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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Blocksberg - Blois.

Blocksberg, im Volksmund Name des Brockens als der Versammlungsstätte der Hexen (s. d.) in der Walpurgisnacht. Auch andre Höhen in Brandenburg (bei Storkow), Mecklenburg etc. sowie der St. Gerhardsberg bei Budapest (s. d.) führen den Namen B.

Blockschiff, ein altes, abgetakeltes Kriegsschiff, ohne eigentliche Masten, meist bloß mit dünnen Flaggmasten, welches als schwimmende Batterie, Lazarettschiff, Gefangenschiff, Zoll- oder Wachtschiff, Schiffskirche benutzt wird. Blockschrift, s. Egyptienne.

Blocksignalsystem, s. Eisenbahn (Signale).

Blockstation, s. Eisenbahn (Signale).

Blockzucker, s. Traubenzucker.

Blödigkeit, als Eigenschaft im Umgang mit andern, wirklich oder vermeintlich Höhergestellten, hat mit der gewöhnlichen Schüchternheit (s. d.) den Wunsch, zu gefallen, aber auch den Mangel an Mut, zu dem Ende seine (wahren oder Ungebildeten) Vorzüge geltend zu machen, gemein, dagegen den Glauben, solche zu besitzen, der bis zu innerlichem Hochmut und geheimer Selbstgefälligkeit sich steigern kann, vor dieser voraus. Der Mut, der ihr fehlt, ist daher nur ein physischer, jener, welcher der Schüchternheit abgeht, vielmehr ein moralischer; letztere muß erst Vertrauen zu sich selbst gewinnen, während die B., die dieses innerlich längst besitzt, nur der Zuversicht bedarf, es auch äußerlich ohne Anstoß an den Tag legen zu können. Das sogen. Mut-antrinken, welches das schon vorhandene Selbstvertrauen wohl zu stärken und zu Handlungen fortzureißen, das mangelnde aber nicht zu erzeugen vermag, kann daher wohl der B., nicht aber der Schüchternheit unter Umständen zu Hilfe kommen.

Blödsichtigkeit, Volksausdruck sowohl für Lichtscheu als für Schwachsichtigkeit.

Blödsinn (Dementia), der höchste Grad krankhafter Geistesschwäche, das Darniederliegen aller intellektueller Thätigkeit, wie es teils angeboren beim Kretinismus, teils erworben im Verlauf mannigfacher Geisteskrankheiten, namentlich als Endstadium des paralytischen Irreseins und als Folge des Gehirnschwundes im höhern Greisenalter (seniler B.) zur Beobachtung kommt. Vgl. Geistesschwäche.

Bloemaert (spr. blumart), 1) Abraham, holländ. Maler, geb. 1564 zu Gorkum, Sohn des Bildhauers und Architekten Cornelis B., lernte in Utrecht und Paris, ließ sich 1597 als Bürger in Amsterdam aufnehmen und war seit 1611 in Utrecht thätig, wo er bis an seinen Tod (um 1658) seßhaft geblieben zu sein scheint. B. übte einen großen Einfluß auf die holländische Malerei; er vermittelte gewissermaßen zwischen ihr und der vlämischen Schule und kultivierte die Historie, das Porträt, das Genre und die Landschaft. Die zahlreichen nach ihm entstandenen Stiche und Holzschnitte in Helldunkel geben ein reiches Bild seines künstlerischen Strebens. Seine koloristische Behandlung erinnert noch an die Manieristen des 16. Jahrh., seine Zeichnung ist etwas stumpf, seine Farbe bunt. Werke von ihm befinden sich in den Galerien vom Haag, von Berlin, München, Wien, Schleißheim, Braunschweig u. a. O.

2) Cornelius, Sohn des vorigen, Kupferstecher, geb. 1603 zu Utrecht, war Schüler seines Vaters und Crispins de Passe, ging um 1630 nach Paris und dann nach Rom, wo er den größten Teil seines Lebens zubrachte und 1688 starb. Er ist recht eigentlich der Kupferstecher des Pietro da Cortona und seiner Nachahmer gewesen; die oberflächliche Manier desselben entsprach seinem glatten Vortrag, der nicht in die Tiefe der Formen einzudringen gewohnt war. Seine Stiche zeichnen sich durch große Sauberkeit und helle, angenehme Behandlung aus, die freilich den Mangel der Kraft und die zu gleichmäßige und rechtwinkelige Schraffierung nicht übersehen lassen. Er war außerordentlich einflußreich auf die Stecher aller Schulen. Seine Stiche sind sehr zahlreich, sie sind zumeist nach Abr. B., P. da Cortona, Romanelli, Ciro Ferri u. a. ausgeführt; vielbeschäftigt war er für die "Tableaus du temple des Muses" (nach Diepenbeeck) und in der Galleria Giustiniani (nach der Antike). - Seine Brüder Hendrik, Adriaen (beide Maler) und Frederik (Stecher) gelangten nicht zu gleichem Ruf.

Bloemen (spr. blu-), 1) Peter van, niederländ. Maler, geb. 1657 zu Antwerpen, erlangte 1674 das Meisterrecht, ging dann nach Rom, wo er bis 1694 blieb und sich vollständig der italienischen Manier anschloß, und wurde 1699 Dekan der Lukasgilde seiner Vaterstadt. Er starb 1720. Seine häufig vorhandenen Gemälde sind zumeist Landschaften und Architekturen, mit Figuren und Pferden staffiert; gewöhnlich sind es Schilderungen des Soldatenlebens.

2) Jan Frans van, Bruder des vorigen, Landschaftsmaler, geb. 1662 zu Antwerpen, hielt sich meist in Rom auf, wo er um 1740 gestorben sein soll. Die Landschaften Claude Lorrains und G. Poussins haben auf ihn den größten Einfluß ausgeübt; er steht letzterm freilich in der rhythmischen Schönheit des Linienzugs nach, übertritt ihn jedoch öfters hinsichtlich der Klarheit und Abtönung der Fernen, was ihm den Beinamen Orizonte verschaffte.

Bloemfontein (spr. blum-), Hauptstadt der Oranjefluß-Republik in Südafrika, am Modder, mit mehreren Kirchen, Theater und (1880) 2567 Einw., worunter viele Deutsche. B. ist Sitz eines deutschen Konsuls.

Blois (spr. bloa), Hauptstadt des franz. Departements Loir-et-Cher, am rechten Ufer der Loire, über welche eine 305 m lange steinerne Brücke (von Ludwig XV. erbaut, in der Mitte mit einem Obelisken geziert) zum Faubourg Vienne führt, und an der Eisenbahn von Orléans nach Tours, zerfällt in einen modernen Stadtteil am Fluß mit schönen Kais und in die Altstadt, welche sich mit winkeligen Gassen und alten Häusern malerisch einen steilen Abhang hinaufzieht, aus dessen einem Ende das geschichtlich merkwürdige, jetzt trefflich restaurierte Schloß (Geburtsort Ludwigs XII.), auf dem andern die Kathedrale steht. Andre bemerkenswerte Bauten sind eine schöne römische Wasserleitung (in Felsen gehauen), der bischöfliche Palast mit Terrassengärten und herrlicher Aussicht über das Thal und die Loire, die Kirche St.-Nicolas (12. und 13. Jahrh.), die alte von Mansart erbaute Jesuitenkirche und zahlreiche Herrenhäuser aus dem 15. und 16. Jahrh. B. hat (1881) 18,409 Einw., welche Essig, Handschuhe, Lakritzen etc. fabrizieren und beträchtlichen Handel mit Wein und Branntwein (namentlich dem sogen. Orléansbranntwein), Vieh und Getreide treiben. Die Stadt ist Sitz des Präfekten und eines Bischofs, hat ein Collège, ein theologisches und ein Lehrerseminar, einen botanischen Garten, eine öffentliche Bibliothek (25,000 Bände), ein Museum und ein Theater. B. ist Geburtsort des Physikers Papin und der Historiker Augustin und Amédée Thierry. - B. war schon zur Zeit der Römer ein wichtiger Ort, wie noch vorhandene Ruinen (ein Aquädukt, Straßen u. a.) zeigen; genannt wird es als Blesae zuerst von Gregor von Tours. Dann wurde es Hauptstadt einer Grafschaft (Pagus Blesensis, seit dem 15. Jahrh. Blaisois) mit dem