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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Bolborhynchus; Bolca-Schiefer; Bolchen; Bolchow; Bolda; Bole; Bolechow; Bolero; Boleslaw

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Bolborhynchus - Boleslaw.

Bolborhynchus, s. Papageien.

Bolca-Schiefer, s. Tertiärformation.

Bolchen (Boulay), Kreisstadt im deutschen Reichsland Elsaß-Lothringen, Bezirk Lothringen, an der Eisenbahn von Metz nach Teterchen, hat eine kath. Pfarrkirche, Amtsgericht, Stahl- und Lederwaren-, Eisen-, Cyankali-, Zigarrenfabrikation, Flanellweberei, Getreidehandel und (1880) 2668 Einw.

Bolchow, hübsche, ganz mit Gärten angefüllte Kreisstadt im russ. Gouvernement Orel, an der Nugra, hat 20 Kirchen (worunter eine Kathedrale) und (1881) 29,019 Einw., die mannigfache Gewerbe, besonders Gerbereien, Handschuhfabriken, Strumpfwirkereien und Seifensiedereien, unterhalten. Auch wird hier vortreffliches Hanföl gepreßt und starker Obstbau und Gemüsekultur betrieben. Die hiesigen Strümpfe und Handschuhe finden im ganzen Reich Absatz. B. hat drei Jahrmärkte, die oft von 40-50,000 Menschen besucht werden.

Bolda, ein zum großen Wolgadelta gehöriger Arm der Wolga (s. d.).

Bole, in Schlesien eine Ackerhufe; in Schleswig ein Ackermaß, in volle, halbe, Viertel- und Achtelbole eingeteilt; auch englisches Hohlmaß, s. Boll.

Bolechow, Stadt in Galizien, Bezirkshauptmannschaft Dolina, an der Swica und an der Eisenbahn von Stryi nach Stanislau, hat ein Bezirksgericht, eine Salzquelle und Salzsiederei, bedeutende Gerberei und (1880) 4181 Einw.

Bolero, span. Nationaltanz, erfunden 1780 von dem Tänzer Sebastian Zerezo, einer der schönsten Tänze in mäßig geschwindem ¾-Takt, doch auch oft mit Taktwechseln, wird von zwei Personen mit Kastagnetten getanzt und mit einer Zither oder mehreren Instrumenten begleitet. Charakteristisch ist besonders der Rhythmus des B.: Mit Gesang und Guitarre akkompagniert, heißen die Boleros Seguidillas-Boleros.

Boleslaw: Fürsten und Herzöge von Böhmen: 1) B. I., Sohn Wratislaws und Bruder des heil. Wenzel, des ersten Königs von Böhmen, den er im Bund mit der dem deutschen Lehnsband und dem Christentum feindlichen Adelspartei 938 ermordete, befreite sich für kurze Zeit von der deutschen Oberherrlichkeit, wurde aber von Kaiser Otto I. 954 wieder zur Huldigung gezwungen, blieb nun dem Kaiser wie dem Christentum treu und kämpfte in der Schlacht auf dem Lechfeld (955) gegen die Magyaren mit. Er starb 967. - 2) B. II., der Fromme, Sohn und Nachfolger des vorigen, suchte das Heidentum in Böhmen gänzlich auszurotten, stiftete 973 das Bistum Prag und legte mehrere Kirchen an. Als Bundesgenosse des aufrührerischen Herzogs Heinrich von Bayern wurde er von Kaiser Otto II. besiegt, behielt jedoch sein Land; die Schwäche des benachbarten Polenreichs benutzte er mit Erfolg zur Erweiterung seiner Herrschaft im Osten. Unter ihm wurde das mächtigste Adelsgeschlecht Böhmens, die Slownik, auf Anstiften der rivalisierenden Wirssowacz ausgerottet; er starb 999. Sein Sohn und Nachfolger B. III., der Rote, wurde wegen seiner Grausamkeit 1002 vertrieben und auf Befehl des polnischen Herzogs Boleslaw Chrobry geblendet; er starb in Polen 1037.

Fürsten von Polen: 3) B. I., mit dem Beinamen Chrobry ("der Kühne"), Sohn des Mieczyslaw und der böhmischen Prinzessin Dubravka, der eigentliche Begründer des Polenreichs, Herzog seit 992, eroberte 1002 die Lausitz und Meißen, 1003 nach Vertreibung Boleslaws III. auch Böhmen, mußte zwar, von Kaiser Heinrich II. bekriegt, letzteres wieder aufgeben, erhielt aber nach langen Kämpfen 1012 die Lausitz und Meißen als kaiserliches Lehen. Ein späterer Abfall Boleslaws endigte 1018 unter gleichen Bedingungen durch den Frieden von Bautzen. B. war ein eifriger Verbreiter des Christentums und begründete die später so wichtige polnische Kastellaneiverfassung. Er starb 1025, nachdem er kurz zuvor die Königswürde angenommen hatte. - 4) B. II., Smialy ("der Kühne"), 1058-81, drang nach Rußland vor und eroberte Kiew, unterstützte in Ungarn die nationale Partei gegen die Deutschen, kämpfte glücklich gegen die Pommern und ließ sich 1076, indem er die Oberherrlichkeit des deutschen Königs abwarf, zum König krönen. Aber wegen seiner Grausamkeit (den Bischof Stanislaus von Krakau erschlug er mit eigner Hand) wurde er 1081 vertrieben und starb 1083 in Ungarn. - 5) B. III., Krzywousty ("Schiefmaul"), 1102-39, Sohn des Wladislaw Hermann, geb. 1085, führte wiederholte Kriege gegen die Pommern, welche er größtenteils zur Unterwerfung und zur Annahme des durch Otto von Bamberg eingeführten Christentums zwang, schlug 1109 einen Angriff Kaiser Heinrichs V. mit Erfolg zurück, unterwarf sich aber demselben 1110 und huldigte 1134 dem Kaiser Lothar. Als sein Bruder Zbygniew sich wiederholt gegen ihn empörte, ließ er ihn 1111 ermorden. Die Einheit des Reichs suchte er durch ein Senioratsgesetz zu sichern. - 6) B. IV., Kendzierzawy ("Kraushaar"), 1146-73, Sohn des vorigen, erhielt nach seines Vaters Tod Masovien und Kujavien, strebte aber nach der Herrschaft über ganz Polen und verjagte seinen ältern Bruder, Wladislaw, der nach Deutschland floh, weshalb Kaiser Friedrich I. B. 1157 mit Krieg überzog und demütigte; B. behielt jedoch das Prinzipat in Polen und starb 1173 ohne Erben. - 7) B. V., Wstidliwy ("der Keusche"), Sohn Lessecks des Weißen, regierte seit 1228 unter Vormundschaft Heinrichs des Bärtigen, welcher dafür von ihm Krakau und Oberschlesien als eignes Herzogtum erhielt, das aber nach Heinrichs Tod bei Liegnitz 1241 an Polen zurückfiel. Seit 1242 selbständig, ward B. mehrmals durch Einfälle der Tataren aus dem Land vertrieben, kehrte zwar immer wieder zurück; doch sank unter ihm die Fürstengewalt sehr, zumal der Adel sich oft widerspenstig zeigte. Er starb 1279 ohne Leibeserben.

Herzöge von Schlesien: 8) B. I., der Lange, Sohn des Herzogs Wladislaw II. von Polen, wurde nach dessen Tod 1163 von seinem Oheim durch Übertragung des größten Teils des Herzogtums Schlesien entschädigt, welches damals zuerst und zwar zunächst als polnisches Lehen begründet wurde. Demnach muß B. als der Stammvater der schlesischen Piasten gelten. Während seiner Regierung bereiteten ihm Gebietsstreitigkeiten mit seinen jüngern Brüdern, welche die Herzogtümer Ratibor und Glogau erhalten hatten, und mit einem Sohn erster Ehe, Jaroslaw, große Schwierigkeiten. Durch die Förderung deutscher Ansiedelungen und Kultur in Niederschlesien hat sich B., der in zweiter Ehe mit einer deutschen Prinzessin vermählt war, große Verdienste um Schlesien erworben. Er starb 7. oder 8. Dez. 1201.

9) B. II., Sohn des Herzogs Heinrich II. von Niederschlesien, geb. um 1217, übernahm nach des letztern Tod 1241 die Regierung zugleich für seine unmündigen Brüder und erhielt bei der Teilung von 1248 Mittelschlesien mit der Hauptstadt Breslau, tauschte aber alsbald diese Lande mit seinem Bruder Heinrich gegen Niederschlesien mit der Hauptstadt Liegnitz ein. Mit