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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Blutblase; Blutblume; Blutbrechen

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Blutblase - Blutbrechen.

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Blutbewegung'

letzten Halsknoten des sympathischen Nervs hervorgehen. Durch mechanische, thermische, elektrische oder chemische Reizung des Vagus verlangsamt man die Herzbewegungen, durch ebensolche Reizung des Accelerans bewirkt man eine Beschleunigung der Herzschläge. Die gleiche Wirkung wie die Reizung des beschleunigenden Nervs hat häufig die Reizung des Halssympathikus. Da man das aus dem Körper entfernte Herz des Kaltblüters noch Tage hindurch rhythmisch pulsieren sehen kann, so hat man in jenen Ganglienhaufen, welche in der Muskulatur des Herzens selbst gelegen sind, Apparate rhythmischer Automatie erkennen wollen. Die wahren Ursachen der letztern sind uns indessen noch vollständig unbekannt. Die Arterien, besonders die mittelgroßen und kleinern, sind mit Hohlmuskeln versehen, von deren Kontraktionszustand die Weite dieser Gefäße abhängt. Vermöge dieses Apparats wird vor allen Dingen die Verteilung des Bluts im Organismus geregelt. Zieht sich nämlich die Gefäßmuskulatur in einem Organ zusammen, so vermindert sich dessen Blutgehalt; erweitert sich hingegen die Muskulatur, so werden dem Blutstrom weitere Schleusen gegeben, und das Organ wird reichlicher mit Blut versorgt. Man hat ermittelt, daß diese Zu- oder Abnahme des Gefäßdurchmessers an die Existenz ganz besonderer Nerven, nämlich der Gefäßnerven (vasomotorischen Nerven), geknüpft ist. Die Gefäßnerven werden von ganz bestimmten Stellen des Zentralnervensystems aus beherrscht; eine Stelle in der Medulla oblongata ist der wichtigste Sitz für diese Innervation (Gefäßnervenzentrum), weniger umfangreich ist der Einfluß des Rückenmark auf die Gefäßnerven. Unter dem Einfluß der Gefäßnerven kommt der Tonus, die Spannung der Gefäße, zu stande; zerstört man diese Nerven, so werden die Gefäße gelähmt und erweitern sich jetzt derartig, daß der Blutdruck tiefer sinkt, als zur Erhaltung des Lebens erforderlich ist. Die bis jetzt besprochenen Gefäßnerven sind ausschließlich Verengerer der Gefäße oder Vasokonstriktoren; es sind nun aber auch Nerven nachgewiesen, welche ganz entgegengesetzt wirken, man hat sie depressorische Nerven oder Vasodilatatoren genannt. Die bis jetzt genannten Nerven stellen die wichtigsten, aber nicht die einzigen Regulatoren des Blutstroms dar, denn Mosso zeigte, daß die Gefäße selbst dann noch ihre Lichtung zu ändern vermögen, wenn sie der genannten Beziehungen zum Zentralnervensystem beraubt worden sind, ein Verhalten, welches möglicherweise für das Vorhandensein besonderer regulatorischer Apparate in der Gefäßwandung selbst spricht.

Blutblase (Haematocystis), Erhebung der Oberhaut in Form einer Blase, welche mit ausgetretenem Blut angefüllt ist, kommt meist als Folge äußerer Quetschung vor.

Blutblume, s. Haemanthus.

Blutbrechen (Vomitus cruentus, Haematemesis) besteht darin, daß flüssiges oder geronnenes Blut durch Erbrechen aus dem Magen entleert wird. Das B. ist nicht eine Krankheit für sich, sondern vielmehr eine Erscheinung, welche durch verschiedene krankhafte Zustände des Verdauungskanals verursacht werden kann. Ja allen Fällen ist sie die Folge einer Gefäßzerreißung im Magen oder allenfalls im obersten Teil des Zwölffingerdarms, durch verschiedene Zustände veranlaßt. Die häufigste Ursache ist das sogen. runde Magengeschwür (s. d.), ferner der Magenkrebs und eine oberflächliche Gewebsveränderung der Magenschleimhaut, welche mit dem Namen der hämorrhagischen Erosion belegt wurde. Diese genannten ↔ Gewebskrankheiten veranlassen die heftigsten Blutergüsse in den Magen, doch können dieselben auch noch durch andre Veränderungen hervorgerufen werden. Namentlich müssen ätzende Substanzen, wie metallische Gifte, verschluckte spitze Gegenstände, heftiges, überangestrengtes Erbrechen, Schlag oder Stoß auf die Magengegend, Fall auf den Rücken hierher gerechnet werden; zuweilen sind auch Platzen eines Aneurysmas, die Zerreißung von Arterien, welche atheromatös entartet sind, und andre eigentümliche Veränderungen der Magengefäße, wie beim Skorbut und bei der sogen. Bluterkrankheit, Ursache der Magenblutung gewesen. Auch bei Krankheiten, welche mit Stauung des Bluts in der Pfortader einhergehen, z. B. bei Leberverhärtung, Klappenfehlern des Herzens etc., kommen gelegentlich Magenblutungen vor; ebenso hat man bei Frauen nach Unterdrückung der Menstruation sogen. vikariierende Magenblutungen beobachtet, wobei die Blutung jedoch stets mehr aus den Haargefäßen stattfindet. Die Menge des durch Erbrechen entleerten Bluts ist eine sehr verschiedene: von einigen Tropfen kann dieselbe bis zu ganz außerordentlich großen, mehrere Schoppen betragenden Mengen anwachsen, je nachdem die Blutung von Haargefäßen oder von einer durch geschwürige oder krebsartige Veränderungen der Magenschleimhaut bewirkten Zerreißung eines größern Gefäßes herrührt. Das Blut ist, je nachdem es längere oder kürzere Zeit im Magen verweilte, und je nachdem es langsamer oder rascher sich in größerer oder geringerer Menge ergossen hat, entweder hellrot gefärbt und flüssig oder geronnen und dunkel gefärbt, entweder unvermischt oder dem Mageninhalt beigemengt, zuweilen von teerartiger Beschaffenheit. Zuweilen erscheint das B., ohne daß demselben irgend welche hierauf deutende Krankheitserscheinungen vorausgegangen wären. In der Regel aber sind schmerzhafte Gefühle im Magen längere oder kürzere Zeit vorher vorhanden, welche sich auf das ursachliche Leiden des Magens beziehen, oder es zeigen sich diejenigen Erscheinungen, welche durch die angeführten Krankheiten hervorgerufen werden. Zuweilen stellen sich Ohnmachtsanwandlungen ein, starkes Pulsieren im Unterleib, Blässe des Gesichts, Kälte der Hände und Frostschauer mit kühlen Schweißen, Zittern, Sausen in den Ohren, Umnebelung des Gesichts etc. Dann wird den Kranken übel, und es stellt sich Erbrechen ein, wodurch mit mehr oder weniger anstrengendem Würgen das Blut entleert wird und zwar zuweilen in so großer Menge, daß es gleichzeitig zu Mund und Nase herausdringt. Je nach der Menge des entleerten Bluts ist der Puls klein und äußerst schnell, die Kranken haben ein erdfahles oder wachsgelbes Aussehen, Ohnmachten kehren öfters wieder, Krämpfe und sogar Scheintod können eintreten. Die Gemütsstimmung solcher Kranken ist gewöhnlich eine sehr ängstliche und gedrückte. Solche Anfälle sind in der Regel nicht vereinzelt, sondern sie wiederholen sich leicht, nicht allein in kürzern, sondern auch in längern Zeiträumen, und man muß darauf gefaßt sein, das B., wo es einmal vorhanden war, über kurz oder lang wiederkehren zu sehen. Für die Praxis ist es von großer Wichtigkeit, festzustellen, daß das Blut in der That aus dem Magen herrührt. Kinder z. B. erbrechen zuweilen nicht unbeträchtliche Mengen von Blut, welches zwar aus dem Magen kommt, aber durch Verschlucken dahin gelangt war, indem es entweder von Nasenbluten, oder von Saugen an kranken Brustwarzen, oder von blutenden Stellen des Mundes herrührt. Es ist auch schon vorgekommen, daß Magenblutungen (von Militärpflichti-

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 64.