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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Blütenstaub; Blütenstecher; Blütenstiel; Blütentange; Blutentleerung; Blütenwickler; Bluterkrankheit

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Blütenstaub - Bluterkrankheit.

Hauptachse hervorgehenden Auszweigungen des ersten Grades sich weiter verzweigen und zu neuen Infloreszenzen werden. Es verbinden sich dabei nicht bloß Blütenstände der gleichen Art, also Wickel mit Wickeln, Schraubeln mit Schraubeln, sondern auch ungleichartige, also Dolden mit Schraubeln, Ähren mit Wickeln etc. Die Kombinationen sind hier so mannigfach, daß es unmöglich ist, sie alle anzuführen. Eine besonders häufige Form des zusammengesetzten Blütenstandes ist die Rispe (panicula), bei welcher die untern Seitenachsen traubig verzweigt und länger, die obern dagegen unverzweigt und kürzer sind; überragen die untern Zweige die obern, so nennt man den B. eine Spirre (anthela).

Blütenstaub, s. Pollen und Geschlechtsorgane der Pflanzen.

Blütenstecher (Anthonomus Germ.), Käfergattung aus der Gruppe der Kryptopentameren und der Familie der Rüsselkäfer (Curculionina), bunte, kleinere Käfer mit geneigtem Kopf, dünnem, cylindrischem, längsriefigem Rüssel mit starker, auf den untern Augenrand gerichteter Fühlergrube, kleinen, runden Augen, dünnen, deutlich gebrochenen, etwas vor der Mitte des Rüssels stehenden Fühlern, vorn etwas halsartig verengertem Halsschild, ovalem, erhabenem Schildchen, eiförmigen, gestreiften Flügeldecken und verhältnismäßig großen Beinen. Sie fliegen im Sonnenschein und an warmen Abenden lebhaft umher und lassen sich mit angezogenem Rüssel und vorgestreckten, zusammengeschlagenen Knieen auf die Erde fallen, wenn man ihnen nahe kommt. Sie werden als Käfer und mehr noch als Larven den Obstbäumen verderblich, indem sie deren Knospen zerstören. Der Apfelblütenstecher (Brenner, A. pomorum L., s. Tafel "Käfer") ist 3,5 mm lang, an Kopf, Brust und Bauch schwärzlich, fein grau behaart, auf den braunen Flügeldecken mit verwischter grauer Schrägbinde, mit weißem Schildchen und weißer Linie auf dem Halsschild, an den Beinen und Fühlern rostrot, überwintert hinter Rindenschuppen der Obstbäume, unter Flechten oder in der Erde, legt im April seine Eier einzeln in Apfel- und Birnblütenknospen, welche von der in acht Tagen auskriechenden Larve zerstört werden; die Larve verpuppt sich in den verkümmernden Knospen, und der Käfer benagt vom Juni an junge Blätter. Gegenmittel: Anpflanzung spät und rasch treibender Obstarten, Beschneiden und Düngen der Bäume, Abklopfen der Käfer. Der Birnknospenstecher (A. piri Schönh.), 3,5 mm lang, dem vorigen sehr ähnlich, aber braun mit weißer Längslinie aus dem Halsschild und gerader grauer Binde auf den Flügeln, erwacht noch früher aus dem Winterschlaf und lebt wie der vorige, besonders aus Birnbäumen.

Blütenstiel, s. Blütenstand, S. 80.

Blütentange (Florideen), s. Algen, S. 346.

Blutentleerung (Blutentziehung), die zu Heilzwecken vorgenommene künstliche Verminderung der Blutmenge des Körpers. Man unterscheidet: die direkte (örtliche) Blutentziehung, welche durch Ansetzen von Blutegeln, oder durch Schröpfköpfe, oder durch kleine Einschnitte (Skarifikationen), oder auch durch kompliziertere Instrumente (künstliche Blutsauger) vorgenommen wird. Unter letztern ist am beachtenswertesten der künstliche Blutegel von Heurteloup, bei welchem mittels eines Locheisens eine wenig schmerzhafte, stark blutende, ringförmige Wunde erzeugt wird, aus der man mittels eines Glascylinders und eines in diesem auf und ab beweglichen Stempels leicht und schnell eine große, genau zu bemessende Blutmenge heraussaugen kann. Die örtliche Blutentziehung geschieht entweder unmittelbar auf dem erkrankten Teil oder in dessen Nachbarschaft, gewöhnlich in der Richtung der abführenden Gefäße (z. B. für das Auge in der Schläfengegend), um dem Blutstrom eine andre Richtung zu geben. Oft wirken solche Blutentleerungen durch dicke Schichten von Weichteilen hindurch, so daß Schröpfköpfe auf der Brust bis auf das entzündete Brustfell, Blutegel am Bauch bis auf das Bauchfell in die Tiefe das Blut ableiten. Dieser örtlichen gegenüber steht die allgemeine B., welche durch den Aderlaß (s. d.), seltener durch Arteriotomie (s. d.) vollzogen wird. Blutentleerungen werden in der Regel nur bei entzündlichen Leiden aller Art vorgenommen, sind jedoch auch bei blutüberfüllungen nicht entzündlicher Art, welche bedeutendere Störungen in der Verrichtung der betreffenden Organe hervorrufen, ein sehr schätzenswertes, ja unentbehrliches Mittel.

Blütenwickler, s. Spanner.

Bluterkrankheit (Blutsucht, Haemorrhaphilia), eigentümliche Krankheitsanlage, welche darin besteht, daß auf die geringste Veranlassung ungewöhnlich lange und hartnäckige Blutungen eintreten, so daß sonst ganz unerhebliche und oberflächliche Verletzungen einen Blutverlust herbeiführen, der bis zur Lebensgefahr andauert und fast allen Mitteln trotzt. Ein kleiner Stich, das Ausziehen eines Zahns, namentlich gerissene Wunden, bluten unaufhaltsam, und Verätzungen am Kopf, an den Lippen, an den Fingerspitzen scheinen besonders gefährlich zu sein. Oft entstehen auch spontan Blutungen (Nasenbluten), und die Menstruation gibt zu heftigen Blutverlusten Veranlassung. Das Blut kann auch im Innern der Gewebe austreten, so daß eine Menge durch alle Organe des Körpers zerstreuter Blutflecke erscheint. In der Regel sind solche Blutaustretungen Folge leichter äußerer Einwirkungen, und es sind Fälle bekannt, wo ein längerer Druck eines Teils, z. B. des Gesäßes beim Sitzen, blaue Flecke hinterließ. Was die Ursache dieser außerordentlich großen Neigung zur Zerreißung der Gefäße sei, ist noch nicht aufgeklärt; zuweilen liegt mangelhafte Bildung des Gefäßapparats (Chlorose), zuweilen Klappenfehler des Herzens zu Grunde. In der Regel ist die B. angeboren und vererbt sich von Geschlecht zu Geschlecht, so daß oft ganze Familien daran leiden. Es sollen jedoch vorzugsweise die männlichen Glieder der Familien dazu Disponiert sein. In den Entwickelungsperioden soll die Neigung zur B. sich steigern, im höhern Lebensalter verliert sich allmählich die Neigung zu derselben, so daß auch größere Operationen günstig verlaufen; man hat jedoch auch Greise von 70 Jahren noch infolge derselben sterben sehen. Im allgemeinen besteht die Befürchtung, daß die mit der B. Behafteten kein hohes Alter erreichen; die meisten Bluter sterben schon als Kinder an Verblutung. Am gefährlichsten sind immer die Blutungen in der frühsten Lebensperiode, bei Neugebornen aus den Nabelgefäßen und später aus der Nase. In einigen Fällen kamen unstillbare Blutungen aus ganz unbedeutenden Wunden dadurch zum Stillstand, daß man die Wunde mit dem Messer ausgiebig erweiterte. Die Behandlung der B. richtet sich auf das Fernhalten aufregender Affekte, Vermeidung schwerer Getränke, Sorge für geregelte, leichte Diät; kühlende Mittel, wie Weinsteinsäure, Tamarinden und leicht abführende Salze, namentlich Glaubersalz und Bittersalz, wirken sehr wohlthätig. Es versteht sich von selbst, daß bei der B. alle Blutentziehungen und auch alle