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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Bludenberg; Bludenz; Bludow

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Bludenberg - Bludow.

feldherrn der preußischen Armee ernannt, nahmen er und Wellington in Belgien eine etwas zu ausgedehnte Stellung ein. Bei Ligny 16. Juni 1815 von der französischen Hauptmacht geschlagen, wobei er infolge des Sturzes seines verwundeten Pferdes fast gefangen genommen worden wäre, zeigte B. nicht die geringste Entmutigung und langte 18. Juni zeitig genug bei Belle-Alliance an, um den bedrängten Wellington zu retten und Napoleon den Sieg zu entreißen. Unermüdet stürmte er darauf hinter dem stehenden Feind her, und schon am 29. stand er zum zweitenmal vor Paris. Den angebotenen Waffenstillstand verwarf er, schlug den Feind bei Sèvres, Plessis, Piquet und Issy, zwang die Hauptstadt zur Kapitulation und das Heer zum Abzug hinter die Loire und zog 7. Juli in Paris ein, wo er sein Hauptquartier im Schloß St.-Cloud nahm. Friedrich Wilhelm III. schuf einen eignen Ordensstern für ihn, das Eiserne Kreuz, von goldenen Strahlen umgeben; aber fast mehr noch, als ihn die Dankbarkeit seines Königs freute, ärgerte ihn das Schonungssystem, das man wieder anwenden zu wollen schien. Er drang aufs neue aus für Deutschland günstigere Friedensbedingungen und gebrauchte in den Verhandlungen einen den Franzosen ungewohnten Ton und die deutsche Sprache. An Wellingtons großer diplomatischer Tafel brachte er den berühmten Toast aus: "Was die Schwerter uns erwerben, laßt die Federn nicht verderben!" Am 31. Okt. nahm er durch Proklamation vom Heer Abschied und kehrte abermals im Triumph nach Deutschland zurück. Nur die Spannung und Energie des Geistes hatte bisher seinen kränklichen Körper aufrecht gehalten; jetzt, nach geschlossenem Frieden, zeigte sich seine Gesundheit zerrüttet durch Strapazen, der Körper durch die Zahl der Jahre gebeugt. Er lebte meist auf seinen Gütern. 1819 besuchte er Karlsbad zum letztenmal, kehrte krank nach seinem Gut Krieblowitz in Schlesien zurück und starb sanft am Abend des 12. Sept. 1819. Seinem Wunsch gemäß ward er prunklos bei den drei Linden an der Straße von Krieblowitz begraben. B. war ein stattlicher, schöner Mann von heldenhafter Erscheinung. Seine Popularität war überaus groß, seine soldatische Derbheit ist fast sprichwörtlich geworden, und zahlreiche Äußerungen derselben sind noch jetzt allbekannt. Seine Vorzüge bestanden in der Festigkeit des Willens, in seinem klaren Verstand, im praktischen Scharfblick und in der Raschheit und Energie der That bei treffender, wenn auch oft derber Rede. Trotz seiner großen Erfolge bewahrte er eine seltene Bescheidenheit. Seine vernachlässigte Erziehung, sein zügelloses Jugendleben machten sich jedoch bis an sein Lebensende bemerklich; das Spiel liebte er leidenschaftlich, und trotz der Freigebigkeit des Königs waren seine Vermögensumstände selten in geordneten Zustand. Sein "Campagne-Journal der Jahre 1793 und 1794" erschien 1796, seine "Gedanken über Formierung einer preußischen Nationalarmee" 1805, merkwürdig durch die darin ausgesprochene Grundidee, jeder Preuße müsse Soldat, die Dienstzeit kurz, die Behandlung besser werden. Eine dritte Schrift von ihm: "Bemerkungen über die Instruktion und das Exerzieren der Kavallerie" (1807), ist theoretisch von geringer Bedeutung. Ein Erzbild Blüchers, von Rauchs Meisterhand modelliert, schmückt seit 1820 den "Blücherplatz" zu Breslau, ein andres desselben Meisters, seit 1826, den Opernplatz zu Berlin; ein drittes, von Schadow, mit der bekannten Inschrift von Goethe, befindet sich in Rostock. Die besten Biographien Blüchers sind von F. Förster (Leipz. 1821), Varnhagen von Ense ("Biographische Denkmale", Bd. 3), J. ^[Johannes] Scherr (2. Aufl., das. 1865, 2 Bde.) und Wigger (s. unten). Vgl. auch v. Schöning, Geschichte des preußischen 5. Husarenregiments mit besonderer Rücksicht auf B. (Berl. 1843), und "B. in Briefen aus den Feldzügen 1813-15" (hrsg. von v. Colomb, Stuttg. 1876).

Fürst B. hinterließ zwei Söhne, denen die gräfliche Würde zu teil ward: 1) Franz, Graf von B.-Wahlstadt, geb. 10. Febr. 1778, machte die Feldzüge von 1813 und 1814 mit und starb als preußischer Generalmajor 10. Okt. 1829 zu Köpenick, geisteskrank infolge der im Krieg erhaltenen Kopfwunden, mit Hinterlassung von zwei Söhnen: Gebhard, geb. 14. Juli 1799, erhielt 18. Okt. 1861 den fürstlichen Titel nach dem Rechte der Erstgeburt, Haupt der Linie B.-Wahlstadt und erbliches Mitglied des preußischen Herrenhauses, gest. 8. März 1875, und Gustav Oktavius Heinrich, Graf von B., geb. 3. Aug. 1800, Ehrenritter des Johanniterordens und preußischer Kammerherr, gest. 3. Jan. 1866 in Baden-Baden. Der Sohn des erstern, dem seine Gemahlin, die katholische Gräfin von Larisch-Moenich, sechs Herrschaften in Österreichisch-Schlesien zubrachte, Fürst Gebhard Lebrecht, geb. 18. März 1836, das jetzige Haupt der Familie, erbliches Mitglied des preußischen Herrenhauses und Herr der Majorate Krieblowitz und Wahlstadt, ist, wie seine Nachkommenschaft, katholisch. 2) Friedrich Gebhard, Graf von B.-Wahlstadt, geb. 1780, beteiligte sich ebenfalls an den Feldzügen von 1813-15, nahm später seinen Abschied als Oberstleutnant und starb 14. Jan. 1834 ohne männliche Nachkommen. Ein Enkel des Oheims des Fürsten B., Konrad Daniel von B., geb. 29. Febr. 1764, ist der Begründer einer eignen Linie, B.-Altona, machte sich in den Kriegsjahren 1813 und 1814 sowie später hochverdient um diese Stadt und starb daselbst 1. Aug. 1845 als dänischer Geheimer Konferenzrat und Oberpräsident der Stadt. Er war 27. Okt. 1818 mit seinen Nachkommen in den dänischen Grafenstand erhoben worden. Eine dritte Linie des Geschlechts, die Linie B.-Finken, die im Mecklenburgischen begütert ist, begründete der Domherr und Johanniterritter Ludwig Gerhard Hartwig Friedrich von B., geb. 21. Dez. 1769, gest. 21. Juli 1836, welcher 13. Okt. 1815 vom König von Preußen in den Grafenstand erhoben ward. Vgl. Wigger, Geschichte der Familie von B. (Rost. 1878, 2 Bde., von denen der zweite eine ausführliche Biographie des Feldmarschalls enthält).

Bludenberg (franz. Bressoir), ein Gipfel des Wasgenwaldes, südlich von Markirch, 1231 m hoch, mit vortrefflicher Aussicht.

Bludenz, Stadt in Vorarlberg, im Illthal (Walgau) an der Arlbergbahn, 582 m ü. M., malerisch gelegen, Sitz einer Bezirkshauptmannschaft und eines Bezirksgerichts, hat ein Schloß (Geyenhofen), ein Kapuzinerkloster, (1880) 3151 Einw., große Baumwollspinnereien und Webereien, Bleicherei, Färberei und Papierfabrikation. B. bildet den Mittelpunkt des Touristenverkehrs von Vorarlberg. Nach S. führt das Brandnerthal zum Lünersee und zu den Gletschern der Scesaplana (2968 m); nördlich liegt der aussichtsreiche Hohe Frassen, 1976 m, und jenseit desselben das Walserthal; östlich münden das Kloster- und das Montafuner Thal in den Walgau.

Bludow, Dimitri Nikolajewitsch, Graf, russ. Staatsmann, geb. 16. April 1785 aus einer der ältesten Familien des Landes, studierte in Moskau, eng verbunden mit Uwarow und Shukowskij und ganz erfüllt von der geistigen Richtung, welche in dem Verein "Arsamas" ihren Mittelpunkt hatte.