim Behandeln von Bleioxyd, Bleiweiß und Bleiglanz mit Chlorwasserstoffsäure; auch metallisches Blei verwandelt sich bei Einwirkung dieser Säure an der Luft in B. Dasselbe kristallisiert in farblosen Nadeln, löst sich in 135 Teilen kaltem, weniger in salzsäurehaltigem, leichter in heißem Wasser und in konzentrierter Salzsäure; es schmilzt leicht und erstarrt hornartig, ist nicht flüchtig und bildet leicht basische Chloride, von denen sich mehrere in der Natur finden (Matlockit, Mendipit). Das Oxychlorid PbO,PbCl2 ^[PbO,PbCl_{2}] entsteht beim Fällen einer Lösung von B. (welche man aus Bleiglanz und Salzsäure darstellt) mit Kalkwasser; es ist farblos, sehr locker, deckt gut und wird unter dem Namen Pattinsons Bleiweiß als Anstrichfarbe benutzt. Man erhält es auch, wenn aus Bleizuckerlösung mit Salzsäure gefälltes B. mit basisch essigsaurem Blei (Bleiessig) digeriert wird, bis es sich in Oxychlorid verwandelt hat. Das Präparat hat einen Stich ins Bräunliche, welcher aber bei Zusatz von etwas Blau oder Schwarz kaum zu bemerken ist. Das Bleiweiß kann es nicht ersetzen. Ein andres basisches B. ist das Kasseler Gelb (Mineralgelb, Mengel), welches man durch Schmelzen von Bleiglätte mit Salmiak erhält. Es erstarrt großblätterig-kristallinisch, ist rein zitronengelb, ziemlich beständig, dient als Öl-, Kalk- und Wasserfarbe und gibt mit Berliner Blau ein schönes Grün. Alle weißen basischen Bleichloride geben beim Erhitzen eine ziemlich schöne gelbe Farbe und beim Zusammenschmelzen mit Bleiglätte in gehörigen Verhältnissen Turners Gelb, Englischgelb, Patentgelb, Montpelliergelb, welche indes jetzt kaum noch Anwendung finden. Durch Behandeln von Bleiglätte mit Kochsalzlösung oder durch Fällen von basisch essigsaurem Bleioxyd mit Kochsalz erhaltene basische Bleichloride werden zur Darstellung von Chromgelb benutzt.

Bleichpulver, s. Chlorkalk.

Bleichsoda, s. Eau de Javelle.

Bleichsucht (Chlorose), eine Art der allgemeinen chronischen Blutarmut (s. d.), welche vorzugsweise bei heranwachsenden Mädchen, aber auch bei jungen Männern vorkommt und weniger aus einer Verminderung der Blutmenge als aus einer mangelhaften Ernährung der Gewebe und Organe beruht. Als Ursache liegt der B. stets eine dürftige Anlage des Gefäßapparats, besonders des Herzens, zu Grunde (Virchow), und daher kommt es, daß gerade in der Periode der schnellen Entwickelung des Körpers in den Pubertätsjahren sowie zuzeiten der Schwangerschaft bei Frauen und bei Beginn härterer körperlicher Arbeit bei jungen Männern die Störungen der B. zu Tage treten. Sind also Personen mit dieser fehlerhaften Anlage schon unter ganz normalen Verhältnissen des Lebens zu B. disponiert, so steigert sich die Erscheinung noch erheblich, wenn starke Blutverlust (Menorrhagien), Säfteverluste, Aufenthalt in ungesunden Räumen oder irgend einer derjenigen Umstände hinzukommt, welche unter den Ursachen der Blutarmut aufgeführt sind. Das augenfälligste Zeichen der B. besteht in der bleichen Beschaffenheit der äußern Haut, der Lippen, des Zahnfleisches, der Bindehaut der Augen. Die wachsartig durchscheinende Haut hat manchmal ein gelbliches bis blaßgrünliches Kolorit. Vorübergehend kann auch Rötung einzelner Hautstellen vorkommen. Bei manchen Fällen von B. werden leichte wassersüchtige Anschwellungen um die Knöchel herum, im Gesicht, an den Augenlidern beobachtet, welche aber meist ebenso schnell vergehen, wie sie entstanden sind. Die Kranken kommen beim schnellen Gehen, beim Treppensteigen etc. sehr leicht außer Atem; sie ermüden leicht, klagen über Schwere in den Füßen und über Schmerzen in den Muskeln. Häufig leiden Bleichsüchtige auch an Nervenschmerzen im Gesicht und namentlich an Magenschmerz. Gewöhnlich besteht eine abnorm gesteigerte allgemeine Empfindsamkeit des Körpers und Geistes, eine trübe, gereizte Stimmung, Neigung zum Weinen, oft auch eigentümliche Gelüste nach sauren oder pikanten Speisen, selbst nach ganz ungenießbaren Dingen, wie Kohle, Kreide etc. Fast alle an B. Leidende klagen über Herzklopfen. Der Arzt vernimmt bei der Untersuchung des Herzens und der großen Halsvenen eigentümliche, für die B. charakteristische Geräusche. Abgesehen von den gewöhnlich vorhandenen Magenschmerzen pflegt auch der Appetit vermindert zu sein. Es besteht Verdauungsschwäche, nach dem Essen entsteht Druck und Vollsein in der Magengrube, saures Aufstoßen etc. Übrigens kommt bei B. sehr häufig das gefährliche runde Magengeschwür vor. Die Menstruation fehlt entweder vollständig, oder sie ist spärlich und unregelmäßig oder mit heftigen Schmerzen verbunden. Selten ist die Menstruation eine übermäßig reichliche. Neben der Menstruationsstörung besteht häufig noch ein Katarrh der Gebärmutter und Scheide mit Abfluß eines weißen Sekrets (weißer Fluß). Die allgemeine Ernährung scheint dem Laien zuweilen besonders gut, da Bleichsüchtige zu Fettbildung neigen. Der Verlauf richtet sich ganz danach, ob durch übermäßige Anstrengungen, durch Krankheiten, durch ungesunde Lebensverhältnisse die angeborne Anlage der B. noch gesteigert wird, oder ob sich bei geregelter Lebensweise im weitern Wachstum der Fehler durch Vergrößerung des Herzens wieder ausgleicht. Das Ziel der ärztlichen Behandlung ist in allen Fällen von B. auf gute, kräftige Ernährung gerichtet; der Gebrauch der eisenhaltigen Brunnen von Pyrmont, Driburg, Spaa, eisenhaltige Pillen oder Pulver leisten oftmals ausgezeichnete Dienste, allein es bleiben nicht so ganz wenige Fälle übrig, bei welchen die gewünschte Zunahme der Herzthätigkeit ausbleibt, bei denen trotz aller Mittel die B. unheilbar ist. Andre Fälle erreichen nur eine Art von labilem Gleichgewicht, da ihr Gefäßapparat bei geringen Ansprüchen zwar ausreichende Thätigkeit entfaltet, bei jeder größern Zumutung dagegen, sei es an Arbeit oder durch fieberhafte Krankheiten oder heftige Seeleneindrücke, leichter erlahmt und so eine fortdauernde Gefahr für Rückfälle des Leidens in sich schließt. Vgl. Virchow, Allgemeine Störungen der Ernährung und des Bluts (Erlang 1854); Richter, Blutarmut und B. (2. Aufl., Leipz. 1854); Pfaff, Blutarmut und B. (das. 1870).

Bleichsucht bei Schafen und andern Wiederkäuern ist eine chronische Störung des Allgemeinbefindens, bei welcher das Blut sehr dünnflüssig, nur wenig klebend, fleischwasserähnlich erscheint, nicht leicht