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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Blütenkalender - Blütenstand.

nerationen fortschreitet, ist ungewiß; das meiste bleibt vom Zufall abhängig, und das den Züchtern gespendete Lob ist oft ein wenig verdientes. In vielen Fällen freilich repräsentiert eine schöne gefüllte Blüte eine außerordentliche Summe von Fleiß, Beharrlichkeit und Intelligenz, welche der Gärtner viele Jahre hindurch auf die Anzucht derselben verwandte.

Blütenkalender, s. Blütezeit.

Blütenknospe, s. Knospe.

Blütenkörbchen, s. Blütenstand, S. 80.

Blütenkuchen, s. Blütenstand, S. 80.

Blütenlager, Teil des Blütenkörbchens, auf welchem die Blüten stehen (s. Blütenstand, S. 80).

Blütenperiode, die bei den einzelnen Pflanzen meist verschiedene, aber stets bestimmte Dauer des Geöffnetseins der Blüte behufs der Bestäubung sowie der Zeitpunkt des Eintritts und Endes dieses Zustandes. Viele Blüten öffnen sich nur einmal, um dann für immer sich zu schließen oder ihre Blume abzuwerfen. Die B. dauert hier gewöhnlich mehrere Tage, sie kann aber auch schon in wenigen Stunden vollendet sein, wie z. B. beim Flachs in einem Vormittag, bei der Königin der Nacht (Cereus grandiflorus) in wenigen Nachtstunden. Bei manchen Pflanzen hingegen öffnet und schließt sich eine und dieselbe Blüte mehrmals und zwar zu bestimmten Stunden an mehreren aufeinander folgenden Tagen. Die Bewegungen, welche die Blumenblätter oder die ganzen Blüten hierbei ausführen, hängen teils vom Lichte, teils von der Temperatur ab und werden durch ungleiches Zellenwachstum an den beiden Seiten des sich bewegenden Organs veranlaßt (s. Pflanzenbewegungen). Je nachdem das Geöffnetsein auf Stunden des Tags oder der Nacht fällt, unterscheidet man Tag- und Nachtblüten. Der Zeitpunkt des Öffnens und Schließens fällt meistens mit bestimmten Stunden, die bei den einzelnen Pflanzenarten verschieden sind, zusammen. Schon Linné hat den regelmäßigen Wechsel des Öffnens und Schließens der Blüten zur Aufstellung einer Blumenuhr benutzt; so blüht nach ihm z. B. um 3 Uhr früh Tragopogon pratensis, um 4-5 Uhr Cichorium Intybus, um 5-6 Uhr Taraxacum officinale auf; letzteres schließt dann seine Blütenköpfe wieder um 8-9 Uhr. Andre Pflanzen blühen erst nachmittags auf: Mirabilis Jalapa z. B. um 5 Uhr, Cereus grandiflorus um 6-7 Uhr, Mesembryanthemum noctiflorum um 7-8 Uhr. Irgend welche Genauigkeit kommt diesen Angaben übrigens nicht zu.

Blütenpflanzen, s. Phanerogamen.

Blütenpolster, s. Blüte, S. 70.

Blütenscheide, ein zum Blütenstand gehöriges Hochblatt (s. Blütenstand).

Blütenspelzen, zu dem Blütenstand der Gräser, dem sogen. Ährchen, gehörige Blätter (vgl. Ährchen und Gräser).

Blütenstand (Inflorescentia), in der Botanik derjenige Teil des Stengels einer Pflanze, dessen Seitenachsen unmittelbar zu Blüten sich entwickeln oder auch erst an ihren Verzweigungen diese Bildung annehmen, mit der Beschränkung jedoch, daß an diesem Teil des Stengels und bez. an seinen weitern Verzweigungen keine eigentlichen Laubblätter mehr, sondern nur Hochblätter (s. Blatt, S. 1016) vorhanden sind. Durch dieses letztere Merkmal stellt sich der B. als ein von den übrigen Regionen der Pflanze schärfer geschiedenes Ganze dar, als die eigentliche Hochblattregion. Hiernach kann z. B. ein mit Zweigen versehener Stengel, welcher selbst und an seinen Zweigen mit grünen Laubblättern besetzt ist und an den Enden der Zweige mit einer oder mehreren Blüten abschließt, nicht als B. bezeichnet werden; es ist dann vielmehr jedes die Blüten tragende Ende der Zweige ein B. für sich Die zum B. gehörigen Hochblätter treten meist in unvollkommenen Gestalten auf, indem sie in der Regel als ganze, ungestielte Blätter, bisweilen nur scheiden- oder schuppenförmig erscheinen; manchmal sind sie jedoch blumenartig gefärbt. Diejenigen Blätter, in deren Achseln die Blüten stehen, die Deckblätter (bracteae), haben entweder eine längere Dauer, können sogar zur Fruchtzeit noch vorhanden sein, oder sie fallen frühzeitig ab; bisweilen schlagen sie ganz fehl, so daß die Blütenstiele nackt aus dem Stengel entspringen, wie bei den Kreuzblütlern. Außer den Deckblättern sind aber in vielen Fällen auch noch andre Hochblätter vorhanden, welche weder eine Blüte noch überhaupt ein Organ in ihrer Achsel erzeugen. Diese Vorblätter (bracteolae) sind auch hinsichtlich des Ortes, an welchem sie stehen, von den Deckblättern verschieden, indem sie entweder am Blütenstiel selbst unterhalb der Blüte sich finden, dieser also vorausgehen, oder auch am Grunde des ganzen Blütenstandes auftreten, diesem ebenso vorausgehend wie sonst der einzelnen Blüte. Einer Blüte oder einem B. können ein oder zwei Vorblätter sowie verschiedenartige Formen von Hochblättern vorangehen, und wir erhalten so eine Reihe verschiedener Bildungen, die mit besondern Namen belegt werden. Die an den Blütenstielen stehenden Vorblätter sind häufig kleine, schuppenartige, paarweise stehende Organe, wie bei den Nelken und Veilchen. Ein flügelartiges Vorblatt steht am Stiel des Blütenstandes bei der Linde (Fig. 1), ein großes, scheidenartiges Gebilde (Blütenscheide, spatha) bei der Narzisse, dem Lauch und bei vielen Aroideen, deren B. von einer großen, bisweilen blumenartig gefärbten Blütenscheide umgeben ist (Fig. 2). Wenn einer Blüte oder einem B. eine größere Anzahl sehr genäherter, nämlich quirlig oder spiralig geordneter Hochblätter vorausgeht, so spricht man im allgemeinen von einer Hülle (involucrum). Hierher gehören: das aus zahlreichen dachziegelartig sich deckenden, kleinen Blättern gebildete Involukrum der Kompositen und Dipsaceen (Fig. 3), das aus einem Quirl von Blättern bestehende Involukrum an der Basis des Kelchs bei den Malvaceen, des-^[folgende Seite]