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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Blutbrüderschaft; Blutdorn; Blutdrüsen; Blutdünger; Blüte

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Blutbrüderschaft - Blüte.

gen, hysterischen Weibern) simuliert wurden. Einen solchen Betrug kann nur der umsichtige Arzt, je nach Umständen mit Hilfe des Mikroskops, aufdecken. Ist B. eingetreten, so muß der Kranke vor allen Dingen zur Ruhe gebracht und auch geistig möglichst beruhigt werden. Man legt demselben einen kalten Umschlag auf die Magengegend, gibt ihm kleine Mengen kaltes Wasser zu trinken, oder man läßt ihn Eispillen verschlucken. Das Zimmer sei kühl und auch die Bedeckung des Kranken nicht zu warm. Im Notfall, wenn nicht schnell ärztliche Hilfe da ist, gibt man säuerliche Getränke, Limonade oder etwas Essig mit Wasser und legt Senfteige auf die Waden. Alles, was gereicht wird, auch dünne Brühen, muß kalt sein und darf nur in geringer Menge gereicht werden. Zur Ernährung empfiehlt sich in solchen Fällen die von Liebig herrührende Vorschrift einer kalt bereiteten Fleischbrühe (s. Bouillon). Längere Zeit hindurch muß strenge Diät eingehalten werden; selbst wenn die Blutungen schon tagelang ausgesetzt haben, dürfen nur Brühen gereicht werden. In allen Fällen aber ist die schleunige Berufung ärztlicher Hilfe nötig. Um die Kräfte zu heben, müssen die Kranken in der Genesungszeit eine kräftige, dabei aber leichtverdauliche Nahrung genießen und lange Zeit hindurch jeden Exzeß vermeiden, namentlich sich vor geistigen Getränken wie vor allem, was den Magen im geringsten zu reizen im stande ist, möglichst hüten.

Blutbrüderschaft, s. Blutrache.

Blutdorn, s. Crataegus.

Blutdrüsen, s. Drüsen.

Blutdünger (Blutmehl) wird meist durch Eindampfen des Bluts aus Schlachthäusern etc. gewonnen und enthält 3-15 Proz. Stickstoff und etwa 9 Proz. Phosphorsäure. Ammoniaksuperphosphate werden zuweilen durch Zusatz von B. an Stickstoff bereichert; da aber im Ammoniaksuperphosphat der Stickstoff in Form von Ammoniak gekauft wird, so ist die Beimengung des Blutdüngers, wenn nicht beim Verkauf besonders angegeben, als Fälschung zu betrachten. Die Verwendung des Blutdüngers findet statt bei Pflanzen, welche neben kräftigem Fruchtansatz üppige Blattentwickelung zeigen sollen (z. B. bei Obstbäumen und in der Gärtnerei wie auch bei billigem Preis für die Cerealien). Von besonderm Wert ist der B. zur Bereicherung der Komposthaufen fern vom Hof gelegener Wiesen.

Blüte (Flos), nach gewöhnlichem Sprachgebrauch alle diejenigen auch äußerlich auffallend von den übrigen abweichenden Teile einer Pflanze, welche zur Erzeugung der Samen oder diesen analoger Reproduktionsorgane bestimmt sind. Während dieser Sprachgebrauch einen strengen Unterschied zwischen den der geschlechtlichen Zeugung dienenden Organen bei den Phanerogamen und denjenigen bei den Kryptogamen nicht gestattet, spricht man in der Botanik von einer B. nur bei den Phanerogamen und gelangt, weil Ort und Ausbildung der Blüten hier im wesentlichen die gleichen sind, zu einer ebenso kurzen wie allgemein zutreffenden Definition der B. Man versteht darunter einen einfachen Sproß oder ein Sproßende, an dessen Blättern die Geschlechtsorgane ausgebildet sind. Die Fähigkeit der Pflanze, gewisse ihrer Sprosse in der angegebenen Weise zu metamorphosiert, ist allein den Phanerogamen eigen und beruht auf der allgemeinern, eben nur hier vorkommenden Erscheinung der sogen. Metamorphose des Blattes; die B. ist ein Teil der Hochblattregion des Stengels (vgl. Blatt, S. 1017). Die beiden Geschlechtsorgane, welche hiernach die wesentlichen Teile der B. ausmachen, sind das Staubgefäß oder Staubblatt (stamen) als männliches und die Samenknospe oder das Eichen (ovulum) als weibliches. Beide Organe zeigen in der ganzen Gewächsreihe die auffallendsten Übereinstimmungen in allen wesentlichen Punkten, sie sind die am wenigsten variabeln Teile der B., und nur durch die Zahlen und Anordnungsverhältnisse derselben und vornehmlich durch die Ausbildungsweise gewisser andrer zur B. gehöriger, aber keine Geschlechtsorgane erzeugender Blätter werden die so mannigfaltigen Formen der B. hervorgebracht. Wir finden nämlich in den meisten Fällen außer den mit den Geschlechtsorganen versehenen noch andre Blätter an der Zusammensetzung der B. beteiligt, die am wenigsten von der gewöhnlichen blattförmigen Ausbildung abweichen und als Blütendecken bezeichnet werden. Die Stengelglieder, an welchen die zur B. gehörigen Blattorgane aufeinander folgend angeordnet sind, sind fast überall äußerst verkürzt, dergestalt, daß sämtliche Blütenblätter dicht zusammengedrängt stehen. Die Gesamtheit dieser Stengelglieder bildet den Blütenboden oder die Blütenachse (receptaculum florale). Es ist nun eine allgemeine Regel, daß die gleichartig ausgebildeten Blattorgane der B. rings um die Blütenachse gleichmäßig und in gleichen Abständen verteilt sind, indem sie bald wirkliche Quirle, bald niedergedrückt Spiralen bilden, und daß diese sogen. Blattkreise an der Blütenachse hintereinander oder wegen der starken Verkürzung der letztern umeinander geordnet erscheinen. Fig. 1 zeigt eine ideale Darstellung einer vollständigen B., an welcher der Deutlichkeit halber die einzelnen Blattkreise in widernatürlicher Weise weit auseinander gerückt sind. Der oder die untersten, resp. äußersten Blattkreise der B. stellen die Blütendecke dar, welche häufig aus zwei Blattkreisen von verschiedener Beschaffenheit gebildet wird, einem äußern, dem Kelch (calyx), und einem innern, der Blume oder Krone (corolla). Die Blätter des erstern, die Kelchblätter (sepala), sind meist grün, am Grund breit, nach dem Ende hin zugespitzt und häufig von längerer Dauer; die der letztern dagegen, die Blumenblätter (petala), sind durch meist farbige, zarte Beschaffenheit, durch eine aus schmaler Basis gegen das Ende breiter werdende Gestalt und durch rasche Vergänglichkeit charakterisiert. Wo sämtliche Blätter der Blütendecke einander gleichartig, bald mehr kelch-, bald mehr blumenartig gebildet sind, wo also Kelch und Krone nicht unterschieden werden können, spricht man von einer Blütenhülle (perigonium s. perianthium). Der oder die nächstfolgenden Blattkreise bestehen aus den Staubgefäßen oder Staubblättern, die aus einem fadenförmigen untern Teil und einem beutelförmigen obern Teil, dem Behälter des Blütenstaubes, bestehen. Da diese Blattgebilde die männlichen Organe sind, so nennt man die betreffenden Blattkreise der B. das Andröceum. Das Ende der Blütenachse, also die Mitte der B., nehmen ein oder mehrere letzte Blattkreise ein, die entweder selbst an gewissen Stellen die Samenknospen

^[Abb.: Fig. 1. Ideale Darstellung einer Blüte.]