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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Blumenfliege - Blumenmacherei.

des Fensters anschließen, um das Eindringen kalter Luft zu vermeiden; auch muß es gut mit Ölfarbe gestrichen werden, weil Holz wie Metall in der warmen feuchten Luft schnell zerstört werden. Den Boden bedeckt man mit einer gestrichenen Zinkplatte, deren Ränder ausgebogen und an den Kanten verlötet werden. Vorteilhaft gibt man dem Boden eine schwache Neigung nach dem Zimmer, damit das überfließende Wasser leicht beseitigt werden kann. Im Winter muß außen eine Strohmatte angebracht werden, welche durch eine Schnur leicht zu regulieren ist. Zur Lüftung kann das B. mit einer beweglichen Scheibe in Blechrahmen versehen werden, doch genügt es auch, die Fensterflügel nach dem Zimmer hin zu öffnen. Durch letzteres sorgt man auch im Winter für hinreichende Heizung des Blumenfensters. Will man in demselben aber zartere Pflanzen kultivieren, so bedarf es einer besondern Heizvorrichtung. Das B. erhält dann einen Doppelboden, und in diesem brennt man niedrige Lampen (am besten Nachtlichter in Untertasse), oder man schiebt mit essigsaurem Natron gefüllte Wärmflaschen ein, welche viel länger eine gleichmäßige Temperatur erhalten als heißes Wasser.

Blumenfliege (Anthomyia Meig.), Insektengattung aus der Ordnung der Zweiflügler und der Familie der Fliegen (Muscariae), unscheinbare, einförmig gestaltete Fliegen, welche in Größe, Körpertracht und Färbung vielfach der Stubenfliege gleichen. Die kopflosen Maden leben meist in faulenden Gegenständen, besonders auch im Mist; einige minieren in Blättern, richten aber nur, wenn sie in sehr großer Zahl vorhanden sind, merklichen Schaden an; andre leben in markreichen Stengeln oder in mehr oder weniger saftigen Wurzeln. Die Lattichfliege (A. lactucae Bouché), 5,5 mm lang, schwarz, grau bestäubt, am Untergesicht weiß oder weißgelb, an Wangen und Stirn rostrot, mit schwärzlich getrübten, an der Wurzel rostgelben Flügeln, lebt in zwei Generationen. Die Larve ist weiß, fein gerunzelt, saugt im August und September an den noch weichen Salatsamen und zerstört bisweilen die ganze Ernte; das Tonnenpüppchen ist rotbraun. Die Larve der grauen Zwiebelfliege (A. antiqua Meig., A. ceparum Meig.) ist weiß, glänzend, glatt, gräbt vom Mai bis Oktober gesellig Gänge im Grunde der Küchenzwiebel, welche bei Anwesenheit mehrerer Maden bald in Fäulnis übergehen. Die Verpuppung erfolgt in der Erde. Die Larve einer andern Art (A. furcata Bouché) lebt im Herzen der Zwiebel. Die walzige, glatte, glänzende und pralle, beinfarbene und nackte Larve der Kohlfliege (A. brassicae Bouché) haust vom Juni bis Oktober in mehreren Generationen gesellig in den Strünken und Wurzeln der verschiedensten Kohlarten, auch in Rettichen, Rüben, Radieschen und Levkojen, überwintert als Fliege u. Puppe; letztere ist rotbraun.

Blumengraf, s. Maifest.

Blumenhagen, Wilhelm, Novellist, geb. 15. Febr. 1781 zu Hannover, studierte 1799-1803 in Erlangen und Göttingen Medizin und ließ sich dann als Arzt in seiner Vaterstadt nieder, wo er 6. Mai 1839 starb. B. war in der Periode der "Abend-Zeitung" durch seine leicht und spannend geschriebenen Novellen, die in "Novellen u. Erzählungen" (Hannov. 1826-27, 4 Bde.) und "Neuer Novellenkranz" (Braunschw. 1829-30, 2 Bde.) zum Teil gesammelt erschienen, einer der beliebtesten Unterhaltungsschriftsteller. Seine "Sämtlichen Schriften" erschienen in 2. Auflage in 16 Bänden (Stuttg. 1843-44).

Blumenhandel, s. Pflanzenhandel.

Blumenkohl, s. Kohl.

Blumenkohlgewächs, krankhafte Neubildung der Haut und vieler Schleimhäute, welche eine zerklüftete Oberfläche besitzt; meist ist ein solches B. als Krebs (s. d.) zu deuten.

Blumenkrone, s. Blüte, besonders S. 66.

Blumen, künstliche, s. Blumenmacherei.

Blumenlese, s. Anthologie.

Blumenmacherei, die Verfertigung künstlicher Blumen zum Schmuck für das Haar, für Hüte, Hauben, auch zur Füllung von Vasen etc., wird gegenwärtig fabrikmäßig betrieben und zwar unter sehr weit getriebener Teilung der Arbeit. Als Material dienen hauptsächlich Gewebe, wie Batist, Musselin, Gaze, Atlas, Taft, Samt etc., dann auch Papier (namentlich Pergamentpapier), Seidenkokons, Kollodiumhäutchen, Federn, Draht, Glas, Perlen und allerlei Hilfssubstanzen, worunter z. B. Glimmerpulver zur Hervorbringung des Blumentaues. Die wichtigsten Werkzeuge sind Ausschlageisen (Blumeneisen), Matrizen, Pressen und Modelle, deren außerordentlicher Zartheit und Korrektheit, welche die feinsten Blattnerven, Spitzen und Ränder botanisch treu nachzuahmen gestatten, die B. ihre gegenwärtige Höhe verdankt. Sie wird fast ausschließlich von Frauen und Mädchen ausgeübt, die einander beständig in die Hände arbeiten. Man erreicht prachtvolle Effekte durch eigentümliche Appretur, mittels deren man Gewebe für Blumenblätter glatt wie Wachs, scheinbar texturlos, samtartig im Gefühl und etwas durchscheinend herstellt, wenn zugleich die zum Teil in Blumenmalerschulen ausgebildeten Mädchen die subtilsten Nüancen und Zeichnungen mit künstlerischem Sinn und ausgebildetem Verständnis der Natur zu treffen und anzuordnen wissen. Große Fabriken liefern nur Blätter oder nur Kelche, Knospen, Gräser, Körner etc., andre nur bestimmte Blumen, nur eine oder einige Sorten Rosen, manche die feinste, kostbarste, andre gröbere Ware für Rosenfeste etc. In der neuesten Zeit ahmt man ganze Blattpflanzen, wie Palmen, Dracänen, Aroideen, auch aus Blech nach und schmückt mit solchen die Natur täuschend kopierenden Gebilden Räume, in welchen lebende Pflanzen nicht gedeihen. Wachsblumen verfertigt man aus Wachs, welches man im Tiegel flüssig werden läßt und, mit etwas gereinigtem Terpentinöl vermischt und beliebig gefärbt, auf ein Tellerchen gießt. Mittels Streifen gut geleimten Papiers, die man erst ins Wasser taucht, dann über das flüssige Wachs hinführt und wieder in lauwarmes Wasser taucht, bildet man Wachsstreifen, aus denen sich die Blätter leicht ausschneiden oder mittels Blechformen ausstechen lassen. Die nötige Wölbung gibt man ihnen mittels verschiedener Kugelhölzer, die aber ebenso wie die Blechformen vor dem Gebrauch in laues Wasser getaucht werden müssen. Die Stengel und Stiele werden von Draht gemacht und mit Wachs überzogen. Die Staubfäden bildet man aus ganz fein geschnittenem Wachs, das man in Gummiwasser und dann in gefärbten Grieß eintaucht. Die Adern auf den Blumen- und Stengelblättern werden mit dem Pinsel aufgetragen. Solche Wachsblumen bildeten vor etwa 40 Jahren einen sehr beliebten Modeartikel und waren sehr verbreitet, wurden aber durch die Porzellanblumen verdrängt, welche man in wunderbarer Vollkommenheit aus dem scheinbar ungeeignetsten Material herstellt. Auch Leder, schwarze Glasflüsse (zu sogen. Trauerblumen), Muscheln, die Häutchen, welche nach dem Abhaspeln der Seidenkokons übrigbleiben, etc. hat man vorübergehend als Material zu Blumen benutzt. In neuester Zeit ist