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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Bobrka; Bobrow; Bobruisk; Boca del Drago; Bocage; Bocardo; Bocca; Boccaccio

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Bobrka - Boccaccio.

lebhaften Handel mit Vieh und Getreide treiben. In der Umgegend zahlreiche Kurgane oder Hünengräber.

Bobrka, Stadt in Galizien, an der Lemberg-Czernowitzer Eisenbahn, ist Sitz einer Bezirkshauptmannschaft und eines Bezirksgerichts, hat Getreide-, Mehl- und Lederhandel, Töpfereibetrieb und (1880) 4338 Einw.

Bobrow, Kreisstadt im russ. Gouvernement Woronesh, an der Bitjuga, in fruchtbarer Gegend, am Nordsaum der Woroneshschen Steppe, hat 3 Kirchen, 1 Bezirksschule und (1870) 4738 Einw., welche viel Steppenvieh mästen und ausführen. Im Dorf Chränow, Kreis B., befindet sich das größte Reichsgestüt mit (1881) 41 Hengsten und 230 Stuten.

Bobruisk, Kreisstadt und Festung im russ. Gouvernement Minsk, an der Beresina und der Eisenbahn Libau-Romny, hat 4 Kirchen, 1 Gymnasium, 1 Militär- und 1 Kreisschule und zählt mit Einschluß des Militärs (1879) 40,079 Einw., die Gewerbe treiben und Handel mit Minsk und Wilna unterhalten. B. wurde 1812 von den Franzosen vergeblich belagert.

Boca del Drago, s. Paria.

Bocage (franz., spr. -kahsch), Gebüsch, Lustwäldchen; Name mehrerer kleiner Landschaften Nordfrankreichs: B. normand (percheron), eine hügelige, wald- und wasserreiche Landschaft in der westlichen Normandie, mit der Hauptstadt Vire, die jetzt einen Teil des Departements Calvados bildet. B. vendéen, Landschaft in Poitou und Vendée.

Bocage, Manoel Maria Barbosa du, portug. Dichter, geb. 15. Sept. 1765 zu Setubal, trat in den Marinedienst, wurde 1785 von dem Minister der Marine, den er durch eine spitzige Antwort beleidigt hatte, nach Goa verwiesen, kam 1788 nach Macao und kehrte erst 1790, aus dem Militärdienst entlassen, nach Portugal zurück. Von nun an widmete er sich ganz dem Dienste der Musen, wurde bald eins der angesehensten Mitglieder des Dichterbundes Segunda Arcadia und erlangte namentlich in der Improvisation eine bewundernswürdige Fertigkeit. Infolge einer philosophischen Epistel à la Voltaire, in welcher er die Unsterblichkeit der Seele leugnete, wurde er 1797 auf Befehl der Inquisition verhaftet, erhielt aber 1798 durch den Einfluß des Ministers des Innern, des Herzogs von Lafôes, und des Marquis von Pombal seine Freiheit wieder. Noch einmal 1802 als Freimaurer in Untersuchung gezogen, starb er 21. Dez. 1805. B. ist einer der populärsten neuern Dichter Portugals, dessen Sonette vornehmlich zu den schönsten gehören, welche in portugiesische Sprache gedichtet wurden. Ausgaben seiner Werke erschienen mehrfach, zuletzt von Innocencio da Silva besorgt (Lissab. 1853, 6 Bde.) und von Th. Braga (Porto 1876, 7 Bde.). Vgl. Braga, B. Sua vida e epoca litteraria (Porto 1877).

Bocardo, bei den alten Logikern Name eines Schlußmodus der dritten Schlußfigur mit besonders verneinendem Obersatz, allgemein bejahendem Untersatz und besonders verneinendem Schlußsatz (OAO); z. B.: einige Menschen sind nicht tugendhaft, alle Menschen sind sterblich, folglich sind einige Sterbliche nicht tugendhaft. Vgl. Schluß.

Bocca (ital., Plural Bocche, spr. bok'e), s. v. w. Mund, Engpaß, Flußmündung, auch Meerbusen (z. B. Bocche di Cattaro); a b. chiusa ("mit geschlossenem Mund"), in der Musik s. v. w. Brummstimme.

Boccaccio (spr. -kattscho), Giovanni, einer der größten ital. Dichter und hochverdienter Humanist, war der natürliche Sohn eines in Florenz ansässigen Kaufmanns, dessen Familie von Certaldo, einem bei Florenz gelegenen Flecken, stammte, weshalb B. seinem Namen stets da Certaldo hinzufügte, und wurde nach einigen 1313 zu Paris, wohin seinen Vater Handelsgeschäfte gerufen hatten, nach andern zu Florenz von einer Pariserin geboren. Zum Kaufmann bestimmt, widmete er sich sechs Jahre lang mit Widerwillen diesem Beruf, während ihn seine Neigung zu den Wissenschaften und der schönen Litteratur zog. Auf einer Geschäftsreise nach Neapel, wo er längere Zeit verweilte, wurde der Tradition nach beim Anblick von Vergils Grab, in Wahrheit aber wohl durch den Verkehr mit den Gelehrten, welche sich um den Hof König Roberts I. von Neapel sammelten, die Begierde nach wissenschaftlichem und dichterischem Ruhm so mächtig in ihm, daß sein Vater nicht umhin konnte, seinem Verlangen, sich den Studien widmen zu dürfen, nachzugeben. Doch sollte er zur Vorbereitung auf einen einträglichen Beruf das kanonische Recht studieren. Erst nach mehrjähriger fruchtloser Beschäftigung mit diesem seiner Neigung durchaus widerstrebenden Studium erhielt er von seinem Vater die Erlaubnis, dasselbe aufzugeben und sich ganz seinen Lieblingswissenschaften zu widmen. Zunächst legte er sich mit dem größten Eifer unter der Leitung des gelehrten Leontius Pilatus auf die gründlichere Erlernung des Griechischen, studierte fleißig die römischen Dichter und wurde von da an einer der wärmsten Beförderer der klassischen Studien in Italien. Um die Verbreitung der Kenntnis der griechischen Sprache und Litteratur insbesondere hat er sich unsterbliche Verdienste erworben, indem er zahlreiche griechische Handschriften sammelte und eigenhändig abschrieb. Ebenso widmete er ein gründliches Studium den Werken seines großen Landsmannes Dante und wurde dessen erster Biograph und Kommentator. Zu seinen ersten eignen poetischen Werken begeisterte ihn die Liebe, deren Gegenstand der gewöhnlichen Annahme nach eine natürliche Tochter König Roberts von Neapel, Maria, gewesen sein soll, welche er unter den Namen Fiammetta in seinen frühsten Dichtungen feiert. Durch diese hatte er sich, kaum in der Blüte des männlichen Alters stehend, bereits den Ruf eines vorzüglichen Schriftstellers sowie durch seine wissenschaftlichen Kenntnisse den eines der gelehrtesten Männer seiner Zeit erworben. Zu den hervorragendsten Geistern des damaligen Italien stand er in mehr oder weniger genauen Beziehungen. Keine dieser Verbindungen aber wurde wichtiger für ihn als die mit Petrarca, den er wahrscheinlich schon in Neapel kennen gelernt hatte, und mit dem er etwa seit 1350 in Briefwechsel trat. Eine vertraute Freundschaft aber entwickelte sich zwischen beiden Männern, als er im folgenden Jahr Petrarca das Schreiben der florentinischen Regierung überbringen durfte, durch welches derselbe sein konfisziertes väterliches Vermögen zurückerhielt und zur Rückkehr in seine Vaterstadt eingeladen wurde. Seit 1348 hatte B. seinen festen Wohnsitz in Florenz, machte aber von dort aus häufig Reisen, teils eigens zu dem Zweck, Handschriften zu sammeln, teils in wichtigen Missionen, zu welchen das Vertrauen der Regierung zu seiner Einsicht, seinen Talenten und Kenntnissen ihn öfters berief. Nachdem er schon vor 1347 Gesandter der Republik bei Astasio da Polenta, Herrn von Ravenna, gewesen war, wurde er 1351 an den Markgrafen Ludwig von Brandenburg, Sohn Ludwigs des Bayern, geschickt, um denselben zu einem Zug nach Italien und zur Demütigung der mächtigen Visconti zu veranlassen, eine Sendung, die jedoch ohne Erfolg blieb. Zwei Jahre