Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

146

Böhmisch-Aicha - Böhmisch-Trübau.

gebräuche, viel Eigentümliches haben. Die Sprache der Wälder ist vorherrschend deutsch; an der böhmischen Seite hat das Tschechische an einzelnen Punkten Fuß gefaßt, aber auch das Deutsche tritt in einem eignen, volltönigen Dialekt auf. Östlich vom Osser und Arberberg ist im B. ein großer Distrikt von den sogen. Freibauern bewohnt, deren Stammvater größtenteils angesiedelte bayrische Kriegsgefangene sind, und die früher manche Freiheiten genossen. Vgl. Hochstetter im "Jahrbuch der k. k. geologischen Reichsanstalt", Bd. 6, 7 (Wien 1855-56); Gümbel, Geognostische Beschreibung des ostbayrischen Grenzgebirges (Gotha 1868); Exner, Die Industrie des Böhmerwaldes (Wien 1872); Rank, Aus dem B. (Volkserzählungen, Leipz. 1851, 3 Bde.); M. Schmidt, Kulturbilder aus dem bayrischen Wald (Bresl. 1885); Reisehandbücher von M. Willkomm (Prag 1878), Pascher (Pilsen 1878), Borovsky (Prag 1883), für den Bayrischen Wald von Hoffmann-Mayenberg (5. Aufl., Passau 1886).

Böhmisch-Aicha (tschech. Dub cesky), Stadt in der böhm. Bezirkshauptmannschaft Turnau, am Fuß des Jeschkenbergs, mit Dechanteikirche, Bezirksgericht, großer Schafwollwarenfabrik, Bierbrauerei und (1880) 2619 Einw.

Böhmisch-bayrisches Waldgebirge, s. Böhmerwald.

Böhmisch-Brod (tschech. Brod cesky), Stadt in Böhmen, östlich von Prag, an der Österreichischen Staatseisenbahn gelegen, Sitz einer Bezirkshauptmannschaft und eines Bezirksgerichts, hat (1880) 3841 Einw., 2 Zuckerfabriken, 1 Spiritusbrennerei und Dampfmühle. Bei B. wurden in den letzten Jahren von der Staatseisenbahn Bohrungen auf Kohlenflöze bis zu 1000 m Tiefe vorgenommen. Beim Dorf Lipan steht das 1881 errichtete Denkmal der Schlacht vom 30. Mai 1434, in welcher beide Prokope fielen.

Böhmische Bäder, s. Böhmen, S. 135.

Böhmische Bruder, s. v. w. Mährische Brüder.

Böhmische Dörfer, s. v. w. unbekannte, unverständliche Dinge, weil die Namen der Dörfer in Böhmen deutschen Ohren ganz fremdartig klingen.

Böhmische goldene Bulle, die Urkunde, durch welche Karl IV. 1348 den böhmischen Ständen ihre von Kaiser Friedrich II. 1212 erhaltenen Freiheiten bestätigte.

Böhmische Kämme (Adlergebirge), ein Teil des Glatzer Gebirges, der, dem Habelschwerdter Gebirge parallel laufend, auf dem Grenzsaum Böhmens sich erstreckt und in der Deschnaer Koppe 1098 m Höhe erreicht. Mit beiden Gebirgszügen hängt im NW. durch Einsattelung und moorige Flächen (die Seefelder) die Hohe Mense (1085 m) zusammen.

Böhmische Kompaktaten, s. Hussiten.

Böhmische Litteratur, s. Tschechische Sprache und Litteratur.

Böhmischer Mägdekrieg, Krieg, den nach altböhmischer, von dem Chronisten Hajak im 16. Jahrh. ausgeschmückter Sage nach dem Tode der Königin Libussa deren Freundin Wlasta (etwa um 740) begonnen haben soll, um das weibliche Geschlecht in Böhmen zur Herrschaft zu bringen. Wirklich soll sie von ihrer dem Wyssehrad gegenüber gelegenen Burg Djewin (Mädchenburg) aus das umliegende Land mehrere Jahre beherrscht haben, bis endlich die Männer ihre Burg mit List eroberten und so ihrer Herrschaft ein Ende machten. Die Sage, welcher ein Mythus (wie der Amazonensage), schwerlich aber etwas Historisches zu Grunde liegt, ist von van der Velde in einer Novelle behandelt worden.

Böhmischer Ohrlöffel, s. Partisane.

Böhmisches Mittelgebirge, der von der nördlichen böhmischen Terrasse sich abzweigende Gebirgszug, welcher sich bis zur Biela erstreckt und dem Erzgebirge in einer Entfernung von 10-20 km vorgelagert ist, besteht aus Basalt- und Phonolithkegeln, welche gruppenweise beisammenliegen und bald in eine Spitze, bald abgestumpft endigen. Es sind darunter ganz kleine, kaum 6 m hohe, aber auch imposante, die über 320 m über die Ebene emporsteigen. Der bedeutendste ist der 836 m hohe Milleschauer oder Donnersberg (s. d.).

Böhmische Steine, verschiedene Edelsteine, die in Böhmen gefunden werden, z. B. Rubine (vom Riesengebirge), Topase, Jaspis, Saphire, besonders aber böhmische Granaten, die sich am südlichen Abhang des böhmischen Mittelgebirges finden und dort gebohrt und facettiert werden. Dann versteht man unter böhmischen Steinen auch schöne reine Bergkristalle aus Böhmen, die geschliffen und zum Schmuck verkauft werden und an Glanz und Wasser den Diamanten sehr ähnlich sind, sowie auch nach Art verschiedener Edelsteine gefärbte und geschliffene Glasflüsse.

Böhmische Treiber, s. Treibjagd.

Böhmische Weine, weiße und rote Weine, welche in guten Jahren, die aber selten sind, sehr angenehm und trinkbar, auch alkoholisch ausfallen. Der edelste ist der Czernoseker aus Leitmeritz und Lobositz, ein dunkel goldiger, trockner, sehr kräftiger, feuriger und gewürziger Weißwein, welcher mit den Frankenweinen viel Ähnlichkeit hat, dann der rote Melniker, der in guten Jahren mit mittlerm Burgunder wetteifert. Weißer Melniker gilt als guter Tischwein. Aus Lobositzer Trauben werden auch gute Schaumweine erzeugt. Der feinste böhmische Rotwein führt den Namen Labin.

Böhmisch-Kamnitz, Stadt in der böhm. Bezirkshauptmannschaft Tetschen, an der Böhmischen Nordbahn, mit Bezirksgericht, einem fürstlich Kinskyschen Schloß, Ruine der 1444 zerstörten Burg der Wartenberge (auf dem 544 m hohen Schloßberg) und (1880) 4480 Einw., welche Zwirnerei, Weberei, Strumpfwirkerei und Glashandel betreiben. Nahe dabei die Ortschaften Ober- und Nieder-Kamnitz, mit Baumwoll- und Schafwollspinnerei, Zwirnerei, Papierfabrik und (1880) 2225 Einw.

Böhmisch-Leipa, Stadt im nördlichen Böhmen, am Polzenfluß und an der Böhmischen Nordbahn, welche sich hier in die zwei Linien nach Bodenbach und Georgswalde gabelt, und von welcher hier eine Lokalbahn nach Niemes abzweigt, ist Sitz einer Bezirkshauptmannschaft, eines Kreis- und Bezirksgerichts, hat 4 kath. Kirchen, 1 Synagoge, 1 Augustinerkonvent, Obergymnasium, Kommunaloberrealschule, Handelsschule, Landesackerbauschule (bis 1880 in Liebwerd bei Tetschen), Sparkasse (über 6 Mill. Gulden Einlagen), Krankenhaus und 2 Armenhäuser sowie (1880) 10,170 Einw. An industriellen Unternehmungen besitzt B. 2 Kattundruckereien, eine Rotgarnfärberei, Knopffabrik, Zuckerraffinerie, Bierbrauerei, Maschinenwerkstätte der Böhmischen Nordbahn u. Gasanstalt. Sehr lebhaft ist auch der Handel. B. besitzt seit neuester Zeit auch mehrere Anlagen, wie den Stadtpark, und ein Standbild Kaiser Josephs II.

Böhmisch-sächsisches Sandsteingebirge, s. v. w. Elbsandsteingebirge.

Böhmisch-Trübau (tschech. Trebováceská), Stadt in der böhm. Bezirkshauptmannschaft Landskron, am Vereinigungspunkt der Wien-Brünn-Prager und der Olmütz-Prager Eisenbahn, mit Baumwollspinnerei und Weberei, Bierbrauerei und (1880) 4572 Einw.