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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Bolivar

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Bolivar.

zum lebenslänglichen Senator ernannt. Er starb 1. Sept. 1872 in Bukarest. Seine sehr geschätzten lyrischen Poesien und Balladen sind seit 1852 mehrfach und unter verschiedenen Titeln gesammelt erschienen, als: "Cantece si plangeri", "Legendele nationale", "Florile Bosforului", "Basmele", "Macedonele" und "Reveriile". Auch schrieb B. Memoiren seiner Reisen und einen ethischen, die Verderbnis des bojarischen Adels geißelnden Roman: "Manuilu", der großes Aufsehen machte. Seine Gedichte erschienen gesammelt in 2 Bänden (Bukarest 1877), eine Auswahl in französischer Übersetzung erschien unter dem Titel: "Brises d'orient" (1866).

Bolivar, bolivian. Goldmünze, 10 Bolivianos = 40,5 Mk.

Bolivar, 1) einer der neun Bundesstaaten von Kolumbien (Neugranada, s. Karte "Peru etc.") in Südamerika, umfaßt das westliche Mündungsgebiet des Magdalenenstroms und hat ein Areal von ca. 55,000 qkm (1000 QM.). Das Land ist bis auf wenige Ausläufer der Kordilleren eine niedrige, oft sumpfige Ebene mit heißem und ungesundem Klima. Die Bevölkerung (1870: 241,704 Einw.) besteht überwiegend aus einem Gemisch von Weißen, Negern und Indianern und lebt vom Landbau und Handel. Die Hauptstadt ist Cartagena, auf einer schmalen Halbinsel unweit der Mündung des Magdalenenstroms gelegen und mit vortrefflichem, befestigtem Hafen ausgestattet, mit gegenwärtig 7800 (früher 28,000) Einw.; allein der bedeutendste Handelsplatz, der jetzt überwiegend den Verkehr Kolumbiens mit dem Ausland vermittelt, ist Barranquilla (20,000 Einw.), in der Nähe des Magdalenenstroms, mit dem es durch mehrere natürliche Kanäle in Verbindung steht. Der rasch aufblühende Ort, in dessen Nähe sich die Werften für die Magdalenendampfer befinden, ist durch eine Eisenbahn mit dem nördlich gelegenen Hafenplatz Sabanilla (s. d.) und durch 6 Dampfergesellschaften mit 21 Dampfern mit Honda (100 km aufwärts) verbunden. Das Geschäft befindet sich fast ganz in den Händen deutscher Kaufleute. Barranquilla ist Sitz eines deutschen Konsuls. -

2) Großstaat der südamerikan. Republik Venezuela, 1881 aus den frühern Staaten (jetzigen Sektionen) Apure und Guayana (exkl. Departements Guzman Blanco und Roscio) gebildet, 229,796 qkm (4173,3 QM.) groß mit (1883) 55,677 Einw.

Bolivar, Simon, der Befreier Südamerikas vom spanischen Joch, geb. 24. Juli 1783 zu Caracas aus einer edlen und reichen altspanischen Familie, ward als Waise von seinem Oheim, dem Marques de Palacios, erzogen, studierte die Rechte in Madrid und bereiste dann Europa. Während seines Aufenthalts in Paris benutzte er mit Eifer den Unterricht in der Normalschule und der polytechnischen Schule. Hier machte er auch die Bekanntschaft Humboldts und seines Gefährten Bonpland. 1803 vermählte er sich zu Madrid mit der Tochter des Marques de Ustariz und ging dann nach Amerika zurück, reiste jedoch, nachdem seine Gemahlin sehr bald ein Opfer des gelben Fiebers geworden, 1804 wieder nach Paris, wo er der Krönung Napoleons I. beiwohnte. Auf seiner Rückkehr ins Vaterland (1809) besuchte er die Vereinigten Staaten, lernte deren freie Institutionen mit ihrem wohlthätigen Einfluß kennen, und sein schon früher gefaßter Plan, das Beispiel Washingtons nachzuahmen und sein Vaterland zu befreien, gedieh in ihm zur Reife. In Venezuela angelangt, verband er sich mit den Patrioten, und als Caracas 19. April 1810 sich gegen die spanische Herrschaft erhob, sandte ihn die Junta nach London, von wo er im September 1811 mit einem Waffentransport zurückkehrte. Er kämpfte nun als Oberstleutnant unter Miranda, mußte jedoch, als nach Mirandas Fall die Spanier Venezuela sich unterwarfen, eine Zuflucht auf der Insel Curassao suchen. Doch schon im September 1812 trat er wieder unter den Insurgenten von Neugranada auf und wurde sehr bald die Seele des ganzen Befreiungskriegs. Über die Grausamkeit der Spanier entrüstet, erklärte er ihnen durch das Edikt von Trujillo 2. Jan. 1813, welches jeden des Royalismus überführten Spanier zum Tod verurteilte, den Krieg auf Leben und Tod.

Nach mehreren glücklichen Gefechten zog B. 4. Aug. 1813 in Caracas ein, ward vom Heer als Befreier Venezuelas begrüßt und vereinigte in sich alle Zivil- und Militärgewalt, in welcher Machtvollkommenheit er von einer 2. Jan. 1814 zusammenberufenen Nationalversammlung bestätigt wurde. Jedoch das anfangs schwankende Glück wandte sich sehr bald ganz gegen B. Seine Truppen wurden 17. Juni 1814 bei La Puerta von Boves mit überlegenen Streitkräften geschlagen und fast gänzlich aufgerieben. Boves zog im Juli 1814 in Caracas ein, verfolgte die Republikaner bis in die Provinz Barcelona und schlug sie bei Arguita nochmals aufs Haupt. B. schiffte sich nun mit den getreuesten seiner Offiziere nach Cartagena ein und trug den konföderierten Provinzen von Neugranada seine Dienste an. Nachdem ihm der dortige Kongreß den Oberbefehl übertragen, besetzte er Bogotá und befreite die Provinz Cundinamarca; allein innerer Zwiespalt vereitelte die Belagerung von Cartagena, und als der spanische General Morillo im März 1815 mit neuen Truppen landete, mußte sich B. 10. Mai nach Jamaica einschiffen, von wo er nach Haïti ging. Hier sammelte er die geflüchteten Insurgenten und landete mit ihnen im Dezember 1816 auf der Insel Margarita. Dahin berief er als Oberhaupt der Republik Venezuela einen Kongreß; auch setzte er eine Regierung ein, nachdem er die Aufhebung der Sklaverei proklamiert und zugleich seine eignen Sklaven freigelassen hatte. In den beiden folgenden Jahren erfochten B., Paez und Santander so viele Vorteile über Morillo, daß 15. Febr. 1819 der Kongreß zu Angostura eröffnet werden konnte, wo B. zum Präsidenten der aus Venezuela, Neugranada und Ecuador bestehenden Republik Kolumbien gewählt wurde. Er führte nun das Heer im Juni über die fast unwegsamen Kordilleren nach Neugranada, eroberte 1. Juli 1819 Tunja und schlug die Spanier bei Bochica, 1821 bei Calabozo, wodurch ganz Neugranada frei wurde. Hierauf vollendete er 1823 und 1824, namentlich nach seinem Sieg bei Junin und dem des Generals Sucre bei Ayacucho, die Befreiung Nieder- und Oberperus, das ihn 1825 ebenfalls mit der diktatorischen Gewalt bekleidete und unter dem Namen Bolivia einen eignen Staat bildete. 1826 legte er die Präsidentenwürde nieder und versammelte einen Kongreß zu Lima, schloß Schutz- und Trutzbündnisse mit den verschiedenen amerikanischen Freistaaten, bewirkte die Zusammenkunft des freilich fruchtlosen amerikanischen Kongresses zu Panama und ward im März 1826 abermals und wieder im August 1828, diesmal mit fast unumschränkter Gewalt, zum Präsidenten der Republik Kolumbien gewählt. Eine Verschwörung, die 25. Sept. sein Leben bedrohte, unterdrückte er, ließ die Urheber erschießen und Santander mit 70 andern der Teilnahme Verdächtigen verbannen. Da er sich aber auch in Peru 17. Aug. 1827 zum lebenslänglichen Präsidenten hatte wählen lassen, dem Kongreß von Bolivia eine antirepublikanische Verfassung